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Titelträume zum Fest 30-jährige Frau trainiert Männer-Oberligisten Top-Trio verliert überraschend Darmstadt kassiert sechs Gegentore

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Zwischen einem perfekten Wochenende und dem Boxing Day darf Jürgen Klopp unter dem Christbaum mehr denn je von seinem ersten Premier-League-Titel träumen. Auch Ralph Hasenhüttl findet sich im englischen Fußball zurecht.

Ungeschlagen und mit vier Punkten Vorsprung steht der FC Liverpool an Weihnachten an der Spitze – das bedeutete in den vergangenen vier Spielzeiten stets den Titel in Englands höchster Spielklasse. "Ich denke nicht darüber nach. Ich habe vorher nicht darüber nachgedacht und denke jetzt nicht darüber nach", antwortete Klopp auf sämtliche Nachfragen zu Rechenspielchen. Nach der überraschenden 2:3-Pleite von Verfolger Manchester City gegen Außenseiter Crystal Palace sind diese aber aktueller denn je.

Für Klopp könnte es derzeit nicht besser laufen. Das routinierte 2:0 bei den Wolverhampton Wanderers am Freitagabend war der siebte Liga-Sieg in Serie, der Trainer hat seit seiner Ankunft auf der Insel nun alle 32 Gegner, die sich ihm stellten, besiegt. "Unsere Jungs waren sehr fokussiert, es war ein gutes Spiel, ein verdienter Sieg an einem schwierigen Ort. Alles ist gut", resümierte der 51-Jährige über den Erfolg dank Toren von Mohamed Salah und Abwehrchef Virgil van Dijk. Weihnachten kann kommen im Hause Klopp – zumindest, bis am zweiten Feiertag schon wieder Newcastle United statt Freunden und Verwandten wartet.

Der Patzer von Verfolger Man City kam völlig unerwartet. Trotz Toren von Nationalspieler Ilkay Gündogan und Kevin de Bruyne musste das Team von Trainer Pep Guardiola die erste Heimniederlage der Saison hinnehmen – es war sogar der erste Punktverlust der Citizens nach neun Siegen im Etihad Stadium. "Es sind noch viele Spiele zu spielen. Es ist kompliziert, aber wir werden bis zur letzten Sekunde kämpfen", kündigte Guardiola an. Zur Niederlage kommentierte er: "Palace hat dreimal aufs Tor geschossen und drei Tore erzielt. So ist Fußball."

Die beste Chance, um Punkte aufzuholen, hat Man City am 3. Januar vor eigenem Publikum im Top-Duell mit den Reds. Klopp jedenfalls erwartet einen langen Kampf um den Titel. "Gab es jemals so ein enges Rennen?", fragte Klopp mit Blick auf die Spitzengruppe, in der sich hinter Liverpool und City auch noch Tottenham, der FC Chelsea und der FC Arsenal befinden. Bei Verfolger Arsenal stand der ehemalige deutsche Nationalspieler Mesut Özil erstmals nach 41 Tagen wieder in der Startelf und leitete beim 3:1-Erfolg gegen den FC Burnley mit schönen Zuspielen gleich zwei Tore ein.

Den zweiten Sieg in Serie gab es für Ex-Leipzig-Trainer Ralph Hasenhüttl mit dem FC Southampton durch das 3:1 beim Vorletzten Huddersfield Town mit dem deutschen Trainer David Wagner. (Fotos: dpa)

In Frankreich trainierte eine Frau schon einmal drei Jahre lang einen Zweitliga-Club der Männer. In Deutschland ist das zumindest auf höherem Niveau neu: Der frühere Regionalligist BV Cloppenburg hat die 30 Jahre alte Imke Wübbenhorst zur Trainerin seines Männerteams ernannt. "Ich habe total Bock darauf. Und ich hoffe, dass ich nicht nur auf das Thema Mann/Frau reduziert werde, sondern, dass wir Leistung bringen", sagte sie der Deutschen Presse-Agentur am Sonntag.

Die frühere U20-Nationalspielerin des Hamburger SV trainierte bislang die Frauen-Mannschaft des Vereins in der 2. Bundesliga Nord. Jetzt soll sie den Abstieg der Männer aus der fünftklassigen Oberliga Niedersachsen verhindern, wo der BVC auch aufgrund finanzieller Probleme aktuell nur Tabellenletzter ist.

"Imke Wübbenhorst ist aufgrund ihrer Qualifikation absolut in der Lage, das Team zu trainieren", sagte Vorstandsmitglied Udo Anfang der "Nordwest-Zeitung" (Samstag). "Da haben wir überhaupt keine Zweifel."

Die 30-Jährige ist studierte Sportpädagogin und Inhaberin der Trainer-A-Lizenz. In ihrer aktiven Karriere spielte sie unter anderem für den Hamburger SV und den spanischen Erstligisten Sporting Huelva.

Der Liga-Primus Hamburger SV hat ein schmerzliches Déjà-vu gegen Holstein Kiel erlebt und sich im Aufstiegsrennen der 2. Fußball-Bundesliga nicht absetzen können. Am Sonntag verlor der HSV erneut das Nord-Derby gegen Kiel und behält nach dem 1:3 (0:2) nur einen Punkt Vorsprung auf den Tabellenzweiten 1. FC Köln. "Wir wollten ein gutes Spiel machen und gewinnen, beides ist uns nicht gelungen. Das ärgert uns massiv", sagte HSV-Coach Hannes Wolf, unter dessen Regie der Spitzenreiter erstmals verlor.

Angesichts dieser Bilanz beschwichtigte Kapitän Aaron Hunt auch gleich: "Es ist nichts Dramatisches passiert. Wir sind immer noch Tabellenerster. Viele andere Mannschaften würde gerne mit uns tauschen." Die Verfolger Köln und Union Berlin verloren ebenfalls am letzten Spieltag vor der Winterpause.

Köln musste sich am Freitagabend zu Hause überraschend dem VfL Bochum geschlagen geben. "Das ist natürlich schade, aber wir dürfen jetzt nicht alles schlecht reden. Wir haben eine gute Hinrunde gespielt", sagte Kölns Coach Markus Anfang nach der 2:3 (1:1)-Niederlage, die VfL-Stürmer Lukas Hinterseer mit einem Treffer schon nach 28 Sekunden eingeleitet hatte.

Eine Überraschung gelang am Sonntag auch Erzgebirge Aue, die Sachsen besiegten Union Berlin mit 3:0 (2:0). Pascal Testroet erzielte alle drei Tore. Für die Berliner war es am 18. Spieltag die erste Saisonniederlage in der Liga. Dadurch fielen die Köpenicker auf Tabellenrang vier zurück. Auf den Aufstiegsrelegationsplatz kletterte stattdessen der FC St. Pauli. Die Kiez-Kicker verabschiedeten sich mit einem 4:1 (1:1) gegen den 1. FC Magdeburg in die Winterpause.

Dynamo Dresden feierte zum Jahresabschluss einen 3:1 (2:0)-Sieg beim abstiegsbedrohten Tabellen-16. MSV Duisburg. Die Partie zwischen dem SC Paderborn und dem SV Darmstadt 98 endete torreich 6:2 (1:1).

Aufsteiger Magdeburg muss als 17. der Tabelle Weihnachten auf einem Abstiegsplatz feiern. Doch FCM-Kapitän Christian Beck kündigte eine Aufholjagd an: "Wir wollen Punkte holen und Tore schießen, die Grundlagen hierfür holen wir uns in der Vorbereitung." Schlechter als Duisburg und Magdeburg steht in der Tabelle nur der FC Ingolstadt dar, bei dem trotz zweier Trainerwechsel der Erfolg bislang ausblieb.

"Das Weihnachtsfest ist für uns alle völlig am Arsch", schimpfte FCI-Verteidiger Marcel Gaus nach dem 1:2 (1:1) gegen den Jahn Regensburg am Samstag. Nun will FCI-Coach Jens Keller eine härtere Gangart einlegen: "Es steht viel, viel Arbeit in der Vorbereitung an. Und wenn einer nicht richtig mitzieht, kriegt er das zu spüren." Ebenfalls im Abstiegskampf stecken Arminia Bielefeld und der SV Sandhausen, der auf Tabellenplatz 15 kletterte.

Der Abwärtstrend des SV Darmstadt nimmt mehr und mehr bedenkliche Züge an. Beim 2:6 (1:1) gegen den SC Paderborn bot das Team von Trainer Dirk Schuster am Ende eine desaströse Vorstellung und blieb zum sechsten Mal in Serie ohne Sieg. "Nachdem wir uns zweimal zurückgekämpft haben, haben wir dann bei allen Toren fleißig mitgeholfen. So ist es natürlich ein ernüchterndes Ergebnis und das Spiel hat gezeigt, wo der Schuh drückt", monierte Schuster nach der vorweihnachtlichen Klatsche am gestrigen Sonntag.

Vor 11 547 Zuschauern in der Benteler-Arena hatten Bernard Tekpetey (16. Minute/75./85.), Sven Michel (50./77.) und Babacar Gueye (88.) zuvor für den Kantersieg der Paderborner gesorgt, die sich damit auf Rang sieben der 2. Fußball-Bundesliga verbesserten. Dagegen müssen sich die Gäste trotz der zwischenzeitlichen Ausgleichstreffer durch Marvin Mehlem (32.) und Joevin Jones (65.) weiter nach unten orientieren. Mit frustrierter Miene musste Coach Schuster mitansehen, wie sein Team in der Schlussphase vollends die Linie verlor.

Die Pause der 2. Liga kommt den Hessen nach einem Halbjahr mit 18 durchwachsenen Liga-Spielen daher recht. "Ich bin ganz froh, dass erstmal keine Pflichtspiele anstehen, damit wir uns kräftig durchschütteln können", sagte Schuster. Der Abstand nach unten ist mit sechs Zählern nur deshalb noch einigermaßen komfortabel, weil der MSV Duisburg, der 1. FC Magdeburg und der FC Ingolstadt eine miserable Hinrunde hingelegt haben.

Quelle: Gießener Allgemeine

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