Hamburger SV

Als Tabellenführer beurlaubt

  • schließen

Hinter dem strauchelnden und dennoch deutlich führenden Spitzenreiter 1. FC Köln haben sich die Verfolger am 31. Zweitliga-Spieltag neu sortiert. Am Tag nach der Trennung zwischen dem Tabellenführer und Trainer Markus Anfang ist der SC Paderborn nun der erste Anwärter, die Domstädter in die Bundesliga zu begleiten.

Hinter dem strauchelnden und dennoch deutlich führenden Spitzenreiter 1. FC Köln haben sich die Verfolger am 31. Zweitliga-Spieltag neu sortiert. Am Tag nach der Trennung zwischen dem Tabellenführer und Trainer Markus Anfang ist der SC Paderborn nun der erste Anwärter, die Domstädter in die Bundesliga zu begleiten.

Durch einen 3:1 (0:0)-Erfolg gegen den 1. FC Heidenheim zogen die Ostwestfalen am Hamburger SV vorbei. Die Hanseaten verloren bei Union Berlin mit 0:2 (0:0) und rutschten in der Tabelle hinter "Eisern Union" auf Rang vier ab. Köln liegt mit 59 Punkten vor Paderborn (54) sowie Berlin und Hamburg (jeweils 53).

Zu diesem Zeitpunkt hatte man in Köln bereits nach vier Partien ohne Sieg dem bisherigen U21-Coach Andre Pawlak zum Trainer der FC-Profis befördert. Der neue Mann hat nun die Aufgabe, seine Mannschaft als Aufsteiger über die Ziellinie zu bringen und damit den "Betriebsunfall Abstieg" aus dem vergangenen Jahr zu reparieren.

"Es war notwendig, in dieser Phase der Saison etwas zu verändern, um unser Ziel nicht in Gefahr zu bringen", begründete Kölns Sportchef Armin Veh nach der 1:2 (0:1)-Heimniederlage gegen Darmstadt 98 die personelle Rochade, die den gebürtigen Kölner Anfang schwer traf: "Mein Kölner Herz trägt Trauer, aber ich muss die Entscheidung akzeptieren, auch wenn sie natürlich schmerzt."

Im Tabellenkeller sammelten der 1. FC Magdeburg und der FC Ingolstadt wichtige Punkte. Aufsteiger Magdeburg siegte gegen die SpVgg Greuther Fürth ebenfalls mit 2:1 (2:1), mit 1:0 (0:0) behielt Ingolstadt gegen Dynamo Dresden die Oberhand. Damit steht Tabellenschlusslicht MSV Duisburg vor dem Montagsspiel (20.30 Uhr/Sky) gegen Arminia Bielefeld unter extremem Erfolgsdruck.

"Dieser Sieg war aber nur ein Schritt in die richtige Richtung, nicht mehr", sagte Magdeburgs Trainer Michael Oenning, dessen Team mit 30 Punkten Relegationsplatz 16 einnimmt. Lobend äußerte er sich besonders über die Moral seines Teams: "Wenn man früh zurückliegt, hat man einen langen Weg vor sich. Den haben meine Jungs gut zurückgelegt."

Auch bei den Schanzern konnte man kurz durchschnaufen, obwohl 29 Zähler aktuell nur zu Rang 17, dem ersten Abstiegsplatz, reichen. Coach Tomas Oral nannte den Erfolg "einen lebensnotwendigen Sieg" und zeigte sich vom Einsatzwillen seiner Schützlinge geradezu begeistert: "Die Mannschaft gibt sich nicht auf und zeigt seit Wochen ein überragendes Gesicht." Erzgebirge Aue nutzte ebenfalls die Gelegenheit, sich weiter aus der Abstiegszone zu entfernen. Nach einer 2:0-Führung siegten die Sachsen gegen den VfL Bochum durch einen Foulelfmeter in der Nachspielzeit mit 3:2.

Union Berlin hat seine Aufstiegschancen mit einem leidenschaftlichen Sieg gegen den direkten Konkurrenten Hamburger SV gewahrt. Die Eisernen zogen dank der besseren Tordifferenz in der Tabelle am punktgleichen HSV vorbei. Die viertplatzierten Hamburger müssen nach sechs Spielen ohne Sieg in Folge mehr denn je um die sofortige Rückkehr in die Bundesliga bangen. "Das war ein gebrauchter Tag. In der zweiten Halbzeit starten wir katastrophal, wir haben das Spiel einfach hergeschenkt", sagte HSV-Kapitän Aaron Hunt: "Wir sind alle enttäuscht. Wir müssen nun alle drei Spiele gewinnen und hoffen, dass die anderen straucheln." Mittelfeldspieler Robert Zulj erzielte in der 46. Minute die Führung für Union – unter gütiger Mithilfe von Gideon Jung. Der HSV-Verteidiger hatte zuvor gepatzt und den Ball an Vorbereiter Suleiman Abdullahi verloren. Grischa Prömel (84.) erhöhte auf 2:0.

Mit einem 2:1-Sieg in Cottbus hat sich der VfL Osnabrück den Meistertitel in der 3. Fußball-Liga gesichert. "Der bedeutet uns als Mannschaft sehr viel", sagte Trainer Daniel Thioune. "Meine Jungs sind vier Wochen vor Schluss durchgewesen, da wären sie Aufstiegshelden gewesen, aber sie wollten Legenden werden, da arbeiten sie noch ein bisschen dran, aber mit sieben Siegen in Folge arbeiten sie vernünftig an diesem Status", fügte er hinzu.

Vor 8034 Zuschauern im Stadion der Freundschaft hatte Marc Heider (51.) den Aufsteiger am Samstag in Führung gebracht, Streli Mamba (54.) ausgeglichen, ehe Benjamin Girth (75.) den Gästen den vorzeitigen Meistertitel in der dritten Liga sicherte. "Es war ein hartes Stück Arbeit, aber wir haben uns für die ganze Saison heute richtig belohnt", sagte Heider.

Auch der Karlsruher SC hat mit seinem 2:0 gegen den TSV 1860 München einen wichtigen Sieg im Rennen um den Aufstieg in die 2. Fußball-Bundesliga errungen. "Natürlich hat uns in die Karten gespielt, dass wir relativ früh 1:0 geführt haben", sagte Trainer Alois Schwarz. "Dadurch ist die Brust ein bisschen breiter geworden und die vom Gegner schmäler." Den frühen Führungstreffer für den KSC im mit 15 000 Zuschauern ausverkauften Stadion an der Grünwalder Straße erzielte David Pisot (3.) In der Nachspielzeit erzielte Marvin Wanitzek den 2:0-Endstand.

Im Aufstiegskampf kann der SV Wehen Wiesbaden erst am Montag gegen den 1. FC Kaiserslautern eingreifen. Die Hessen könnten dann allerdings wieder am Tabellendritten Hallescher FC vorbeiziehen, der am Freitag mit dem 1:1 bei der SG Sonnenhof Großaspach zwei Punkte liegen ließ. "Großaspach hat uns aus dem Nichts mit dem 1:1 bestraft. Unser Gegner war sehr stark, deshalb müssen wir mit dem Unentschieden leben", kommentierte Halles Coach Torsten Ziegner das Geschehen.

Der strauchelnde Hamburger SV hat den früheren Nationalspieler Lewis Holtby im Endspurt der 2. Fußball-Bundesliga bis zum Saisonende suspendiert. Der 28-Jährige habe Trainer Hannes Wolf nach dem Abschlusstraining vor dem 0:2 beim 1. FC Union gebeten, nicht mit nach Berlin zu reisen, weil er nicht von Beginn an spielen werde, berichteten HSV-Sportvorstand Ralf Becker und Wolf am Sonntag. Deshalb werde Holtby nicht mehr am Training des Profiteams teilnehmen und zum Einsatz kommen. "Für uns ist klar, und das wird auch bis zum Ende der Saison so bleiben, dass es keinen Sinn mehr macht", sagte Becker. Holtby habe kurz nach seiner Aussage gewusst, dass dies ein Fehler gewesen sei, berichtete Coach Wolf. "Aber du bekommst es dann nicht mehr gedreht, wenn es ausgesprochen ist, dass ein gesunder Spieler nicht mit zum Spiel will." Holtbys Vertrag läuft zum Saisonende aus.

Marc-Andre ter Stegen stand inmitten des Lichtermeeres im Camp Nou mit seinem strahlendsten Lächeln, machte mit beiden Händen die Faust und präsentierte voller Stolz sein Trikot mit der Aufschrift: "8 in 11, das Außergewöhnliche ist so normal." Die Botschaft des deutschen Nationaltorhüters nach dem vorzeitigen Titelgewinn mit dem FC Barcelona war eindeutig: Achtmal Meister in den letzten elf Jahren – Barca ist der Dominator der Primera Division!

Neun Punkte Vorsprung, besseres direktes Duell gegen Verfolger Atletico Madrid – die 26. Meisterschaft der Klubgeschichte ist den Katalanen nicht mehr zu nehmen. Auf den Rängen stimmten die Fans nach dem Schlusspfiff zum mühsamen 1:0-Erfolg gegen das abstiegsbedrohte UD Levante Meistergesänge an, und die Spieler genossen ausgelassen die Stimmung auf dem Rasen.

Dass Platz eins unter Dach und Fach ist, hatte die Blaugrana wieder einmal Lionel Messi zu verdanken. Nach seiner Einwechslung zur Halbzeit erzielte der fünfmalige Weltfußballer in der 61. Minute den Treffer des Tages, es war das 598. Tor für seinen geliebten Klub, der 34. in der laufenden Saison. Für Messi ist es bereits der zehnte Meistertitel – Rekord. Der Argentinier löste damit vereinsintern Andres Iniesta (9) ab. "Er ist der Beste der Welt, wir sollten jede Minute von ihm genießen, die Fans, Kollegen und die Presse", sagte Messis Sturmkollege Luis Suarez.

Immerhin schon viermal triumphierte auch ter Stegen seit seinem Wechsel 2014 mit den Katalanen. Der ehemalige Mönchengladbacher erlebt derzeit wohl seine schönste Zeit bei Barca. Mit Glanzleistungen hat sich der 26-Jährige in die Herzen der Anhänger gespielt und avancierte in der Presse zum "heiligen Marc-Andre". Unlängst war er auch vom Klubchef geadelt worden. "Er ist für mich der beste Torwart der Welt", hatte Josep Bartomeu erklärt.

Auch gegen Levante stand der zuvor weitgehend unbeschäftigte ter Stegen in der Schlussminute wieder im Rampenlicht. Ein überraschender Schuss von Enis Bardhi traf den Pfosten und flog von dort in seine Hände. Dusel statt Ausgleich. Nach dem Abpfiff war das schon wieder vergessen.

Quelle: Gießener Allgemeine

Kommentare