1. Wetterauer Zeitung
  2. Sport
  3. Sport-Mix

Auf der Suche nach Mr. Right

Erstellt: Aktualisiert:

Kommentare

Seit dem Sommermärchen 2006 verabschiedet sich in Reinhard Grindel schon der vierte DFB-Präsident. Diese Quote demonstriert den schlechten Zustand des Verbandes. Der nächste Chef muss viele Aufgaben erfüllen können. Die Kandidatensuche ist eröffnet.

Für den Deutschen Fußball-Bund ist es eine unangenehme Zeitreise. Wie im November 2015 müssen die Vize-Chefs Reinhard Rauball und Rainer Koch den größten Sportfachverband als Interims-Doppelspitze aus der Krise führen. Damals stand der DFB durch den Sommermärchen-Skandal und den Rücktritt von Wolfgang Niersbach vor einem Scherbenhaufen. Spekuliert wird über eine grundsätzliche Strukturreform mit einer Geschäftsführung und einem Aufsichtsrat, dem dann der neue DFB-Präsident vorsteht. Die derzeitige Form des eigentlich 17-köpfigen DFB-Präsidiums scheint längst nicht mehr zeitgemäß. Unter anderem auch, weil nur eine Frau vertreten ist.

? Wie läuft die Suche nach einem Nachfolger von DFB-Chef Reinhard Grindel?

Eine Präsident-Findungs-Kommission gibt es (noch) nicht. Aber das Profil scheint klar. Gesucht wird ein Fußball-Fachmann mit enormen diplomatischen Fähigkeiten, einer harten Hand und reichlich Funktionärserfahrung für die notwendigen Reformen. Der Kandidat muss zudem wie immer beim DFB den Amateuren und den Profis vermittelbar sein. Diese komplizierte Headhunter-Aufgabe müssen die Vize-Chefs Rauball und Koch nun lösen. Viel Zeit haben sie nicht. Am 27. September ist der DFB-Bundestag terminiert und das Tagesgeschäft geht weiter. Die schwere Regionalliga-Reform muss geschafft werden. Rauball muss zudem noch einen Nachfolger für sich als Ligapräsident bei der DFL finden. Und auch international ist die Doppelspitze gefordert, wenn am 5. Juni sich der deutsche Fußball beim Weltverbands-Kongress entscheiden muss, ob er sich für oder gegen FIFA-Chef Gianni Infantino positionieren will.

? Wer sind die gehandelten Kandidaten beim DFB?

Bislang konzentriert sich fast alles auf Kandidaten aus dem Fußball. Philipp Lahm wurde schon nach dem auch für Grindel desaströsen WM-Sommer gehandelt. Doch der Ehrenspielführer will offenbar nicht. Als Geschäftsmann hat er sicher höhere Einkünfte und führt ein selbstbestimmteres Leben, als es ihn an der Otto-Fleck-Schneise erwarten würde. Christoph Metzelder hat sich nach der Profi-Karriere wie auch Stuttgarts Sportvorstand Thomas Hitzlsperger viel Respekt erarbeitet. Der hat aber keine Ambitionen. Matthias Sammer böte ganz viel Meinungsstärke. Möglicherweise wird der DFB wieder bei Rudi Völler vorstellig, der 2000 der geeignete Notnagel in der sportlich prekären Lage war und überraschend DFB-Teamchef wurde.

? Welche Probleme muss der neue Chef lösen?

Nach den vielen Krisenjahren muss vor allem Ruhe einkehren in der Zentrale. Fünf Präsidenten in 13 Jahren, das gab es vorher nie beim DFB. Vor allem der Dauerkonflikt zwischen Amateur- und Profiinteressen muss endlich befriedet werden – gemeinsam mit dem noch nicht bekannten Ligapräsidenten. Entscheidend verbessert werden muss die Außendarstellung des Verbandes.

? Was bedeutet der Wechsel an der DFB-Spitze für Bundestrainer Joachim Löw und die Nationalmannschaft?

Erst mal kann Löw in aller Ruhe die EM-Qualifikation weiter spielen. Bis der neue Mann im Amt ist, sollte das Ticket für 2020 fast schon gelöst sein. Wie es für den Bundestrainer dann weitergeht, hängt vom neuen DFB-Chef ab. Ein Vorwurf an Grindel war auch, dass er der Abkapselung der Nationalmannschaft unter Löw und Direktor Oliver Bierhoff nicht entgegenwirkte. Der Gipfel war die Vertragsverlängerung ohne Not vor der WM 2018. Es gibt den Wunsch der Funktionäre, das »Raumschiff Nationalmannschaft« wieder näher an den Verband zu binden. Löw hat allerdings seit 2006 immer wieder gezeigt, dass ihn Vorgaben der DFB-Führung nicht daran hindern, seine Pläne nach seinen Vorstellungen durchzuziehen.

? Warum darf Grindel seine internationalen Ämter behalten?

Grindel ist nicht vom DFB in die UEFA-Exekutive und in das FIFA-Council gewählt. Die Ämter sind an seine Person gebunden. Aber der DFB könnte Druck auf Grindel ausüben. Das wäre aber im Moment gegen die eigenen Interessen. Bei den anstehenden Neuwahlen wäre nicht gesichert, dass ein noch unerfahrener deutscher Kandidat den Posten bekommt. Die Strategie ist also: Grindel in den Ämtern lassen, bis sich der neue DFB-Chef einen Namen gemacht hat.

? Droht Grindel nun auch Ungemach von FIFA und UEFA?

Nach Informationen der »Welt« ist Grindel bei der UEFA nicht haltbar. »Er ist ein guter Typ, aber wir haben keine andere Option, als hart mit ihm zu sein«, zitierte die Zeitung einen Funktionär. »Wenn er aus ethischen Gründen beim DFB aufhört, kann er nicht gleichzeitig bei der UEFA bleiben. Das wäre komplett unrealistisch. Für den DFB ist er nicht gut genug, aber für die UEFA schon?« In den kommenden Tagen solle Grindel auch dort der Rücktritt nahe gelegt werden. Grindel hat aber die Möglichkeit, wieder beim ZDF zu arbeiten, für das er zuvor schon tätig war. »Herr Grindel hat aufgrund seiner früheren Mitgliedschaft im Bundestag ein im Abgeordnetengesetz geregeltes gesetzliches Rückkehrrecht«, teilte das ZDF mit.

Auch interessant

Kommentare