Brummschädel: Makoto Hasebe zieht sich in der letzten Aktion des Spiels bei Union Berlin eine Gehirnerschütterung zu.
+
Brummschädel: Makoto Hasebe zieht sich in der letzten Aktion des Spiels bei Union Berlin eine Gehirnerschütterung zu.

Sorgen um Hasebe

  • vonDPA
    schließen

Für die Sportliche Leitung der Frankfurter Eintracht hatte die freitägliche Bundesligabegegnung an der Alten Försterei eine hohe Wertigkeit. Die Verantwortlichen verorteten das Duell beim eisernen Aufsteiger aus Berlin als Knackpunktspiel. Adi Hütter hat diesen Druck bewusst aufgebaut und ihn genau so an seine Mannschaft weitergegeben. "Der Trainer hat gesagt, wenn wir oben mitspielen wollen, müssen wir auswärts gewinnen", sagte Verteidiger Almamy Touré. Und ergänzte: "Das haben wir gemacht."

Der 2:1 (0:0)-Erfolg der Eintracht bei Union hat für eine gewisse Erleichterung im Frankfurter Lager gesorgt, zum einen, weil diese Serie von sieglosen Spielen in der Fremde (letzter Dreier am 6. April, 2:1 auf Schalke) endete. Zum anderen aber, weil die Eintracht somit den Anschluss nach oben hielt. Sie liegt zwar weiterhin auf Rang neun, im Mittelfeld, doch mit zehn Punkten ist sie im Soll und hat die internationalen Plätze in Sichtweite.

Dass Coach Hütter und auch Sportdirektor Bruno Hübner ("Wer Ambitionen hat, vorne mitzuspielen, der muss hier gewinnen") so offensiv mit ihren Zielen umgehen, zeigt auch die gestiegene Erwartungshaltung, die nicht nur von außen geschürt wird - auch intern sind die Ansprüche gewachsen, was ja nichts Schlimmes oder Verwerfliches ist. Vorstand Axel Hellmann hatte schon vor einigen Wochen entsprechende Schwingungen und diesen extremen Erfolgshunger wahrgenommen: "Wer Adi Hütter und Fredi Bobic kennt, der weiß, wie groß ihre Ambitionen sind. Was man intern anstrebt und was nach draußen als fixes Ziel verkündet wird, muss ja nicht ein und dasselbe sein." Offizielles Saisonziel ist eine Platzierung in den Top Ten. Inoffiziell dürfte es eine weitere Spielzeit mit internationalem Anstrich sein.

Davon sind die Hessen weit entfernt, allein bis zur Winterpause stehen noch satte 17 Pflichtspiele aus, aber der Sieg in Berlin war ein guter Einstieg in die Englische Woche, die sie am Donnerstag in der Europa League nach Portugal zu Vitoria Guimaraes führt. Anschließend, am Sonntag, kommt Werder Bremen in den Stadtwald. Auch das sind wegweisende Partien, in der Bundesliga wollen die Frankfurter den Anschluss zu den Topklubs möglichst verkürzen und in der Europa League die Scharte gegen Arsenal London, dieses 0:3, ausmerzen.

In Guimaraes, vor den Toren Portos gelegen, steht die Eintracht schon unter Druck, weil sie nach der Auftaktniederlage dringend punkten muss, um ihre Ambitionen auf das Sechzehntelfinale aufrecht zu erhalten. Die Portugiesen gelten als schwächster Gegner in der Gruppe, haben das erste Spiel in Lüttich mit 0:2 verloren.

Die Eintracht wird sich in Guimaraes keinen Ausrutscher leisten können. "Das wird ein schwieriges Spiel", warnt Trainer Hütter, der die Begegnung auch deshalb als "ein bisschen besonders" einstuft, "weil wir viele Spieler mit portugiesischer Vergangenheit haben". André Silva und Goncalo Paciencia stammen aus Portugal, Gelson Fernandes und Bas Dost haben beide in Lissabon bei Sporting gespielt. "Das ist etwas ganz Besonderes, das Spiel ist der Nähe meiner Geburtstätte", sagt Silva voller Vorfreude. Der Stürmer hatte, genauso wie Partner Dost, gegen Berlin entscheidenden Anteil am Erfolg und einen Treffer beigesteuert.

Augenscheinlich ist dennoch, dass die Mannschaft noch nicht die richtige Balance gefunden hat. Die spielerische Qualität soll angehoben und auf Langholz weitgehend verzichtet werden. Doch dieses Ansinnen ist nicht so leicht in die Praxis zu transportieren. Die Passgenauigkeit hat sich zwar verbessert, aber mit 80 Prozent liegt das Team dennoch im hinteren Drittel der Liga. "Wir sind noch nicht so eingespielt", sagt der Schweizer Neuzugang Djibril Sow, der immer besser ins Rollen kommt.

Der Sieg in der Alten Försterei ist allerdings teuer bezahlt worden: Makoto Hasebe, überragender Mann der Eintracht und Stabilisator der Hintermannschaft, wird den Frankfurtern in den nächsten beiden Spielen sehr wahrscheinlich nicht zur Verfügung stehen. Der Japaner hat bei einem spektakulären Zusammenprall mit Torwart Kevin Trapp in der allerletzten Aktion eine Gehirnerschütterung erlitten. Kurzzeitig hatte Hasebe auch das Bewusstsein verloren. Der 35-Jährige wird eine Woche ausfallen, also die Partie in Portugal in jedem Fall verpassen. Torwart Kevin Trapp hat sich in dieser Szene eine Schulterblessur zugezogen. Sein Einsatz am Donnerstag scheint zumindest nicht ausgeschlossen. Ingo Durstewitz/Thomas Kilchenstein

Quelle: Gießener Allgemeine

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare