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SGE-Express Richtung Europa Streich dementiert Wechsel zu auftrumpfenden Bayern

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Es war ein zähes, schwaches und unansehnliches Spiel. Und trotzdem zeigt auch der 1:0-Sieg gegen Hannover 96, dass Eintracht Frankfurt im Europacup-Rennen wohl kaum noch einbrechen wird.

Dort, wo Eintracht Frankfurt vielleicht bald spielen wird, ist Gelson Fernandes überall schon gewesen. Manchester City, Sporting Lissabon, Stade Rennes und jetzt Frankfurt: Die bisherigen Karrierestationen des Schweizer Nationalspielers lesen sich wie eine mögliche Champions-League-Gruppe der kommenden Saison. »Wir haben jetzt noch neun wichtige Spiele. Wenn wir so hart weiterarbeiten, können wir vielleicht etwas erreichen«, sagte Fernandes nach dem 1:0 (1:0)-Sieg der Eintracht gegen Hannover 96.

Was die Frankfurter Saisonziele angeht, ist so ein Satz fast schon das Äußerste, was der gestrenge Trainer Niko Kovac seinen Spielern an Europapokal-Ambitionen durchgehen lässt. Schaut man aber auf die Tabelle der Fußball-Bundesliga, sind Fernandes’ Aussagen fast schon eine gewaltige Untertreibung.

Denn neun Spieltage vor dem Saisonende steht die Eintracht immer noch auf einem Champions-League-Platz. 42 Punkte nach 25 Spielen: Das sind sieben Punkte Vorsprung auf einen Nicht-Europacup-Platz. Das sind schon jetzt bei Minusgraden Anfang März genauso viele Punkte wie am Ende der gesamten vergangenen Saison. Und das ist eine Zwischenbilanz, wie sie die Eintracht zuletzt vor 24 Jahren mit so schillernden Namen wie Uwe Bein, Uli Stein oder Anthony Yeboah hatte.

Keine Frage: Wer diese Mannschaft am Samstag ächzen und schwitzen sah, der weiß auch, dass es gegen Manchester City oder Sporting Lissabon in der nächsten Saison schwer werden könnte. Gegen Hannover brauchte die Eintracht sogar die Hilfe des Schiedsrichters, um ein zähes und unansehnliches Spiel zu gewinnen. Denn vor dem entscheidenden Tor durch Danny da Costa in der 39. Minute hätte es Abstoß für Hannover und niemals Eckball für Frankfurt geben dürfen.

Kovac lobt Charakter

Trotzdem sah Trainer Niko Kovac auch in diesem Spiel etwas, das ihm wichtig ist und das ihm gefiel: »Die Mannschaft hat einen guten Charakter, eine gute Mentalität und kann nach schlechten Spielen wieder aufstehen. Das ist auch eine Qualität«, sagte er. Kovac ist sich ohnehin sicher: »Mentalität schlägt Qualität.« Genau das spricht in diesem engen Europacup-Rennen für die Eintracht.

Der Tabellenvierte hat in dieser Saison noch nie zwei Spiele nacheinander verloren. Die Leistung war zuvor beim 0:1 in Stuttgart besonders schlecht gewesen. Für die personellen Voraussetzungen galt das vor dem Spiel gegen Hannover auch. Trotzdem gewann die Eintracht auch ohne ihre drei besten Mittelfeldspieler Omar Mascarell (verletzt), Kevin-Prince Boateng (erkältet) und Mijat Gacinovic (außer Form) – weil Kovac jeden in diesem Kader unter Spannung hält. Der Matchwinner da Costa köpfte gegen Hannover sein erstes Bundesliga-Tor. Der Vorbereiter Jonathan de Guzman gab nach mehr als viermonatiger Verletzungspause sein Comeback. Auch der Einsatz von Gelson Fernandes folgte laut Kovac dem Credo: »Hannover hat im Mittelfeld eher Handwerker, da wollte ich auch Handwerker im Team haben.« Das Fazit ist also: Keiner der Genannten kann einen Boateng oder Mascarell gleichwertig ersetzen. Aber jeder von ihnen tat alles dafür, um die entstandenen Lücken so klein wie möglich zu halten. »Der Trainer verlangt manchmal sehr viel von uns«, sagte Fernandes. »Aber an Tagen wie heute sehen wir, wofür die harte Arbeit gut ist.«

Mit ungewöhnlichen Vatergefühlen hat Thomas Müller dem FC Bayern München zum nächsten Sieg auf dem Weg zur 28. deutschen Meisterschaft geschossen. »Ich habe mich so ein bisschen anstacheln lassen. Gestern Abend ist mein erstes Fohlen der Saison auf die Welt gekommen, also ich bin praktisch frisch Papa geworden«, sagte der überragende Müller nach dem 4:0 (2:0) beim SC Freiburg am Sonntag dem TV-Sender Sky. Der Nationalspieler erzwang das Eigentor von Freiburgs Torhüter Alexander Schwolow (25.) zur Führung und sorgte in der 69. Minute für die Entscheidung.

Die weiteren Münchner Treffer erzielten Corentin Tolisso (28.) mit einem traumhaften Distanzschuss und Nationalstürmer Sandro Wagner (55.). Damit hat die Mannschaft von Trainer Jupp Heynckes neun Spiele vor Saisonende weiter 20 Punkte Vorsprung vor dem zweitplatzierten FC Schalke 04. »Wir haben ein überragendes Spiel in allen Belangen gemacht«, sagte Bayern-Trainer Jupp Heynckes. »Ich war sehr zufrieden mit meiner Mannschaft. Das war eins unserer besten Spiele der Saison.«

Die von Trainer Christian Streich, der angeblich von den Bayern umworben wird, betreuten Freiburger waren gegen den Fußball-Rekordmeister chancenlos. »Ich will gar nicht weiter drauf eingehen. Wir springen nicht über jedes Stöckchen, was uns hingehalten wird. Das ist weder für uns ein Thema, noch für die Bayern«, sagte Freiburgs Sportdirektor Jochen Saier zu den Spekulationen.

Freiburg hängt nach der ersten Heimpleite seit Anfang November weiter im unteren Drittel der Tabelle fest. Dass er als möglicher Heynckes-Nachfolger laut einem Medien-Bericht von den Bayern kontaktiert wurde, dementierte der Coach vor dem Anpfiff. »Alles, was da geschrieben wurde – ich habe es nicht gelesen, ich habe es mir erzählen lassen – entbehrt jeglicher Realität«, sagte der 52-Jährige bei Sky. »Es gab keine Anrufe, es gab keinen Kontakt.«

Seine Mannschaft zeigte vor 24 000 Zuschauern nur anfangs, warum die Arbeit ihres Trainers seit Jahren über den Schwarzwald hinaus geschätzt wird. Anstatt sich zurückzuziehen, agierte der abstiegsbedrohte Sport-Club mutig. Nach zwölf Minuten hatte SC-Angreifer Lucas Höler sogar die erste große Chance der Partie, scheiterte aber freistehend an Bayern-Torhüter Sven Ulreich.

Der Rekordmeister übernahm danach die Kontrolle. Top-Torjäger Robert Lewandowski und Flügelstürmer Arjen Robben saßen nur auf der Bank. Stattdessen durfte Nationalstürmer Wagner in der Sturmspitze mal wieder von Beginn an spielen, fiel aber nur bei seinem Abstaubertor auf. Der auf Linksaußen aufgebotene Juan Bernat suchte den 1,94 Meter großen Wagner zwar immer wieder mit Flanken, für Gefahr sorgte das aber nicht.

Gegen die aggressiven Freiburger tat sich der FCB zunächst schwer. Der SC attackierte die Gäste früh und schenkte ihnen wenig Raum. Dass sich der enorme Aufwand von Streichs Team aber nicht in Toren auszahlte, wurde dann von Müller bestraft. Einen langen Ball von Nationalmannschaftskollege Mats Hummels wollte Müller von der Torauslinie in die Mitte des Strafraums spielen. Da der Ball von Freiburg-Verteidiger Caglar Söyüncü zurückprallte, versuchte es Müller erneut – und fand den Oberschenkel von Torhüter Schwolow, der den Ball unglücklich ins eigene Tor beförderte. Anstatt sich darauf auszuruhen, nutzte der Rekordmeister auch die anschließende Freiburger Unsicherheit schnell aus. Nur drei Minuten später traute sich Tolisso aus rund 30 Metern – und traf. Wagners Abstaubertreffer sorgte für die Vorentscheidung. Anschließend schoss Müller nach einer Ecke von Joshua Kimmich aus der Drehung das 4:0.

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