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Schuld sind die anderen

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Sergey Saveljev will gegen den Krefelder Abstieg aus der DEL juristisch vorgehen. IMAGO © Imago Sportfotodienst GmbH

Die Krefeld Pinguine steigen aus der Deutschen Eishockey-Liga ab. Der Geldgeber und Klubboss, der auch auf der Bank die Kommandos gibt, will dagegen klagen.

Als das Unvermeidliche eingetreten war, redeten zumindest die Spieler der Krefeld Pinguine Klartext. Nach dem Abstieg aus der Deutschen Eishockey-Liga (DEL) nach 31 Jahren in der Erstklassigkeit nannte Verteidiger Dominik Tiffels die Leistung eine »absolute Frechheit«. Das 1:6 bei Adler Mannheim sei »peinlich«, sagte der 28-Jährige bei MagentaSport. Und fasste damit das Chaos beim Traditionsverein in einem Wort zusammen.

Ein Blick auf die Spielerbank während des drittletzten Erstligaspiels des zweimaligen deutschen Meisters offenbarte das Hauptproblem. Da stand wieder der Geldgeber und Klubboss und gab die Kommandos, während der Cheftrainer weitgehend schwieg. Sergey Saveljev, 25 Jahre jung, der über eine Schweizer Firma 3,5 Millionen Euro in den Verein pumpte, ist der Kaiserpinguin, der alles macht und alles entscheidet. Nur am Abstieg sind natürlich andere schuld.

Vom »unfairsten Abstieg in der DEL-Geschichte« hatte der Lette schon zuvor gesprochen und eine »Klage wegen Wettbewerbsverzerrung« angekündigt. Viele Absteiger aus der DEL hat es seit deren Gründung 1994 freilich auch nicht gegeben. Nach amerikanischem Vorbild ist der Bundesliga-Nachfolger fast die gesamte Zeit ein geschlossenes System, solange sich nicht gerade ein Klub aus finanziellen Gründen zurückzog oder in die Insolvenz musste - dies verhinderten die Pinguine selbst erst vor zwei Jahren mit Mühe und Not. Der zuvor letzte sportliche Absteiger waren die Kassel Huskies, doch das ist schon 16 Jahre her.

Krise ist hausgemacht

Worauf sich genau das juristische Nachhaken gründen soll, wollte er auch am Donnerstag nicht erläutern. »Ich bin kein Anwalt. Wie die Chancen sind, kann ich nicht sagen«, erklärte Saveljev auf einer PK, »aber wir haben einige Argumente.« Es gehe nicht um den Punktequotienten, der in der erneut von Corona gebeutelten Saison über die Platzierung entscheidet. »Es geht um ganz andere Themen«, betonte er. Bei den Quarantäne-Anordnungen sei nicht alles mit rechten Dingen zugegangen, hatte der Multifunktionär schon in einem Interview mit den »Eishockey-News« angedeutet: »Es geht darum: Wer hat bessere Connections zum Staat, zu den Gesundheitsämtern?« Krefeld fühlt sich vor allem dadurch benachteiligt, dass Gegner wegen Corona-Infektionen nicht antraten, als die Pinguine in Bestbesetzung waren. Nach der Olympia-Pause im Februar, als viele Leistungsträger verletzt ausfielen, häuften sich dagegen die Spiele. Man hätte den Abstieg wie in der ersten Corona-Spielzeit aussetzen sollen, meinte auch Co-Trainer Boris Blank nach der Schlusssirene in Mannheim: »Diese Saison war schlimmer als die letzte. Aber diesmal gibt es einen Absteiger.«

Bei allen Klagen über die Corona-Einflüsse: Die Krefelder Krise ist hausgemacht. Schon in der vergangenen Saison - nach Saveljevs Einstieg - waren die Pinguine mit riesigem Abstand Tabellenletzter. Mit dem neuen Geldgeber, dessen Frau Anteilseignerin eines Pharmaunternehmens in Lettland ist, sollte eigentlich alles besser werden. Saveljev redete in einer Umfrage vor der Saison gar vom Meistertitel und behauptete, sein Klub habe sich am besten verstärkt. Denn das hatte er schließlich selbst gemacht. Zunächst als lächelnder Schattenmann mit dem offiziellen Titel »Scout« in Krefeld aufgetaucht, übernahm Saveljev erst die Geschäftsführung, dann die sportliche Leitung. Er tauschte die komplette Geschäftsstelle aus. Zunächst Torwarttrainer, übernahm er auch auf der Bank das Kommando, Chefcoach Igor Sacharkin, langjähriger Assistent bei der russischen Nationalmannschaft, schaute zu. Im Notfall lief Saveljev auch im Training als Verteidiger oder Torhüter auf.

Als er in der vergangenen Woche die Planung für die Zukunft vorstellte, wurde er gefragt, ob der Klub einen Sportdirektor verpflichte. »Warum?«, fragte er lächelnd zurück, »wir haben doch mich.«

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