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Für Carolin Schäfer ist das Meeting in Götzis eine Standortbestimmung.

Leichtathletik

Schäfers neue Reize verfehlen Wirkung nicht

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Das Mehrkampfmeeting in Götzis war für Carolin Schäfer in den vergangenen Jahren immer ein Saisonhighlight. Vor zwei Jahren stellte sie in der österreichischen Marktgemeinde ihre persönliche Bestmarke (6836 Punkte) auf, die bis heute Bestand hat. An diesem Wochenende steigt die Leichtathletin der LG Eintracht Frankfurt nach sechs Monaten Training in die Saison ein.

"Götzis steht dieses Jahr unter einem anderen Stern für mich", sagt die 27-Jährige. Die Siebenkämpferin hat auf die Hallensaison verzichtet und somit noch kein Ergebnis vorzuweisen. "Ich muss also die Norm schaffen", erklärt Schäfer. Die liegt bei 6300 Punkten. Vom Ergebnis in Götzis hängt dann natürlich auch ab, wie viele weitere Mehrkämpfe sie noch vor der Weltmeisterschaft in Doha (29. September bis 7. Oktober) absolvierten wird.

Die Trainingseinheiten in den vergangenen Wochen waren gut, teilweise sogar sehr gut. Die gebürtige Bad Wildungerin ist trotz Kälte, Nässe und Gegenwind schon 6,18 m weit gesprungen. Die 100 Meter Hürden waren mit 13,70 Sekunden auch gut. Und der Speer flog auf 48,89 m. "Das Training schlägt gut an", sagt Schäfer.

Im vergangenen Herbst hat sie sich mit ihrem Trainer Jürgen Sammert zusammengesetzt und einiges an ihrem Programm verändert. Das Jahr 2018 mit der Bronzemedaille bei der EM hat sie geschlaucht, die Lust auf das Training war ihr ein bisschen vergangen. Also wollte sie neue Reize setzen. Als Erstes entschied sich die Vize-Weltmeisterin von 2017 dafür, mit David Corell, dem hessischen Landestrainer Kurzsprint, zusammenzuarbeiten.

Er tüftelte für sie ein neues Trainingsprogramm aus. "Die Veränderungen", sagt Schäfer, "sind enorm." Seit sie verstärkt ihren Po und den Beuger, die Rückseite des Oberschenkels, trainiert, ist die Sprintschrittlänge größer geworden. "Die Kraftwerte sind besser denn je." Zudem macht die 1,78 m große Athletin zweimal pro Woche "Körperpflege", wie sie es nennt. Mit Physiotherapeuten arbeitet sie an der Mobilität und an der Explosivkraft.

Die kleinen Stellschrauben sind es, die das große Ganze ergeben. Denn über allem steht das Ziel, eine Medaille bei den Olympischen Spielen in Tokio 2020 zu gewinnen. Nur eine Stellschraube ist besonders groß: Die Technikumstellung beim Kugelstoßen. "Da gibt es schon einige Kritiker, die fragen, warum ich das Risiko eingegangen bin, weil ich konstant um die 14 m gestoßen habe", berichtet die Polizeikommissarin. Statt der Wechselschritttechnik übt sie seit Winter die Drehstoßtechnik. Dafür war sie mehrfach in Saarbrücken, um sich von Lothar Altmeyer die Technik näherbringen zu lassen. Schäfer hatte mit der alten Technik keine Verbesserungsmöglichkeiten gesehen. 13,60 m hat sie bislang im Training gestoßen. "Das ist ein Prozess, der Geduld erfordert", sagt die ehrgeizige Mehrkämpferin. Ausgereift soll er in Tokio sein. Timur Tinç

Quelle: Gießener Allgemeine

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