Rennen ist gelaufen

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(dis/dpa). Wer sich mit Michael Mronz einen Moment beschäftigt, dem wird rasch klar, wie sehr es im 53-jährigen Kölner am Donnerstag gebrodelt haben dürfte. Ziemlich bedient soll er gewesen sein, und das ist noch zurückhaltend formuliert.

Michael Mronz, Unternehmer, Netzwerker, Tausendsassa, der einst bei Stefan Raabs Bundesvision Song Contest im Hintergrund die Strippen zog, ebenso wie bei Heidi Klums Germany’s Next Topmodel, der aber auch große Sportereignisse wie das internationale Reitturnier in Aachen oder die Leichtathletik-WM in Berlin mitorganisierte, dieser Mann erlitt eine heftige Abfuhr - vom Internationalen Olympischen Komitee (IOC). Die Sommerspiele 2032, die Mronz mit seinem Team gerne in seine Heimat, in die Rhein-Ruhr-Region holen wollte, gehen sehr, sehr wahrscheinlich nach Australien, Queensland, Brisbane.

Hörmann kann’s verstehen

Und Mronz, der seit einigen Jahren an der Verwirklichung der Weltspiele im Ruhrpott werkelt, schaut in die Röhre. »Wir nehmen den überraschenden Schritt des IOC zur Kenntnis, kurzfristig mit den offiziellen Verhandlungen mit einem von mehreren potenziellen Bewerbern für die Vergabe der Spiele 2032 zu beginnen«, so der früherer Ehemann des verstorbenen FDP-Politikers Guido Westerwelle: »Wie das IOC bekannt gegeben hat, ist die Entscheidung auch auf die starke Unterstützung von Brisbane durch das australische Nationale Olympische Komitee zurückzuführen, die im Falle Deutschlands leider nicht gegeben gewesen sei.«

Aus der Traum - zumindest dann, wenn die von den Australiern vorgestellten Konzepte den Prüfungen standhalten, was ein machbares Unterfangen sein sollte, sind doch bereits 80 Prozent der Wettkampfstätten im Großraum Brisbane vorhanden.

Die IOC-Spitze hat also entschieden, vorerst ausschließlich mit den Australiern zu verhandeln. Nicht nur für Rhein-Ruhr gehen die Hoffnungen damit gen null, auch die anderen Interessenten wie Katar oder Budapest erhielten einen kräftigen Dämpfer. IOC-Präsident Thomas Bach verteidigte derweil das frühe Votum bereits elf Jahre vor den Spielen. Das Verfahren »ist kostengünstiger, verhindert jegliche unzulässige Einflussnahme, ist unpolitischer und versachlicht es zunehmend«.

2019 hatte das IOC das Olympia-Vergabeverfahren verändert. Nun führt eine kleine Evaluierungskommission die Verhandlungen mit Bewerbern. Es solle verhindert werden, dass Kandidaten einander öffentlich attackieren und viel Geld in Lobbyarbeit fließt, so Bach. Im früheren Verfahren waren mehrere Kandidaten vom IOC benannt worden und standen dann ein Jahr im Wettbewerb miteinander, ehe ein Olympia-Gastgeber sieben Jahre vor den Spielen gewählt wurde. »Das war nicht das beste Verfahren, weder für die Zukunft der Spiele noch für den Ruf des IOC«, meinte Bach am Mittwoch.

IOC ist in Erklärungsnot

Für Alfons Hörmann, den Präsidenten des Deutschen Olympischen Sportbundes (DOSB) kam der Vorstoß des IOC nun wenig überraschend. Brisbane habe seit Monaten als der klare Favorit im Rennen um 2032 gegolten, weil die Stadt an der Gold Coast bereits alle notwendigen Voraussetzungen für eine erfolgreiche Bewerbung mitbringe. »Dazu zählt neben einem guten Konzept vor allem die starke Unterstützung durch die Bevölkerung und die Politik«, betonte Hörmann.

Dass das neue Vergabeverfahren ausgerechnet von einer Arbeitsgruppe unter dem australischen IOC-Vizepräsidenten John Coates empfohlen wurde, bringt das IOC aber erneut in Erklärungsnot. Und Michael Mronz ziemlich sicher um den Traum von Olympischen Spielen in seiner Heimat.

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