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Rückkehrer Daichi Kamada (hier im Spiel gegen den FC Flora Tallinn) ist in der Vorbereitung die Überraschung im Eintracht-Mittelfeld.

Noch fehlt ein Topstürmer

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Vor drei Jahren stand Eintracht Frankfurt vor dem Abgrund. Erst in der Rele- gation wurde der Ligaerhalt gesichert. Was dann folgte, grenzt an ein Fußballwunder: Pokalsieger gegen die Bayern, Ritt durch die Europa League, und in der Bundesliga spielte der Klub bis zum Schluss um einen Platz in der Königs-klasse mit. Das Steigerungspotenzial ist da eher begrenzt.

Was ist also für die Eintracht drin in dieser Saison - nach den tollen Auftritten in der Europa League mit dem unglücklichen Halbfinal-Aus gegen den FC Chelsea sowie Rang sieben in der Abschlusstabelle?

Wie ist die Stimmung?Verhalten optimistisch. Die Begeisterung rund um die Eintracht ebbt nicht ab. Selbst die Europa- League-Quali-Spiele gegen unbekannte Leichtgewichte sind ausverkauft, die 1000 zusätzlich in den freien Verkauf gegebenen Saisontickets waren in 20 Minuten vergriffen - mehr als 10 000 hatten sich darum bemüht. Alle Business Seats und Logen im Stadion sind weg, die Werbemöglichkeiten erschöpft.

Wie stark ist der Kader?In der Breite hat er an Qualität gewonnen, Zugänge wie Erik Durm, Dominik Kohr, Dejan Joveljic oder Djibril Sow sind vernünftige Verpflichtungen, die eine gewisse Grundqualität garantieren oder aber Entwicklungspotenzial mitbringen. Für Trainer Adi Hütter hat dies den angenehmen Nebeneffekt, dass er häufiger mal wechseln kann, ohne einen großartigen Niveauabfall befürchten zu müssen. In der absoluten Spitze aber hat die Eintracht massiv an Qualität verloren, weil Luka Jovic (für 70 Millionen zu Real Madrid) und Sebastien Haller (für 50 Millionen nach West Ham) das Dreigespann mit Ante Rebic, der auch noch gehen könnte, gesprengt ist. Die beiden sind bisher nicht adäquat ersetzt worden, ein Topstürmer soll daher noch kommen. Im Gespräch ist nun auch Cenk Tosun, der frühere Frankfurter, der zurzeit beim FC Everton spielt. Sogar Daniel Sturridge, aktuell vereinslos und zuletzt beim FC Liverpool in Lohn und Brot, wird ebenfalls gehandelt.

Worauf steht der Trainer?Adi Hütter will sein Team variabler spielen lassen. Der Österreicher steht auf hohen Druck, Pressing und Vollgasfußball. Hütter verfolgt ein klares Ziel und geht seinen Weg kerzengerade, auch die Spieler haben schon zu spüren bekommen, dass der joviale 49-Jährige unangenehm werden kann - gerade dann, wenn sie nicht aus ihren Fehlern lernen.

Woran hapert’s noch?In erster Linie wackelt die Abwehr, was nicht an Makoto Hasebe, dem großartigen Strategen aus Nippon, liegt. Es sind seine Nebenmänner, die noch weit von ihrer maximalen Schaffenskraft entfernt sind. Kapitän David Abraham scheint seine beste Zeit hinter sich zu haben. Auch Martin Hinteregger, der mit einigem Brimborium aus Augsburg zurückgeholt wurde, ist weit weg von seinen hervorragenden Leistungen aus dem Frühjahr. Evan Ndicka, Almamy Touré, Simon Falette und Marco Russ spielen zurzeit untergeordnete Rollen. Auch im Mittelfeld hat die Eintracht Luft nach oben, da fehlt es an Kreativität und Durchschlagskraft, auch wenn Rückkehrer Daichi Kamada seine Sache überraschend gut macht. Die Hoffnungen ruhen in der Zentrale auf Sebastian Rode und Neuzugang Sow, die beide eine andere Dynamik ins Spiel bringen - und derzeit beide verletzt sind.

Wer sticht heraus?Filip Kostic. Der Linksfuß ist in herausragender Form. Bereits in der letzten Runde war er die Entdeckung schlechthin, bestach durch Power, Technik und Einstellung. Die Eintracht hätte ihn jetzt für 45 Millionen Euro verkaufen können, blieb aber eisern.

Wie geht’s dem Schatzmeister?Prächtig. Der Umsatz durchbricht erstmals die 200-Millionen-Grenze, der Lizenzspieleretat wird die 70-Millionen-Marke knacken. Auch die anstehenden Großprojekte (Stadionausbau, Digitalisierung, Campus-Neubau) werden den Verein mittelfristig in eine andere Position bringen.

Was ist drin?Die Erwartungshaltung ist gestiegen. Ein jäher Absturz ist eher nicht zu erwarten, aber eine ähnliche Rolle wie in der vergangenen Saison wird die Eintracht nur dann spielen können, wenn es gelingt, die Abgänge von Jovic und Haller halbwegs zu kompensieren.

Quelle: Gießener Allgemeine

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