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Neue Dynamik beim BVB

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Eine glänzende Vorstellung zeigt der 17-jährige Youssoufa Moukoko bei Dortmunds Sieg in Sevilla. © Imago Sportfotodienst GmbH

Borussia Dortmund geht mit neuem Schwung in den Liga-Kracher gegen Bayern München am Samstag - dank einer Wachablösung im Sturm.

Edin Terzic hatte Youssoufa Moukoko schon jegliche Höhenflüge ausgetrieben, als der BVB-Airbus im heißen Andalusien abhob. »Er hat ein richtig gutes Spiel gemacht«, sagte der Trainer von Borussia Dortmund in einer längeren Lobesrede, aber: »Ein gutes Spiel, das reicht nicht! Wir werden ihm sagen, dass er das häufiger machen soll.« Am besten bereits am Samstag (18.30 Uhr/Sky) im Fußball-Bundesliga-Klassiker gegen Bayern München.

Die Wachablösung im Dortmunder Angriff, sie ist vollzogen - und sie machte sich beim 4:1 (3:0) des BVB beim FC Sevilla sofort bezahlt. Der 17-Jährige ersetzte den zuletzt arg statischen Anthony Modeste. Er gab dem Spiel eine neue Tiefe, eine neue Dynamik, er war im Gegensatz zu Modeste in viele schnelle Kombinationen bestens eingebunden. Zum Tor von Julian Brandt (75.) gab Moukoko die Vorlage, die weiteren Treffer erzielten Raphael Guerreiro (6.), Jude Bellingham (41.) und Karim Adeyemi (43.). »Er war an vielen Toren und Szenen beteiligt. Er hat sich nicht belohnt, aber er wird für uns noch sehr viele Tore schießen«, sagte Terzic über Moukoko.

Seine Worte ließen keinen Zweifel daran, dass das Supertalent nun dauerhaft den Platz im Sturm einnehmen wird. Terzic bittet zwar bei jeder Gelegenheit darum, Rücksicht auf den jungen Mann zu nehmen, doch die Zeit erscheint reif. Der Trainer pries Moukokos Fortschritte im System, in den Laufwegen, in Zweikämpfen gegen deutlich größere Verteidiger: Genau das hatte er sehen wollen.

»Er hat das auf der großen Bühne Champions League gezeigt«, sagte Terzic. Der BVB hat dadurch beste Chancen auf das Achtelfinale, selbst eine Niederlage am Dienstag im Rückspiel wäre nicht dramatisch.

Sicher ist aber auch: Der FC Sevilla, dessen Trainer Julen Lopetegui unmittelbar nach dem Abpfiff entlassen wurde, war von einem Prüfstein auf Topniveau weit entfernt. »Am Samstag wird es eine ganz andere Aufgabe«, warnte der herausragende Ersatzkapitän Jude Bellingham. »Wenn wir wieder so spielen, haben wir eine Chance zu gewinnen.«

Der kleine Stimmungsumschwung durch eine überzeugende Leistung kommt zur rechten Zeit. Die Zweifel an Einstellung und Spielanlage sind vorerst verflogen, doch seit 2018 haben die Borussen den FC Bayern in der Liga nicht mehr besiegt. »Jeder weiß, was die ganze Region Dortmund will«, sagte Terzic. Einen Sieg - und endlich wieder Spannung im Titelrennen.

Dafür bedarf es »einer besseren Leistung. Sie sind eine stärkere Mannschaft als Sevilla«, sagte Sportdirektor Sebastian Kehl, der im Estadio Ramon Sanchez Pizjuan besonders intensiv gejubelt hatte. Moukoko nahm er lange in den Arm.

Unisono trauerten die BVB-Verantwortlichen dann kurz vor Mitternacht noch mal ihren verlorenen Punkten hinterher. Das 2:3 beim 1. FC Köln, der Total-Kollaps gegen Werder Bremen: Die Dortmunder hätten schon vor dem Bayern-Spiel fantastisch dastehen können. »Es ist, wie es ist«, sagte Terzic, »aber es tut noch weh.«

Die Wende ist eingeleitet. Doch wer die ewigen Konstanzprobleme von Borussia Dortmund kennt, den kann das noch nicht beruhigen. »Wir müssen die Dinge bestätigen«, forderte Terzic: »Das müssen wir zeigen, darüber wollen wir nicht reden.« Vor dem Spiel hatte er noch gescherzt: »Ich behaupte ja immer, dass die Jungs nicht doof sind. Aber sie sind halt brutal vergesslich.«

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