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Meckern und mosern

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Fußball-Deutschland ist in Aufruhr: Der Weltmeister hat sein erstes WM-Spiel vergeigt! Gegen Mexiko! Keine Spur von »La Mannschaft«! Klar, dass sich die gut 80 Millionen Stammtisch-Bundestrainer aufregen. Klar auch, dass sogenannte Experten via Medien ihre Meinung kundtun – teils laut, hämisch, böse. Manch einer vergisst dabei anscheinend die eigene, zuweilen unrühmliche Vergangenheit. Eine knappe Woche der fußballerischen (Selbst)Zerfleischung.

Fußball-Deutschland ist in Aufruhr: Der Weltmeister hat sein erstes WM-Spiel vergeigt! Gegen Mexiko! Keine Spur von »La Mannschaft«! Klar, dass sich die gut 80 Millionen Stammtisch-Bundestrainer aufregen. Klar auch, dass sogenannte Experten via Medien ihre Meinung kundtun – teils laut, hämisch, böse. Manch einer vergisst dabei anscheinend die eigene, zuweilen unrühmliche Vergangenheit. Eine knappe Woche der fußballerischen (Selbst)Zerfleischung.

Sonntag, 17. Juni: Das Debakel ist perfekt: Deutschland hat das WM-Auftaktspiel gegen Mexiko 0:1 verloren. Viele sind schockiert, erste Kritik wird laut. Michael Ballack, einst Kapitän der Nationalmannschaft und mehrere Male Zweiter, twittert noch fast harmlos: »Die Balance im Team stimmt nicht: Kein Teamspirit, Hunger oder genug Leidenschaft. Löw ist gefordert!!!!!«

Montag, 18. Juni: In der ansonsten fußballbefreiten ARD-Talkshow »Hart aber fair« darf Mario Basler vom Leder ziehen. Über Mesut Özil: »Dem seine Körpersprache ist die von einem toten Frosch.« Über Sami Khedira: »Dem kannst du die Schuhe besohlen beim Laufen.« Über Toni Kroos: »Ich wäre sicherlich gestern auch wenig gelaufen, aber ich hätte wahrscheinlich ein Tor gemacht und zwei vorbereitet. Das ist der große Unterschied.« Sagt einer, der als Aktiver in 30 Länderspielen zwei Tore geschossen hat und Kette rauchte, der als Trainer zuletzt kurzzeitig in der Hessenliga aktiv war und es bei »Promi Big Brother« auf den dritten Platz brachte. Und ausgerechnet Ex-Torwart Uli Stein, der Teamchef Franz Beckenbauer während der WM 1986 als »Suppenkasper« bezeichnete und gehen musste, vermisst im n-tv-Interview den »Teamgeist«.

Dienstag, 19. Juni: Baslers früherer Bayern-Spezi Lothar Matthäus – Weltmeister von 1990 und Rekordnationalspieler – haut ebenfalls in die Özil-Kerbe: »Ich habe bei Özil auf dem Platz oft das Gefühl, dass er sich im DFB-Trikot nicht wohlfühlt (...) Da ist kein Herz, keine Freude, keine Leidenschaft«, schreibt er in der »Bild«.

Mittwoch, 20. Juni: Stefan Effenberg, der nach gezeigtem Stinkefinger die WM 1994 vorzeitig verlassen musste, rauscht mit einer Art Bewerbung durch die Medien, die er am späten Dienstagabend in der n-tv-Sendung »Klamroths Konter« auf Nachfrage abgab: »Wenn du die Besten der Welt zur Verfügung gestellt kriegst, die hervorragend in ihren Clubs trainiert werden... Ich will nicht sagen, das kann jeder machen, aber warum sollte ich mir das nicht zutrauen?« Im Frühjahr 2016 entlässt der damalige Zweitligist SC Paderborn Trainer Effenberg nach weniger als einem halben Jahr. Paderborn steht zu der Zeit auf einem Abstiegsplatz.

Donnerstag, 21. Juni: Ex-Torwart-Titan Oliver Kahn kontert die Kritiker: »Wenn sich der ein oder andere frühere Spieler jetzt berufen fühlt, da unbedingt unter die Gürtellinie schlagen zu müssen – die jetzt auch nicht unbedingt bekannt waren für eine bestimmte Erfolgskonstanz während ihrer Karriere – dann sollten sie mal darüber nachdenken, so sie es denn können, dass sie selbst auch mal in solchen Situationen waren und wie ihnen das dann gefallen hat«, sagt er als ZDF-Experte – und warnt: Diese Kritiker sollten auch daran denken, »welche – gerade bei Özil - gefährlichen Tendenzen sie mit solchen, nennen wir sie mal Sprüchen, eben auch auslösen können.«

Freitag, 22. Juni: Ein unbekannter Twitterer vereinigt all das Gesagte ironisch in sich. Uli Effenbasler (@effenbasler) schreibt: »Dat einzige was in der deutschen Abwehr dicht ist, sind die Haare von Hummels!« Das sitzt – so wie die besagte Frisur. (dpa)

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