Der letzte Schritt vor dem Finale

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Und jetzt Norwegen: Die deutschen Handballer bereiten sich nach ihrem Umzug von Köln nach Hamburg auf ein hoch emotionales Halbfinale am heutigen Abend vor. Das Ziel ist klar – das Finale am Sonntag. Derweil bricht die WM einen Zuschauerrekord.

Teammanager Oliver Roggisch verteilte in aller Seelenruhe die Bordkarten, Abwehrchef Patrick Wiencek schrieb entspannt lächelnd noch ein paar Autogramme – die deutschen Handballer ließen es bei ihrem Abflug von Köln zum Halbfinale gegen Norwegen in Hamburg ziemlich locker angehen. Erst 33 Minuten vor dem geplanten Start der Maschine am Donnerstag um 12.15 Uhr passierten Bundestrainer Christian Prokop und sein Team mit Kapitän Uwe Gensheimer und Torhüter Andreas Wolff wie immer vorneweg die Sicherheitskontrolle.

"Uns geht es allen sehr gut, wir haben sehr gut geschlafen", sagte Kreisläufer Jannik Kohlbacher: "Jetzt ist alles möglich. Dafür trainieren wir jeden Tag." Fast alle Spieler haben nach dem langen Turnier das eine oder andere Wehwehchen, sind aber am heutigen Freitag (20.30 Uhr/ARD) einsatzbereit. Ein Fragezeichen steht nach wie vor hinter Steffen Weinhold, dessen Form laut DHB-Vizepräsident Bob Hanning nach einer im Spiel gegen Frankreich erlittenen Adduktorenzerrung noch "nicht wieder so ist, wie sie wünschenswert wäre".

Torwart-Gigant Wolff nimmt das Halbfinale, wie es kommt. "Das wird ein schwieriges Spiel, da kann alles passieren, das ist ein WM-Halbfinale", stellte er sehr richtig fest und zählte sicherheitshalber gleich mal die Stärken der Mannschaft auf, gegen die es um einen Platz im WM-Endspiel am Sonntag im dänischen Herning geht: "Norwegen hat einen breiten Kader, einen guten Rückraum, super Torhüter, und die Außen sind echt tricky." Hanning findet das auch, aber er findet vor allem, dass die deutsche Mannschaft "auf einzelnen Positionen und insgesamt mindestens genauso stark, wenn nicht einen Tick stärker ist". Den superschnellen Angriffen der Skandinavier stellt sich die deutsche Betonabwehr entgegen, laut Hanning "die beste der Welt".

Es geht um viel, für den DHB ist es das wichtigste Spiel seit dem EM-Finale 2016, und der Bundestrainer mobilisiert vor der Endphase eines langen Turniers noch einmal alle Kräfte. "Wenn wir das Halbfinale gewinnen wollen, brauchen wir alle am Optimum", sagte Prokop. Norwegen sei eine Mannschaft, die sich in den vergangenen Jahren kontinuierlich weiterentwickelt habe und mit Rückraumspieler Sander Sagosen über einen Weltstar verfüge.

Die beiden Mannschaften kennen sich aus dem Effeff, fast ein Dutzend Spieler aus dem norwegischen Kader verdient sein Geld in der Bundesliga. "Es ist ein Team, das mit hoher Konstanz seine Spiele auf hohem Niveau abliefert", sagte Gensheimer: "Das wird ein harter Brocken, aber bei der Leistung, die wir bisher gezeigt haben, müssen wir uns vor keinem Gegner verstecken." Fabian Böhm, beim 31:30 gegen Spanien am Mittwoch in Köln der "Man of the Match", weiß, warum Deutschland gewinnt: "Weil wir die bessere Mannschaft sind."

Daran hat Christian Prokop den größten Anteil – sagt jedenfalls Bob Hanning. "Akribie, Sachverstand und eine hohe menschliche Kompetenz zeichnen ihn aus", sagte der Spitzenfunktionär am Donnerstag: "Wir glauben an diesen Trainer und seine Ideen, keine überalterten Stars einzusetzen, die nach der WM aufhören, sondern junge, frische Spieler, mit denen wir die nächsten Jahre planen können."

Die erfolgreiche WM erleichtert diese Planungen natürlich ungemein. Unabhängig vom Ausgang der mit Spannung erwarteten Partie in der 13 300 Zuschauer fassenden Arena am Hamburger Volkspark blickt der DHB schon jetzt mit Stolz und großer Freude auf ein aus seiner Sicht überragendes Turnier zurück. "Unsere Mannschaft hat es geschafft, mit ihrer Art zu begeistern. Nach den Tiefen, die wir vor allem nach der EM 2018 hatten, können wir dieses Gefühl jetzt umso mehr wertschätzen", sagte Hanning.

Einen Rekord hat diese WM schon mal gebrochen. Bisher sahen insgesamt 837 000 Besucher in Berlin, Köln, München, Kopenhagen und Herning die 90 Spiele der Vor-, Haupt- und Platzierungsrunde. Die Bestmarke hielt bisher die Weltmeisterschaft 2007 in Deutschland mit 750 000 Zuschauern. "Wir waren selbst dann voll besetzt, wenn die deutsche Mannschaft nicht gespielt hat", sagte DHB-Präsident Andreas Michelmann: "Daran sieht man, was diese WM für den Handball bedeutet."

Quelle: Gießener Allgemeine

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