Lange fordert lebenslange Sperren

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Herr Lange, Sie sind Deutschlands Sportler des Jahres, haben aber Deutschland den Rücken gekehrt und wohnen jetzt in Salzburg. Warum?

Herr Lange, Sie sind Deutschlands Sportler des Jahres, haben aber Deutschland den Rücken gekehrt und wohnen jetzt in Salzburg. Warum?

Patrick Lange: Es kommt eine sportliche und familiäre Komponente zusammen. Ich habe zehn Jahre lang als Nicht-Darmstädter (Lange stammt aus Bad Wildungen, Anm. d. Red.) in Darmstadt trainiert und wollte zum einen neue Trainingsreize setzen. Ich habe schon immer die Berge geliebt, kannte die Gegend, weil ich mit meinem früheren Trainer Manuel Wyss hier trainiert habe. Zum anderen werde ich eine Österreicherin heiraten, die gerne in ihre Heimat zurückwollte: Julia hat Teile ihrer Jugend in Salzburg verbracht, ihr Vater stammt aus der Stadt, in der auch einige Verwandte wohnen.

Sie werden aber weiter für den DSW Darmstadt starten.

Lange: Weil dieser Verein maßgeblich an meinen Erfolgen und meiner menschlichen Entwicklung in den drei vergangenen Jahren beteiligt war. Ich behalte auch meine Profilizenz in Deutschland.

Ihr Trainer Faris Al-Sultan arbeitet jetzt gleichzeitig noch als Triathlon-Bundestrainer. Hat er überhaupt genug Zeit für den Ironman- Weltmeister?

Lange: (überlegt lange). Hmm. Er hat schon weniger Zeit, ist natürlich oft bei der DTU (Deutschen Triathlon-Union, Anm. d. Red.) in Frankfurt, aber er bekommt durch seinen neuen Job einen neuen Einblick in die Trainingswissenschaften. Ich merke, dass er sich gerade ein viel breiteres Wissen aneignet. Wir merken aber auch, wie professionell wir gearbeitet haben.

Warum wollen Sie überhaupt ein funktionierendes System verändern, das zweimal hintereinander zum Hawaii-Sieg führte?

Lange: Ich verändere das System nicht grundlegend, die Eckpfeiler bleiben bestehen. Aber es geht im Hochleistungssport um kleinste Details – und auch um den Kopf, sonst wird man zum Hamster im Rad. Es müssen auch mal neue Reize gesetzt werden. Ich habe gemerkt, dass ich z.B. wieder mehr an meiner Lauf-Grundschnelligkeit arbeiten muss. Deshalb werde ich auch am 7. April (Sonntag) bei der Halbmarathon-DM in Berlin starten.

Ihr erstes großes Ziel wird sicher am 30. Juni sein, den Ironman Frankfurt erstmals zu gewinnen.

Lange: Ja, denn ich erinnere mich genau, wie ich dort selbst an der Strecke die Athleten angefeuert habe. Irgendetwas ist in den vergangenen Jahren in Frankfurt immer schiefgelaufen. Ich weiß, wie viele Freunde und Bekannte mich da unterstützten, und natürlich ist das hochkarätige Starterfeld mit Jan Frodeno und Sebastian Kienle auch noch einmal ein Antrieb. Es wäre für mich nach wie vor ein Traum, als Erster auf dem Römer einzulaufen.

Der große Traum wird aber der Hattrick auf Hawaii bleiben.

Lange: Ja, ganz klar. Es wäre nicht richtig, wenn ich sagen würde, Frankfurt stände über Hawaii.

Es klingt kurios: Sie sind zwar Sportler des Jahres, aber nicht Triathlet des Jahres. Die von ihrem Manager Jan Sibbersen ausgerichtete Ehrungsveranstaltung haben viele in der Szene so aufgefasst, dass Sie an ihrem Image noch arbeiten müssen.

Lange: Das möchte ich auch. Ich glaube, wenn die Leute mich besser kennenlernen, wird auch meine Beliebtheit steigen. Natürlich stehe ich da gerade im Vergleich mit Jan Frodeno noch hintenan, aber er steht auch seit mehr als zehn Jahren im Triathlon-Fokus, seitdem er Olympiasieger wurde.

Der Ausdauersport ist durch den jüngsten Dopingskandal wieder unter Generalverdacht geraten. Spitzenathleten verschiedener Sportarten haben sich der Hilfe eines Erfurter Sportarztes bedient, um Eigenblutdoping zu betreiben. Können Sie eine Verstrickung von Triathleten in den Skandal ausschließen?

Lange: Ich hoffe es. In kann für mich reden, dass ich das abscheulich finde. Und ich sage auch: Solche Menschen gehören lebenslang aus dem Sport verbannt. Ich stehe dafür, dass jemand, der so wissentlich betrügt, einfach nicht mehr in den Sport gehört. Natürlich sollten wir auch immer hinterfragen, wie wir den Antidopingkampf verbessern könnten, indem wir beispielsweise die Meldepflichten nicht an den Verband, sondern die Ergebnisse der Proben gleich an ein unabhängiges Institut geben. Dafür würde ich mich gerne persönlich stark machen. Eine positive Dopingprobe sollte nicht im Verband behandelt werden. Da liegt ein signifikanter Fehler im System vor.

Weil viele Verbände kein Interesse daran besitzen, dass ihre Sportart durch einen Dopingfall beschmutzt wird?

Lange: Ganz genau. Die Gefahr besteht, dass etwas vertuscht wird. Daher fände ich eine unabhängige Institution besser, die auch die Urteile ausspricht. Frank Hellmann

Quelle: Gießener Allgemeine

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