Kittel wagt den Neustart

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Marcel Kittel lebt nun also wie ein Mönch. So titelte zumindest ein führendes britisches Radsport-Portal, was Kittel durchaus amüsiert. "Das war eine schöne Schlagzeile, die ich jetzt nicht so formuliert hätte", sagte er lachend: "Aber irgendwie trifft es doch den Kern der Sache. Ich will mich einfach auf die Basics konzentrieren. Im Sinne von: Jetzt erst recht!"

Marcel Kittel lebt nun also wie ein Mönch. So titelte zumindest ein führendes britisches Radsport-Portal, was Kittel durchaus amüsiert. "Das war eine schöne Schlagzeile, die ich jetzt nicht so formuliert hätte", sagte er lachend: "Aber irgendwie trifft es doch den Kern der Sache. Ich will mich einfach auf die Basics konzentrieren. Im Sinne von: Jetzt erst recht!"

Dass Deutschlands bester Sprinter der vergangenen Jahre bestens gelaunt, topfit und bis in die Haarspitzen zuversichtlich bei der Präsentation seines alten und neuen Teams Katusha-Alpecin aufkreuzte, war zumindest bemerkenswert. Diese Kittel-Version hatte herzlich wenig mit dem Profi von der traurigen Gestalt gemein, der im August eine völlig verkorkste Saison vorzeitig beendet hatte, körperlich und geistig ausgelaugt.

"Vor allem psychisch war das superhart", sagt der 30-Jährige, der nach erfolgreichen Jahren bei Quick-Step hochmotiviert seinen Dienst beim neuen Arbeitgeber Katusha angetreten hatte, dann aber den Erwartungen hinterhergefahren war: Nur zwei Saisonsiege (14 im Vorjahr), Aufgabe bei der Tour de France, von Sportdirektor Dmitri Konyschew ("Er ist nur an sich selbst interessiert") öffentlich abgewatscht.

"Ich hatte mehr als genug Zeit, über alles nachzudenken. Ich bin ein Typ, den das beschäftigt. Ich habe mir Ziele gesetzt und sie nicht erreicht, frage mich: Warum klappt das nicht", sagt der 14-malige Tour-Etappensieger. Generell an sich gezweifelt habe er aber nicht: "Ich hatte das Selbstvertrauen, mir zu sagen, dass die schlechten Zeiten nicht für ewig anhalten und es 2019 wieder aufwärts geht."

Ebenso habe er trotz der Querelen mit Konyschew nie ernsthaft über einen Abschied von Katusha nach nur einem Jahr nachgedacht. "Ich habe für mich entschieden, dass ich das hier durchziehen will", sagt Kittel. Und überhaupt: Dass die russisch-deutsche Mannschaft mit Schweizer Lizenz in Kittels Premieren-Saison nie eine Einheit gewesen sein soll, sei Unsinn. "Das ist falsch wahrgenommen worden. Wir hatten als Mannschaft super viel Spaß. Es ist eine schöne Gruppe, darauf lasse ich nichts kommen", sagt Kittel.

Auch wenn in Tony Martin der zweite prominente deutsche Fahrer nach einer ebenfalls schwachen Saison Katusha den Rücken gekehrt hat, ist die schwarz-rot-goldene Fraktion vor allem zu Kittels Gunsten gestärkt worden, die frühere Sprint-Ikone Erik Zabel (48) ins Management zurückgeholt worden. "Ich versuche, von seiner Erfahrung zu lernen. Wir erhoffen uns alle, dass wir dadurch einen Schritt nach vorne machen", sagt Kittel. Er persönlich, zumindest sagt ihm das sein Gefühl, ist schon ein Stück weiter als im Vorjahr: "Ich fühle mich fit, bin da, wo ich mich sehen will. Ich merke auch, dass das Training gut ankommt."

Bevor es nach dem Jahreswechsel richtig ernst wird, darf es sich Kittel über Weihnachten richtig gut gehen lassen. "An Heiligabend gibt es daheim in Thüringen Kartoffelsalat nach dem Rezept meiner Ur-Oma, dazu noch ein wenig Würstchen." Auch im "Jetzt-erst-recht"-Modus muss man das mit dem Mönchsdasein schließlich nicht übertreiben. (Foto: dpa)

Quelle: Gießener Allgemeine

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