"Ja, ich vermisse ihn"

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Am Samstag jährt sich der verhängnisvolle Skiunfall von Michael Schumacher zum fünften Mal. Die Welt nimmt ungebrochen Anteil am Schicksal des Formel-1 -Rekordweltmeisters.

Auch fünf Jahre danach ist er schwer zu greifen, dieser Moment, in dem aus einer Sorge bittere Gewissheit wurde. Michael Schumacher, der auf der Rennstrecke kaum zu fassende Formel-1-Rekordweltmeister, erlitt am 29. Dezember 2013 mehr als nur eine Gehirnerschütterung, wie zunächst kolportiert wurde. Die lebensbedrohliche Schwere seines Skiunfalls, die am Abend seines Schicksalstages aus den französischen Alpen durchsickerte, traf die Sportwelt ins Mark.

Noch heute gibt es Tage, in denen sich nicht nur in der Formel 1 alles um Schumacher dreht. Der schwierige Weg des 91-maligen Grand-Prix-Gewinners wird immer wieder begleitet von teils wilden Spekulationen um seinen Zustand, aber auch von guten Wünschen und emotionalen Erinnerungen.

"Ja, ich vermisse ihn", sagte Sebastian Vettel unlängst dem "Schweizer Blick". Der siebenmalige Champion Schumacher, einst Vettels Kindheitsidol, wurde in der Königsklasse für den forschen Newcomer schnell zu einem Freund. Gespräche mit dem erfahrenen Mentor würden ihm "extrem helfen", bekannte Vettel. Schumacher aber hat dem Hessen etwas voraus: Von 2000 bis 2004 dominierte er mit Ferrari nach Belieben, für den bislang als Scuderia-Pilot ungekrönten Vettel ist er deswegen die ewige Referenz in der Öffentlichkeit.

Sogar länger als 20 Jahre besteht die persönliche Verbindung zwischen Schumacher und Jean Todt. "Dass das Schicksal Michael so unglücklich mit dem Kopf gegen einen Stein hat fallen lassen, ist für mich immer noch schwer zu verstehen", sagte der langjährige Ferrari-Teamchef der "Sport Bild". Der heutige FIA-Präsident gehört zum kleinen Kreis, der Schumacher regelmäßig besucht, der Schumachers Zustand wenige Tage vor dessen 50. Geburtstag am 3. Januar kennt. Wie alle schweigt sich Todt über Details aus, zum Schutz der Privatsphäre.

Was die Öffentlichkeit weiß, ist schnell erzählt. Der einst beste Rennfahrer der Welt wird nach einem schweren Schädel-Hirn-Trauma, mehreren Operationen und dem Aufwachen aus einem künstlichen Koma seit September 2014 in seinem Haus am Genfer See behandelt. Doch das Interesse am Zustand des Mannes, der die Formel 1 in Deutschland in ungeahnte Höhen führte, ist weiterhin enorm – und wird immer wieder ausgenutzt für die großen Schlagzeilen.

Familie hält sich weiter bedeckt

Mehr als einmal sah sich Schumachers Managerin Sabine Kehm deswegen gezwungen, Gerüchte zu dementieren. Sie seien "unverantwortlich" und führten dazu, "dass viele Menschen, die ehrlich Anteil nehmen, sich falsche Hoffnungen machen", sagte sie einmal. Zugleich geht die Schumacher-Familie mit dem Verbreiten von Informationen äußerst restriktiv um. "Jeder Satz ist doch der Auslöser für neue Nachfragen. Es wäre nie Ruhe", erklärte Kehm 2016 und verwies auf einen "ständigen Prozess", den man nicht "in zwei Sätzen erklären" könne.

Zuletzt dienten den Fans Ausstellungen mit Schumachers Rennwagen, Helmen oder Overalls als Begegnungs- und Erinnerungsstätte. Mit offiziellen Kanälen bei Facebook oder Twitter hält der Schumacher-Clan den Mythos hoch. Am 3. Januar, Schumachers 50. Geburtstag, bringt die "Keep Fighting Foundation" eine offizielle App auf den Markt.

Schumachers Kinder haben trotz aller Widrigkeiten ihren Weg gemacht. Tochter Gina Maria (21) ist erfolgreiche Westernreiterin. Sohn Mick, vor fünf Jahren Augenzeuge der Tragödie, eifert dem Vater nach: Im Oktober gewann der 19-Jährige die Formel-3-EM.

Michael Schumacher selbst soll weiterhin möglichst unbehelligt bleiben, zu seinem eigenen Wohl und dem seiner Familie. Trotzdem oder gerade deswegen ist das Interesse am Schicksal der Sportikone ungebrochen. Am Schicksal des Mannes, der mehr als 300 Rennen in der Formel 1 ohne wirklich schlimme Unfälle überstand. Und dann beim entspannten Skifahren mit Familie und Freunden unglücklich stürzte.

Quelle: Gießener Allgemeine

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