Italien im Ronaldo-Rausch

Tagelang werden Countdowns gezählt. Italiens Fußball- Sensation des Jahres tröstet das Land ein wenig über die verpasste WM-Teilnahme hinweg. Jetzt ist der Superstar da. Die weiße-schwarze Cristiano-Ronaldo-Show bei Juventus Turin beginnt.

Schon die Landung in Turin war filmreif. Als Top secret und einen Tag früher als erwartet betrat Cristiano Ronaldo, das neue Kronjuwel von Italiens Rekordmeister Juventus Turin, italienischen Boden. »Schaut her, wer gerade in Turin angekommen ist«, twitterte Juve und schenkte den Fans ein erstes Foto von Ronaldo auf dem Rollfeld. An der Seite des Weltfußballers war dessen Freundin Georgina Rodriguez zu sehen.

Die »Jahrhundertwende« und die »neue Ära im italienischen Fußball«, von der die Medien seit Bekanntwerden des Transfers pausenlos sprechen, begannen am Montag offiziell vor dem Ärztezentrum von Juve. Die Anhänger des Clubs, die in Scharen zum »Ronaldo-Day« gekommen waren, machten dem Neuankömmling unmittelbar klar, was sie von ihm erwarten. »Bring uns den Champions-League-Titel!«, skandierten sie. Ronaldo gab Autogramme, winkte den Fans und verschwand er zum Medizin-Check.

Der Transfer ist ein reines Spektakel, Ronaldo ist für Italien »Außerirdischer« und »Lottogewinn« zugleich. Er soll den Top-Club an die Spitze des europäischen Fußballs führen. Juve-Coach Massimiliano Allegri ist überzeugt, dass seinem Club mit dem Torjäger seit 1996 das erste Mal wieder der Königsklassen-Pokal sicher sein wird.

Ronaldo sei schon immer ein Perfektionist gewesen, einer mit Gewinner-Mentalität, sagte René Meulensteen der »Gazzetta dello Sport«. Der Niederländer war lange Zeit Assistenztrainer an der Seite von Alex Ferguson bei ManUnited. Dort habe Ronaldo ihm gesagt: »Ich will der Beste werden.« Ronaldo sei aber auch eine »fantastische Person, er trägt sein Herz am rechten Fleck«. Das hören die bodenständigen Turiner und die familienverbundenen Italiener gerne.

Doch nicht nur in sportlicher Hinsicht sind die Erwartungen an den Stürmer riesig. Ronaldo ist längst eine Marke, er ist ein Garant für klingelnde Kassen beim Merchandising und bei Sponsorenverträgen. Am Wochenende machten Gerüchte die Runde, wonach Juve kurz nach Bekanntgabe des Transfers in einer Nacht mehr als 500 000 Ronaldo-Trikots verkauft haben soll. Für den Traditionsverein ist die Ablösesumme an Real in Höhe von 112 Millionen Euro ein ungewohnt dicker Brocken. Doch die Ausgaben könnten sich am Ende für die Clubkasse auszahlen.

Auch für Ronaldo selbst bricht nach neun Jahren Real Madrid eine Zeitenwende an. Doch trotz seiner 33 Jahre kann sich der Portugiese sicher sein, in Italien künftig unstrittig die Nummer eins zu sein. Ein Beweis seiner Vorfreude lieferte Ronaldo umgehend – und sang im Vorbeigehen an den Kameras beschwingt »Juve, Juve«.

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