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Im Maschinenraum wird’s eng

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Mit gutem Beispiel voran: Leon Goretzka (vorne links) und Thomas Müller (r.) nehmen vor dem Training, zusammen mit Adidas-Mitarbeitern am »Run for the Oceans« teil. FOTO: DPA © DPA Deutsche Presseagentur

Auf keiner Position hat Fußball-Bundestrainer Hansi Flick so ein Über- angebot wie im zentralen Mittelfeld. Die Qual der Wahl soll bei der WM zum Erfolgsfaktor werden. Der Konkurrenzkampf hat längst begonnen.

Leon Goretzka trabte Thomas Müller blindlings hinterher, doch Abkürzen war beim lockeren Benefiz-Lauf der Fußball-Nationalspieler zur Rettung der Weltmeere nicht drin. »Pech gehabt!«, sagte Müller schmunzelnd, und animierte Goretzka mit einem bestimmten »Mitkommen!« zur nächsten Runde über den »Home Ground«.

Auf dem Spielfeld aber will Goretzka selbst Kommandant sein - und sich in der umkämpften Schaltzentrale behaupten. »Ich bin immer enttäuscht, wenn ich nicht auf dem Platz stehe - da ist es egal, warum«, sagte er im Trainingslager der DFB-Auswahl in Herzogenaurach. Doch sicher sein kann er sich seines Platzes im Mittelfeld nicht mehr.

Die Doppel-Sechs mit den Bayern-Profis Joshua Kimmich und Leon Goretzka sei keinesfalls »von Haus aus gesetzt«, sagte Hansi Flick vor dem Start in die Nations League am Samstag (20.45 Uhr/RTL) bei Europameister Italien. Zu groß ist der Konkurrenzkampf, obwohl nach dem Rücktritt von Toni Kroos nach der EM ein Platz frei geworden ist.

Im Maschinenraum wird’s eng: Flick sieht Ilkay Gündogan oder Jamal Musiala als starke Alternativen. Gündogan sei »defensiv wie offensiv überall einsetzbar«, sagte der Bundestrainer. Musiala, der im März gegen die Niederlande (1:1) und erneut im Familien-Trainingslager in der vergangenen Woche in Marbella teils auf der Sechs agierte, könne »für jede Mannschaft Räume öffnen«. Als weiterer Kandidat steht im aktuell 25 Spieler umfassenden Kader - Marco Reus (Anzeichen eines Infekts) fehlt noch - der Mainzer Anton Stach bereit. Der U21-Europameister hat immerhin Spieler wie Florian Neuhaus, Julian Weigl, Emre Can, Mahmoud Dahoud oder Maximilian Arnold ausgestochen, die alle nicht berücksichtigt wurden.

Goretzka hat angesichts des Überangebots Verständnis dafür, dass sich Flick in Richtung WM (21. November bis 18. Dezember) noch nicht festlegen will. »Die ganze Mannschaft ist so gut besetzt, es wäre fatal vom Trainer, jemandem eine Startelfgarantie zu geben«, sagte er, »da würde ich mir auch keine Handschellen anlegen«.

Goretzka und Kimmich begannen in vier von fünf Länderspielen unter Flick, in denen beide zur Verfügung standen. Der Konkurrenzkampf im Team aber, betonte Goretzka, sei überaus wertvoll. Im Training am Dienstag habe er einen Zweikampf mit Kumpel Kimmich »sehr intensiv« geführt, »da ging es richtig rund. Das schweißt zusammen, das will Hansi sehen«, sagte er, »das macht uns alle besser und wird uns schneller dahin führen, wo wir hinwollen«. Nämlich zurück an die Weltspitze.

Der lange Weg zum fünften Stern in der Wüste von Katar begann in Franken mit der 2,3 km langen Laufrunde (»Run for the Oceans«) an der Seite mehrerer Hundert Adidas-Mitarbeiter. Im folgenden Training ließ Flick schon mit dem Ball des italienischen Verbandes spielen.

Italien, danach England, Ungarn und schließlich erneut der Europameister: »Das sind absolute Prestigeduelle« mit viel »Geschichte und Tradition« sagte Goretzka über die Spiele in der Nationenliga. Danach, meinte Flick, »wissen wir, wo wir stehen« - und vielleicht auch, wer bei der WM die Schwerstarbeit im Maschinenraum verrichten darf.

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