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Eintracht Frankfurt spielt Fußball, wie ich Fahrrad fahre: mit Zusatzmotor am Fahrgestell. Sogar schneller, als der Pedelec-Motor zulässt (25 km/h). Der ist runtergeregelt wie Caster Semenya (zu ihr später). Dass irgendwann selbst der prallvollste Akku leer läuft, ist zwar eine berechtigte Befürchtung, momentan aber eine ziemlich unpassende Anmerkung.

Eintracht Frankfurt spielt Fußball, wie ich Fahrrad fahre: mit Zusatzmotor am Fahrgestell. Sogar schneller, als der Pedelec-Motor zulässt (25 km/h). Der ist runtergeregelt wie Caster Semenya (zu ihr später). Dass irgendwann selbst der prallvollste Akku leer läuft, ist zwar eine berechtigte Befürchtung, momentan aber eine ziemlich unpassende Anmerkung.

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Das Phänomen Eintracht ist auch ein multikulturelles Vorzeigeprojekt. Deutscher als diese Multikultitruppe spielt keine andere deutsche Mannschaft. Hart wie Kruppstahl, zäh wie Leder, schnell wie die Windhunde. Der deutscheste Deutsche darunter (na gut, rein äußerlich Sebastian Rode) ist Danny da Costa. Und so wenig rassistisch, dass er womöglich sogar einen Gauland als Nachbarn tolerieren würde. Ernsthaft: Seit dieser Saison ist Danny da Costa erster Anwärter auf die rechte Außenposition in der Nationalmannschaft. Aber ich fürchte, Löw hat auch diesen Schuss noch nicht gehört.

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Bevor ich als Multikultiträumer verunglimpft werde: Bei der SG Eintracht klappt es so gut, weil sich alle für den Klub einsetzen und kämpfen, niemand sich auf die faule Haut legt oder den gemeinsamen Erfolg sogar sabotiert. Unerreichbares Vorbild für die SG Deutschland.

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1:1 also. Gar nicht so schlecht und besser als befürchtet (Klopp würde gerne tauschen ...). Ein 2:2 bei Chelsea bliebe im Rahmen der realistischen Möglichkeiten und wäre auch in Leverkusen ein brauchbares Ergebnis. Plus Derbysieg und einem Punkt bei den Bayern, die entweder nervös oder titelfeiergeschwächt sein werden. Manchmal stirbt die Hoffnung am Schluss ... nicht, sondern erfüllt sich.

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Mit etwas mehr Glück und viel weniger Messi hätte Liverpool ebenfalls 1:1 spielen können. Messi trifft die Latte, Salah ins Tor ... der Zufall spielt immer mit. Aber was ist Zufall? "Das Pseudonym, das der liebe Gott wählt, wenn er inkognito bleiben will" (Albert Schweitzer). Denn Gott würfelt nicht, sondern spielt Fußball. Unter dem Decknamen Lionel Messi.

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Anderes Thema, hier schon mehrmals aufgegriffen: NOP. Das "Oregon-Project" von Nike arbeitet mit Anti-Schwerkraft-Laufbändern, Luftkammern mit Überdruck, Unterwasser-Laufbändern, Kältekammer, Höhenzelt, das alles und noch viel mehr in einem Höhenhaus, in dem ein Luftdruck wie auf 3600 Metern über dem Meer herrscht. Doping? Ach was. Das NOP hat von der Welt-Anti-Doping-Agentur WADA den Sauberkeitsstempel erhalten, es sei sportmoralisch nicht zu beanstanden.

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Und so hat sich Alberto Salazar, der "Guru" hinter dem "Nike-Oregon-Project", gegen Doping-Vorwürfe verteidigt: Testosteron für einen 16-Jährigen? War damals legal. Medikamente per Luftpost in einem ausgehöhlten Taschenbuch verschickt? Nur aus Angst vor dem Zoll, die Mittel waren legal. Testosteron am eigenen Sohn getestet, um die Dosis zu ermitteln, die bei Doping-Tests noch nicht auffällt? Nur ein Versuch, sich gegen Sabotage zu wappnen.

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Dieser Tage hat das NOP ein neues Mitglied offiziell vorgestellt: Konstanze Klosterhalfen, das deutsche Ausnahme-Lauftalent. Das sagt erst einmal gar nichts über Doping aus, aber viel über Anspruch und Wirklichkeit im Sport.

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Diese Diskrepanz spielt auch im Semenya-Komplex die Hauptrolle. Die Sache selbst und das Urteil sind bekannt, ich muss es nicht mehr aufdröseln. Sehr bezeichnend aber, was Balian Buschbaum dazu sagt, einst als Yvonne eine der besten deutschen Stabhochspringerinnen: "Schade, dass Gerichte über den Verstand und nicht mit Empathie entscheiden." – Schade? Ein Segen!

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Niemand will Frauen den Sport verbieten. Im Gegenteil. Sie haben ihre eigene Klasse, als Schutzraum in Sportarten, in denen Frausein einen natürlichen Nachteil mit sich bringt. Selbst fundamentalste Frauenrechtlerinnen kämen nicht auf die Idee, bei Olympia einen solchen Schutzraum für Reiterinnen zu fordern. Die legen Wert darauf, in einer gemeinsamen Klasse zu starten (und dort oft genug den Männlein zeigen, wo der Hammer wirklich hängt). Hätte Empathie und nicht der sportliche Verstand das Urteil gesprochen, könnte man, könnte vor allem frau den Frauensport vergessen.

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Wie stark Testosteronwerte die Leistungsfähigkeit beeinflussen, dafür ist Buschbaums Weg von einer (schon sehr männlich wirkenden) Frau zum Mann der beste Beweis, sogar in seinen eigenen Worten (in einem früheren FR-Interview): "Obwohl ich nur noch etwa ein Drittel meines früheren Pensums trainierte, wurde ich viel, viel besser. Ich spürte förmlich, wie sich überall Muskeln bildeten und wie sich deren Form und Struktur veränderten."

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Buschbaum freute sich auch über andere Begleiterscheinungen: "So wurde ich zum Mann – und eine Morgenlatte hab ich auch (Bild-Schlagzeile). Und: "Aaach, welche Frau hat sich noch nie gewünscht, einfach mal an einen Busch treten und im Stehen pinkeln zu können?" (FR)

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Ist das so? Ich frage meine allerliebste Zielgruppe: "Möchtest du im Stehen pinkeln, und hättest du gerne eine Mor..." RUMMMS. Aua!

(gw)

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(www.anstoss-gw.de mit gw-Blog "Sport, Gott & die Welt" / Mail: gw@anstoss-gw.de)

Quelle: Gießener Allgemeine

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