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Habemus Weltmeister. Gleich drei von ihnen. Neben dem neuen Titelträger der sehr unglücklich geschlagene Vizeweltmeister - und ein neuer Exweltmeister. Frankreich feiert, Kroatien weint stolz – und Deutschland leckt immer noch seine Wunden, verbissen und wehklagend.

Von GW

Habemus Weltmeister. Gleich drei von ihnen. Neben dem neuen Titelträger der sehr unglücklich geschlagene Vizeweltmeister - und ein neuer Exweltmeister. Frankreich feiert, Kroatien weint stolz – und Deutschland leckt immer noch seine Wunden, verbissen und wehklagend.

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Noch verbissener und wehklagender als 1994, als Deutschland ebenso favorisiert und ebenso bräsig ausschied. Immerhin erst im Viertelfinale. Damals war ich, lachen Sie bitte nicht, ein IT-Pionier, der eine FAX-Zeitung interessierten Lesern nachts um vier Uhr auf den häuslichen Drucker schickte. Ist das die Zukunft der Zeitung?, fragten elektrisierte Medien aus ganz Deutschland. Nein, denn ich wusste, ahnte zumindest, was kommen würde. Das soll keine späte Selbstbeweihräucherung sein, sondern hat direkten Bezug auf den deutschen Fußball 2018. Denn Löws bräsiger Ballbesitzfußball ist ebenso »out« wie meine Eintagsfliege FAX-Zeitung. Nur: Ich wusste es. Weiß Löw es auch? Will er etwa weiter faxen?

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Bräsig. Schönes altes deutsches Wort für eine hässliche neue deutsche Fußball-Untugend. In Wörterbüchern und Internet suche ich Synonyme und finde »behäbig«, »schwerfällig«, »ohne Schwung« und »unflexibel«. »Bräsig« kommt aus dem Niederdeutschen, stand für »wohlgenährt«, »stolz«, »übermütig« und hatte die Unterbedeutung von »prahlerisch, protzig« und auch »wirr im Kopf«. Zusammenzufassen im aktuellen Synonym »DFB-Fußball 2018«.

Für Deutschland war es eine WM des schlechten Fußballs. Wer aber spielte in Russland »schönen« Fußball? »Die Ansichten klaffen immer weiter auseinander«, stellt die Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung fest. Kein Wunder, denn »schöner« Fußball kontra »Ergebnisfußball«, diese Diskussion kann nur im Fußball geführt werden. Selbst der größte Romantiker spräche nicht vom »schönen Fußball«, wenn dieser Sport messbar wäre wie Leichtathletik oder Schwimmen. Dort gibt es keine »schönen« Leistungen, nur gute (und schlechte).

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Und der Gewinner heißt ... Wladimir Putin. Perfekt organisiert, gute Stimmung unter den Fans aus aller Welt, keinerlei Ausschreitungen. Da bleibt den Kritikern nur der Verweis auf Berlin 1936. Da soll es ähnlich gewesen sein. Ob der Vergleich zulässig ist oder hilfloser Ausdruck der Enttäuschung, dass Putin es nicht vermasselt hat, will ich nicht beurteilen.

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Oder höchstens indirekt. Laut einer Umfrage, die dpa gestern veröffentlicht hat, glauben zwei Drittel der Deutschen, Trump sei für den Weltfrieden gefährlicher als Putin. Wie?! NUR zwei Drittel?! Wenn die Weltpolitik ein großes Kriegsschiff im ständigen Manöver ist, wird es zwar von Putin mehr oder weniger grimmig und aggressiv auf seinen Kurs gebracht – aber an Deck schlingert Trump als »loose cannon« herum, unkalkulierbar und brandgefährlich.

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Angenehmeres Thema: Angelique Kerber. Wie sehr ihr der Wimbledon-Triumph zu gönnen ist! Von unten zur Nummer eins, wieder nach unten, jetzt der ultimative Erfolg, der sie sportlich unsterblich macht. Erinnert mich an die große Ulrike Meyfarth mit Gold 1972 und 1984 und der langen Krise dazwischen, als sie als »springende Seekuh« verunglimpft wurde.

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Aber Skandal, Skandal! Schon wieder taucht ein Gündogan-Foto auf. Selfie mit zwei, wahrscheinlich auch noch türkischstämmigen, Freunden in Wimbledon, mit Twitter-Glückwunsch an Angelique Kerber. Die mit dem französischen Vornamen und polnischen Wurzeln. Aber mal im Ernst: Özils Foto (da spielt der schlauere Gündogan gar keine Rolle mehr), ist für Dumpfbacken der Grund, warum Deutschland nicht Weltmeister wurde. Dabei gab es ähnliche Fotos mit Erdogan und Özil schon »2011, 2012 und 2016, und in jedem dieser Jahre wurde Özil von den deutschen Fans zum Nationalspieler des Jahres gewählt« (Kicker). Und dann gab es noch das Foto mit Angela Merkel in der Kabine, das damals als übergriffig von der Kanzlerin gewertet wurde und heute eher als Unverschämtheit Özils, ihr mit nacktem Oberkörper zu begegnen.

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Ob Erdogan und Merkel eine »Bikini-Bridge« haben, wollen wir gar nicht wissen. Özil könnte eine vorzeigen. »Die Bikini-Bridge ist das neue Schönheitsideal«, lese ich samt Beweisfoto in der FAS . Für eine Bikini-Bridge müssen bei man bzw. frau auf dem Rücken liegend die Hüftknochen so weit vor stehen, dass sich zwischen Bauch und Höschen eine Lücke bildet.

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Dazu fällt man, also Jeder-Mann, erstens ein, dass sich bei ihm zwischen Höschen (welch eine Verniedlichung!) und Bauch keine Lücke, sondern eine massive Brücke bildet, und dass er, sollte am Strand sein Blick über eine Bikini-Bridge schweifen, sofort nach MeToo-Gesetzbuch in den Wellen ersäuft wird. Also Vorsicht im Urlaub! Aber das ist ein anderes Thema. (gw)

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(www.anstoss-gw.de mit gw-Blog »Sport, Gott & die Welt« / Mail: gw@anstoss-gw.de)

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