Fußball-Bundesliga

Halbjahr überstrahlt Niederlage Spannung an der Spitze und im Tabellenkeller

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Trotz des abschließenden 0:3 gegen Bayern München kann Eintracht Frankfurt äußerst zufrieden mit der bisherigen Fußball-Bundesliga-Saison sein. Am Samstag waren die Körner schnell leer – im Winter soll Sebastian Rode kommen.

So schnell wie sie sonst spielen, so schnell waren sie am Samstagabend auch schon wieder verschwunden, die Profis von Eintracht Frankfurt. Nur weg von diesem Ort, raus aus den Katakomben des Stadions, und rein in den nächsten Jet, zum Glück liegt der Flughafen nur einen weiten Abschlag vom Tor entfernt.

Kaum geduscht und gefönt, geradezu fluchtartig suchten die Akteure das Weite, erst am 3. Januar kehren sie zurück, dann geht es wieder los mit dem Balltraining, und bis dahin soll keine Minute der Erholung verschenkt werden. Man kann das verstehen.

Zuvor, noch auf dem Rasen, hatte sich die komplette Mannschaft, also auch die angeschlagenen Spieler wie David Abraham oder Ante Rebic, bei ihren Fans verabschiedet. Trainer Adi Hütter lobte später fast überschwänglich die Art und Weise, wie Eintracht Frankfurt unter seine Ägide Fußball gespielt und sich präsentiert hat. "Das begeistert mich."

Und diese überragende Hinrunde mit 27 Punkten vermochte am Samstagabend auch nicht mehr die 0:3 (0:1)-Niederlage gegen den FC Bayern München trüben. Es war genau das eine Spiel zu viel, das eine Spiel, in dem der pure Willen nicht mehr ausreichte, die müden Füße nach vorne zu treiben. "Wir haben auf dem letzten Loch gepfiffen", musste Hütter einräumen, 25 Pflichtspiele und acht Englische Wochen seit Mitte August, binnen vier Monaten, haben Spuren hinterlassen. Zumal die Hessen einen Spielstil kultiviert haben, der viel Kraft erfordert. Eintracht Frankfurt kann eben nur Vollgasfussball spielen. Und irgendwann ist dann der Akku leer. Man habe sehr schnell "das Ende der Reise" bemerkt, "was die Körner angeht", sagte der Präsident Peter Fischer.

Interessanter, vermutlich auch dramatischer, wäre diese Partie verlaufen, wenn Eintracht Frankfurt Kapital aus den ersten sehr guten, druckvollen 20, 25 Minuten geschlagen hätte. Da nämlich "waren wir Chef auf dem Platz", hob Hütter den Daumen. Da spielten die Hessen wilden, offensiven Fussball. Vier prima Gelegenheiten hatten sich den Gastgebern geboten: Danny da Costa (8.), Sebastien Haller (9.), Luka Jovic (11.) und Mijat Gacinovic (18.) hatten den Führungstreffer auf dem Fuß. Die Bayern, ebenfalls ersatzgeschwächt angetreten, wussten zeitweise gar nicht, wie ihnen geschah. Nur belohnte sich es für den Aufwand nicht. Das sollte sich rächen gegen effektive Bayern.

Die Münchner nutzten einen Patzer des jungen Evan Ndicka gnadenlos aus. "Ein Missverständnis reicht aus, dann klingelt es schon", sagte der 19-Jährige hinterher, der voller Hochachtung über seinen Landsmann Ribery sprach: "Er ist gut in Schuss, man könnte meinen, er ist 20."

Dieser Treffer freilich hatte den Frankfurtern ein bisschen den Zahn gezogen. "Danach hat mir unsere Körpersprache nicht gefallen", kritisierte Hütter. "Wir haben die Köpfe in den Sand gesteckt. Das mag ich nicht." Ein 0:1 könne man allemal noch aufholen. Doch die Bayern ließen anschließend die Frankfurter laufen und schlugen durch Ribery (79.) und nach einer verunglückten Flanke von Rafinha (89.) nochmals zu.

Es war also ein Spiel und ein paar Ausfälle zu viel. "Um die Bayern zu schlagen", fasste Hütter zusammen, "brauchst du alle Mann an Bord". Die hatte die Eintracht dann nicht mehr, zumal Mijat Gacinovic kurz vor der Pause mit Verdacht auf Muskelfaserriss ebenfalls aufgeben musste. Und den Sonntag – anders als das überwiegende Gros der Kollegen – in Frankfurt zur medizinischen Untersuchung bleiben musste. (Foto: dpa)

Bayern bleibt Bayern, resigniert der Hesse. Unsere multinationale Eingreiftruppe scheint den Gegner zu überrennen, doch dem hilft erst das Glück, dann die Routine und später das Können. Der Bayern-Sieg ist nicht unverdient, aber in der Höhe ein Witz.

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Können Sie, Stand heute, sagen, dass Heiko Herrlich Trainer in Leverkusen bleiben wird? – "Können Sie mir sagen, dass Sie im nächsten Jahr noch Reporter sind bei Sky?"

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Böse Ahnung schon vor dem Anpfiff. Bayern ohne Hummels + Eintracht ohne Rebic = doppelter Malus. Das Mismatch legte den Grundstein zum Pokaltriumph. Ohne Mismatch geriet das Match vom Ergebnis her zum Mistmatch.

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Wenn die Gesundheit es zulässt, in jedem Fall. – "Sind Sie sich sicher? – Wissen Sie mehr? – "Weiß nicht. Das ist Spekulation."

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Definition Mismatch aus dem Basketball: "Ein Mismatch ist dann gegeben, wenn ein Angreifer gegenüber seinem direkten Verteidiger einen Größen- oder Schnelligkeitsvorteil hat." Also wenn, zum Beispiel, beim Rebound einem langen Sprungwunder nur ein kleiner Playmaker im Weg steht. Oder im Fußball ein Hummels im Sprint einem Rebic.

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Beantworten wollen Sie diese Frage nicht. – "Sie können Sie ja auch nicht beantworten."

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Titelträger des Wochenendes sind Real Madrid und der FC Bayern. Fehlt nur noch das Finale um die Goldene Ananas: Klubweltmeister gegen Vizeherbstmeister. Spott beiseite. Zum versöhnlichen Vorrunden-Ende gibt Rummenigge zu, dass die legendäre, abgedrehte Pressekonferenz "nicht gut gelaufen und in dieser Form nicht zu wiederholen" sei. Danke. Das genügt. Abhaken. Kein Thema, kein IWT mehr.

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Ich gehe davon aus, dass ich dabei bin. – "Ach so, Sie gehen davon aus ..."

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Ein IWT aber bleibt. Das Akronym für "Immer wiederkehrender Text", ein Zauberwort aus so frühen Computertagen in unserer Sportredaktion, dass es noch nicht einmal bei Wikipedia auftaucht. Immer wiederkehrender Text in heutigen Fußballtagen, siehe Kramers Handvorlage am Freitag in Dortmund: WHH. Wann ist Hand Hand? Fast salomonisch die nachgereichte DFB-Erklärung: "Das Schiedsrichterteam hat nicht falsch entschieden." Zusatz des gesunden Fußballverstands: Aber auch nicht richtig.

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Also, Sie können es nicht sagen ... – "... dass Sie weiter Reporter sind?"

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Da die "Ohne weitere Worte"-Kolumne wegen der Feiertage ausfällt, beglücke ich mich und hoffentlich auch Sie, siehe oben, mit der Kurzfassung eines Sky-Interviews mit Rudi Völler (Langfassung protokolliert in der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung). Dass es "nur ein’ Rudi Völler" gibt, wissen wir spätestens seit Weißbier-Waldi. Auf Sky dreht Völler bei der üblichen öden Trainer-Frage den Spieß grandios um. Es folgt der krönende Abschluss, der aus einem Theater-Mix von Ionesco und Beckett stammen könnte: Sie wollen nicht darauf antworten? – "Ja. Sie doch auch nicht." – Doch, ich habe darauf geantwortet. – "Ja?" – Ja. – "Sicher?" – Ja. – "Dann ist ja gut " (dass Herrlich dann gestern gehen musste, steht auf einem anderen bzw. an anderer Stelle im Blatt).

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So etwas könnte nur einer wie F. W. Bernstein toppen. Zum Tode des zeichnenden Satirikers (oder umgekehrt) tauchte in jedem, wirklich jedem Nachruf, zumindest den von mir gelesenen, Bernsteins geflügeltes(tes) Wort auf: "Die schärfsten Kritiker der Elche waren früher selber welche." Nirgendwo dagegen las man, aber hier bei mir, dass Robert Gernhardt damals im Pardon-internen Wettstreit unterlegen war. Sein Vorschlag: "Die größten Kritiker der Molche waren früher ebensolche". Wirklich wahr!

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Nicht wirklich wahr ist dagegen eine dieser drei aktuellen Nachrichten. 1. Der "Neue" von Helene Fischer taucht im Buch der Rekorde auf. Sein Weltrekord: Er hat innerhalb von fünf Minuten 82 Unterhosen angezogen. 2. Sein Vorgänger bei Helene kehrt in den früheren Beruf als Bobbycar-Gebrauchtwagenhändler zurück. 3. Der neue Deutsche Waldpreis würdigt Verdienste um den deutschen Wald. Hauptsponsor des Preises: Stihl, die weltweit meistverkaufte Kettensägen-Marke. (Auflösung: 2.)

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Es ginge zwar noch schneller, aber besonders beeindrucken, jedenfalls optisch, würde mich der Weltrekordler, wenn er die Slips nicht nur nach-, sondern auch übereinander angezogen hätte. Doch auch so staunt der deutsche Mann über diese sagenhafte Leistung. Mancher benötigt für 82 Unterhosen 82 Wochen.

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Noch einmal zu F. W. Bernstein. In einem seiner berühmten Gedichte hat er sich schwer geirrt. Schaut Euch nur die Wachtel an! / Trippelt aus dem dunklen Tann; / tut grad so, als sei sie wer. / Wachtel, Wachtel täuscht sich sehr. (...) Sie erweckt nur Sympathie / Weltmacht Wachtel wird sie nie!

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Ist aber auf dem besten Wege. Zumindest als Kraftathletin ist sie unschlagbar. Kann mit ihren 96 ausgewachsenen Gramm Straßen und ganze Brücken versetzen! Aber mit einem anderen hochpoetischen Endreim behält F. W. Bernstein für immer recht: "Der Reim muss bleim!" – Frohe Weihnachten den Wachteln im dunklen Tann und Ihnen, wo immer Sie diese Kolumne lesen.

(gw)

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(www.anstoss-gw.de mit gw-Blog "Sport, Gott & die Welt" / Mail: gw@anstoss-gw.de)

Für Spannung ist in der Rückrunde der Fußball-Bundesliga gesorgt. Im Titelrennen, weil der FC Bayern nach teils holprigen Wochen die Verfolgung bei sechs Punkten Rückstand auf Herbstmeister Borussia Dortmund aufgenommen hat. Im Tabellenkeller, wo es eng zur Sache geht. Die größten Sorgen haben Hannover 96 und der 1. FC Nürnberg mit nur elf Punkten. Aber auch der VfB Stuttgart hat als Drittletzter viel Nachholbedarf.

Abstiegsreif: Es sind Zahlen, die alles andere als Bundesliga-Tauglichkeit ausdrücken. Platz 18, nur elf Punkte. In den letzten elf Spielen gab es keinen Sieg mehr für den 1. FC Nürnberg, zuletzt sogar vier Mal kein Tor. Ans Aufgeben denkt Trainer Michael Köllner aber nicht. Zum Start in die Rückrunde am 20. Januar gegen Hertha BSC wolle er aber dafür sorgen, dass "wir wieder Tore schießen, punkten und dann am Ende auch Spiele gewinnen", sagte der Coach, um "Platz für Platz" gut zu machen.

Viel Arbeit: Das Horror-Szenario, als Drittletzter in die Winterpause zu gehen, blieb Vizemeister Schalke 04 erspart. Trotzdem gibt es einiges zu tun. "Eine gute Analyse ist wichtig und dann müssen die richtigen Schlüsse gezogen werden", sagte Trainer Domenico Tedesco nach dem 3:1 in Stuttgart. Seine Position bleibt unangetastet, ansonsten könnte sich einiges tun: Erweitertes Trainerteam, neue Spieler.

Der Oldie: Ist es für Franck Ribéry das Abschiedsjahr beim FC Bayern oder bleibt der Franzose doch länger? Denn aktuell ist der 35-Jährige für den Meister Gold wert. Erst erzielte Ribéry den Siegtreffer gegen RB Leipzig, dann war er mit zwei Toren beim 3:0 in Frankfurt erneut Matchwinner. "Ich liebe Bayern, die Bayern lieben mich. Man weiß nie, was im Leben passiert", sagte Ribéry zu seiner Zukunft. Lob gab es auch von Trainer Niko Kovac: "Franck und Arjen Robben sind Weltklasse-Spieler. Die sind nicht umsonst da, wo sie sind. Man wird älter, aber die Qualität verlierst du nicht."

Quelle: Gießener Allgemeine

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