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Ungewohnt: Die Eintracht-Spieler drehen nach dem Testspiel-2:1 gegen St. Etienne eine Ehrenrunde vor 10 000 Zuschauern im Deutsche Bank Park.

Dickes Lob für Neuzugang Borré

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(ds). Das Gespür für die Situation ist den Frankfurter Fußballfans auch nach eineinhalb Jahren Pandemie nicht abhanden gekommen, das haben sie sich beim Starren auf den Fernseher bewahrt. Sie wussten, als sie denn endlich wieder zu Tausenden im Stadion im Stadtwald zugegen sein durften, wer den Zuspruch verdient hat. Na klar, Martin Hinteregger, und das nicht nur, weil der Hinti eben der Hinti ist, oder weil er dieser Tage seine Biografie veröffentlicht hat, sondern vor allem deshalb, weil er kürzlich der Eintracht seine Treue schwor.

Martin Hinteregger darf sich künftig weiterer Sprechchöre gewiss sein. Ebenso wie sie Filip Kostic am Samstag genießen konnte - Stichwort: Gespür für die Situation. Kostic‹ Name hallte durchs mit 10 000 Fans gefüllte Stadion, eine Portion Liebe als flehende Bitte, doch ja hier zu bleiben in der Stadt am Main. Ihren Besten, das wissen die Anhänger, sollte die Eintracht tunlichst nicht an einen anderen Klub verlieren. Und: Es deutet sich an, dass das auch nicht passieren wird.

Markus Krösche, der neue Sportvorstand, erklärte am Rande der gelungenen Generalprobe (2:1) gegen die AS Saint-Étienne eine Woche vor dem Pokalstart in Mannheim, dass ein Verbleib von Kostic »sehr wahrscheinlich« sei. Schließlich fühle sich der Serbe pudelwohl in Frankfurt und wisse, was er an der Eintracht habe. Unter anderem: die Zuneigung der Fans, eine Stammplatzgarantie, europäische Auftritte, auch ein nettes Salär. Auf einer Skala von eins bis zehn bezifferte Krösche die Wahrscheinlichkeit eines Kostic-Verbleibs auf eine »Acht«, wenngleich ihm jene Einstufung im TV-Interview etwas in den Mund gelegt wurde. Sei’s drum. Trainer Oliver Glasner, ebenfalls noch frisch in Frankfurt am Werk, nahm die Vorlage seines Chefs dankend an und vollendete zielsicher. Für ihn sei es eher eine »Neun bis Zehn«. Glasner grinste.

Selbstverständlich weiß der Coach, dass erst etwas als fix vermeldet werden kann, wenn es denn auch fix ist. In diesem Fall: Wenn die Wechselfrist endet. Der Stichtag: 31. August, 18 Uhr. »So wie ich Filip aber jeden Tag erlebe, gehe ich davon aus, dass er bleibt«, sagte Glasner. Auch der Frankfurter Ex-Vorstand Fredi Bobic schob bei Sky den Wechselgerüchten rund um Hertha BSC einen Riegel vor: »Das könnt ihr streichen.« Gesagt, getan.

Die Eintracht hat also offenbar bei Kostic gute Karten, dem Vernehmen nach hindert sie das aber nicht daran, bei Jens Petter Hauge weitere auf den Tisch zu legen. Für den 21-jährigen Offensivspieler sollen italienischen Medienberichten zufolge erneut Angebote bei dessen Klub AC Milan eingegangen sein, auch eines von der Eintracht. Hauge stand am Samstag nicht im Testspielkader der Mailänder.

Das Testspiel der Eintracht gegen den letztjährigen Tabellenelften der Ligue 1 war derweil ein erfreuliches. Gerade in der ersten Hälfte, als Trainer Glasner seine beste Elf aufbot, griffen die Rädchen im bewährten 3-4-2-1-System ineinander. Mit Ausnahme vielleicht des zwar stets bemühten, aber zu huddeligen Aymen Barkok wusste das Personal der Anfangsformation durchweg zu überzeugen. »Die Mannschaft hat einen sehr, sehr guten Eindruck gemacht«, lobte Glasner: »Sie hat Spielfreude ausgestrahlt, war variabel. Wir haben uns gut zwischen den Linien bewegt.« Christopher Lenz (12.) und Rafael Borré (41.) per verwandeltem Elfmeter schossen die Eintracht-Tore vor der Pause, Timothée Kolodziejczak (74.) verkürzte später für die klar unterlegenen Franzosen.

Überbewerten wolle er den Erfolg aber nicht, trat Glasner wohltuend angenehm auf die Begeisterungsbremse und erinnerte zur Warnung an seine Anfänge beim VfL Wolfsburg. Dort habe er mal die Generalprobe gegen Nizza mit 8:1 gewonnen, »da standen wir gefühlt schon kurz vor der Champions League«, und dann mühten sich die Niedersachsen doch in der ersten Pokalrunde beim Drittligist Halleschen FC gerade eben noch nach Verlängerung weiter. »Wir sind aber sehr, sehr weit«, findet Sportvorstand Krösche.

Erstaunlich weit präsentierte sich gegen Saint-Étienne auch Neuzugang Borré. Der Stürmer aus Kolumbien, der erst seit einer Woche mit dem Team trainiert, wusste bei seinem Einstand zu überzeugen - nicht nur wegen des Treffers. Unermüdlich nahm es der schmächtige Angreifer mit den gegnerischen Abwehrriesen auf, ging wild in die Zweikämpfe, lief sie ständig aufs Neue wieder an. Manchmal sicher auch vergeblich, alles in allem aber mit einem guten Gespür für die passenden Momente. So eroberte Borré gleich zwei, drei Bälle weit in des Gegners Hälfte, beim 1:0 von Lenz scheiterte er vorher noch am französischen Torwart, beim Elfmeter behielt er die Nerven und schoss locker ein. Hinterher gab’s Lob: »Ich bin sehr, sehr zufrieden mit seinem ersten Auftritt«, sagte Glasner. Dass er sich vorab als Strafstoßschütze gemeldet habe, »zeugt von seinem Selbstbewusstsein.« Abwehrchef Hinteregger fand, dass »Rafa gut eingebunden war. So gut hätte ich ihn am Anfang nicht erwartet.« Nach dem Abgang von André Silva sei für die Mannschaft ohnehin »das Wichtigste, dass wir eine Topstürmer haben«. Die Ansätze jedenfalls sind da bei Borré.

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