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»Der Größte der Großen«

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Rafael Nadal posiert stolz mit dem Siegerpokal. © AFP GmbH

(sid). Mit ganz kleinen Augen begab sich der völlig erschöpfte Rafael Nadal nach einer schlaflosen Nacht auf seinen Triumphzug durch Melbourne. »Selbst jetzt bin ich noch körperlich vollkommen zerstört, ganz ehrlich«, sagte der müde »Matador« am Montag beim offiziellen Fototermin mit dem silbernen Pokal vor dem Government House. Aber trotz aller Strapazen und Schmerzen kostete der nun alleinige Grand-Slam-Rekordchampion jeden Moment seines historischen Tennis-Erfolgs bei den Australian Open aus.

In der Heimat überschlug sich die Presse mit Lobeshymnen auf den »neuen Gott« des Tennis, »den Größten der Großen« - das spanische Königshaus ließ der 21-malige Major-Sieger sogar fast sprachlos zurück. »Rafa, uns gehen die Worte aus«, schrieb die königliche Familie bei Twitter: »Es gibt keine Hindernisse für diejenigen, die keine Grenzen haben.«

Tatsächlich hatte der 35-Jährige mit seinem epischen Comeback im Finalthriller gegen Daniil Medwedew die Grenzen des scheinbar Möglichen wieder einmal verschoben - auch wenn ihm dieses 5:24 Stunden lange Fünfsatz-Spektakel in den Knochen steckte. »An viele Momente des Matches«, erzählte Nadal, könne er sich »überhaupt nicht erinnern«. Eine Idee von seiner Leistung nach 0:2-Satzrückstand dürfte er aber bekommen haben, als die ganzen Huldigungen auf ihn einprasselten. Spaniens Ministerpräsident Pedro Sanchez bezeichnete Nadal nach dessen Meilenstein der Tennisgeschichte als den »Größten«. Die im Grand-Slam-Ranking vorerst abgeschüttelten Roger Federer und Novak Djokovic (beide 20 Titel) hatten ihre Glückwünsche direkt nach dem Finale übermittelt.

Noch am 11. September hatte sich Nadal in den sozialen Netzwerken auf Krücken mit dick bandagiertem operiertem Fuß gezeigt. Sogar Gedanken ans Karriereende seien ihm während der Rehabilitation gekommen, gestand er. Gut viereinhalb Monate später erklomm der Mallorquiner laut der Zeitung »Sport« nun den »Olymp des Sports, weit über das Tennis hinaus«. »Marca« würdigte indes Nadals unbändige Willenskraft: »Wenn sie dir sagen, es ist unmöglich, dann denk an Rafa.«

Dabei muss der Melbourne-Triumph noch längst nicht die letzte Sternstunde gewesen sein. Schließlich eröffnet sich dem Sandplatzkönig im Mai die Chance, mit einem 14. French-Open-Titel im ewigen Ranking weiter davonzuziehen. Denn während ein Comeback des 40-jährigen Federers nach einer dritten Knie-OP noch ungewiss ist, steht auch hinter Djokovics Teilnahme an den kommenden Grand-Slam-Turnieren ein Fragezeichen, sollte dieser seine Impf-Ablehnung nicht ablegen. Nadal betonte aber, dass ihm die Debatte um den GOAT, den Größten aller Zeiten, ohnehin »ziemlich egal«, sei. Deshalb wollte er auch keine Prognosen anstellen, wie lange er seinen geschundenen Körper noch zu Höchstleistungen treiben will. »Ich will einfach nur den Moment genießen, weitermachen und versuchen, diesen schönen Sport zu genießen.«

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