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»Cordalis, der Loipenhengst«

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Startnummer 17 ging es gar nicht gut. Der auffallend wohlgebräunte Herr im gesetzten Sportleralter stapfte mühsam die Tiroler Berge hinauf. Und irgendwann wird sich Costa Cordalis, hauptberuflich Schlagerstar und nebenberuflich bester Skilangläufer Griechenlands, gewünscht haben, jetzt lieber irgendwo allein in Mexiko zu sein als bei dieser nordischen WM 1985 in Seefeld.

Startnummer 17 ging es gar nicht gut. Der auffallend wohlgebräunte Herr im gesetzten Sportleralter stapfte mühsam die Tiroler Berge hinauf. Und irgendwann wird sich Costa Cordalis, hauptberuflich Schlagerstar und nebenberuflich bester Skilangläufer Griechenlands, gewünscht haben, jetzt lieber irgendwo allein in Mexiko zu sein als bei dieser nordischen WM 1985 in Seefeld.

»Mörderisch« sei es gewesen, sagte Cordalis damals, verwachst habe er obendrein und sich deshalb im Vergleich mit den Weltbesten gefühlt »wie ein mittelmäßiger Karaokesänger«, wie er sich drei Jahrzehnte später in seiner Biografie erinnerte.

34 Jahre nach der Loipen-Marter des Anita-Barden finden in Seefeld wieder Weltmeisterschaften statt. Doch sollte nicht gerade Lokalheld Andreas Gabalier als Volksskispringer einmal positive Schlagzeilen schreiben wollen, wird eine Geschichte wie die des dunkelgelockten Hellenen, der Gold in der Kehle, aber leider Blei in den Beinen hatte, eine Kuriosität bleiben.

Dabei verfolgte die sechsköpfige griechische Reisegruppe aus vier Langläufern, einem Trainer und einem Teamführer, die sich damals im Seefelder Cafe Wildsee einquartiert hatte, durchaus ernsthafte sportliche Absichten. Vor allem der fast 41-jährige Cordalis, der zuvor mit zwei griechischen Landesmeisterschaften seine – bis zum Dschungelkönig 2004 – wichtigsten Titel geholt hatte, brannte vor Ehrgeiz und betätigte sich Jahre später aktiv auf dem Rennrad als Spendensammler für die Tour der Hoffnung (siehe Bild).

Entstanden war Cordalis’ Liebe zum Langlauf in den Siebzigern während der Dreharbeiten zur ZDF-Vorabendserie »Engadiner Bilderbogen«, in der ausgerechnet der passionierte Berufsgrieche einen Studenten mimte, der, so Cordalis, »Ski-Unterricht gibt, den Frauen in den Bars den Kopf verdreht – und dazu auch noch das eine oder andere Lied singt«. »Cordalis, der Loipenhengst« (Neue Zürcher Zeitung) war angefixt, übte im Schwarzwald – unter Anleitung seines Golftrainers – »wie ein Besessener«, machte Fortschritte, startete beim legendären Wasalauf, hospitierte bei Deutschlands Nationalmannschaft, besiegte bei »Wetten, dass...?« im Skiroller-Duell Georg Zipfel, den späteren Bundestrainer, dem Johann Mühlegg Hexenkräfte unterstellte und mit Weihwasser zuleibe rückte.

Im nationalen Qualifikationsrennen am griechischen Berg Vermion löste Cordalis das Ticket für Olympia 1984 in Sarajevo, doch Griechenlands Sportpolitiker verhinderten seinen Start, weil sie die Ambitionen des Troubadours mit dem bürgerlichen Namen Konstantinos Kordalis für Kokolores und einen Werbegag hielten.

In Deutschland hagelte es Spott für den verhinderten Olympiahelden, der aber Rückhalt im griechischen Skiverband fand. Dessen Funktionäre überredeten den gekränkten Cordalis zum »WM-Projekt Seefeld«, machten ihn zum Fahnenträger. »Mein griechischer Stolz kehrt wieder zurück«, schrieb Cordalis später: »Der 18. Januar 1985 wird zu einem Meilenstein in meinem Leben.«

An jenem Tag trat Cordalis im 30-km-Rennen an. »Alles andere als der letzte Platz wäre eine Sensation«, sagte sein Manager Herbert Nold: »Aber wurscht – durchkommen muss er.« Cordalis kam durch: 50 Minuten hinter Schwedens Weltmeister Gunde Svan erreichte er als 75. und Schlusslicht das Ziel, wo ihn Kumpel Ralph Siegel und dessen Ehefrau Dunja »wie einen Weltmeister empfangen«. Es blieb Cordalis’ einziges Weltmeisterschaftsrennen, der 50-km-Start fiel aus, weil das Kerngeschäft als Frauenbetörer zum Auftritt nach Zürich rief. (Foto: Archiv)

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