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Chronik einer Entfremdung

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Erfolgreich und doch zerstritten. Die Spannungen zwischen der Dortmunder Vereinsführung und Trainer Thomas Tuchel konnten auch durch den Pokalsieg gegen Eintracht Frankfurt nicht gekittet werden. Doch wie kam es zum Zerwürfnis? Die Deutsche Presse-Agentur listet einige Stationen der Entfremdung auf.

Erfolgreich und doch zerstritten. Die Spannungen zwischen der Dortmunder Vereinsführung und Trainer Thomas Tuchel konnten auch durch den Pokalsieg gegen Eintracht Frankfurt nicht gekittet werden. Doch wie kam es zum Zerwürfnis? Die Deutsche Presse-Agentur listet einige Stationen der Entfremdung auf.

Januar 2016: In letzter Minute platzt die Verpflichtung des Spaniers Oliver Torres. Deshalb kommt es zur Auseinandersetzung zwischen BVB-Chefscout Sven Mislintat und Tuchel. Seither gehen sich die beiden Streithähne aus dem Weg. Mislintat genießt in der Szene einen exzellenten Ruf, gilt als enger Vertrauter von BVB-Sportdirektor Michael Zorc und war maßgeblich an der erfolgreichen Transferpolitik des Revierclubs in den vergangenen Jahren beteiligt. Bezeichnend: Trotz des Streits mit Tuchel wird der von vielen Clubs umworbene Mislintat zum »Leiter Profifußball« befördert.

Mai 2016: Nur wenige Minuten nach der Niederlage im Pokalfinale gegen den FC Bayern im Elfmeterschießen sorgt Tuchel auch mannschaftsintern für Diskussionen. Statt seine gefrusteten Profis aufzurichten, tritt er gegen den scheidenden Kapitän und künftigen Münchner Mats Hummels nach. Dass er am Abend zuvor dem nicht für den Kader nominierten Neven Subotic vom Aufenthalt im Teamhotel abrät, trägt ebenfalls nicht zur Stimmungsaufhellung bei.

Juli 2016: Sein Versprechen, den Weggang gleich aller drei Stars, Ilkay Gündogan, Henrich Mchitarjan und Hummels, zu verhindern, kann BVB-Geschäftsführer Hans-Joachim Watzke nicht halten. Vor allem der Verlust von Mchitarjan zu Manchester United verärgert Tuchel. Den nötig gewordenen großen Umbruch im Kader bezeichnet der Trainer als »riskant«, Watzke bezeichnet ihn dagegen als »ambitioniert«.

Januar 2017: Tuchel deutet an, erst spät in den Transfer des schwedischen Talents Alexander Isak eingeweiht worden zu sein. Das sorgt für öffentliche Spekulationen über fehlende vereinsinterne Absprachen. Der Coach verkneift sich einen Tag später jedoch offene Kritik.

Februar 2017: Tuchel erklärt die Partie in Darmstadt zum Mentalitätstest – und wird bitter enttäuscht. Seine Mannschaft sei »gnadenlos durchgefallen« poltert er nach dem unerwarteten 1:2 beim Tabellenletzten. Er bringt seine Bedenken zum Ausdruck, ob das Saisonziel (direkte Champions-League-Qualifikation) nicht doch zu ambitioniert ist. Das sorgt bei der Vereinsführung für großes Befremden.

April 2017: Nach dem Sprengstoffattentat auf den Teambus wird das Champions-League-Spiel gegen Monaco abgesagt. Noch am selben Abend wird von beiden Vereinen und der UEFA in aller Eile und ohne detaillierte Informationen entschieden, die Partie bereits am nächsten Tag nachzuholen. Tuchel und einige BVB-Profis äußern scharfe Kritik an der Neuansetzung. Im Gegensatz zum Trainer gibt der Verein jedoch an, dass Tuchel in den Entscheidungsprozess eingebunden war.

Mai 2017: Am Tage des wichtigen Bundesligaspiels gegen Hoffenheim erscheint in der »WAZ« ein Interview mit Watzke, in dem er einen Dissens mit Tuchel über die Neuansetzung der Partie gegen Monaco bestätigt. Die Medienresonanz ist gewaltig.

Mai 2017: Selbst nach dem Erfolg gegen Frankfurt gibt es Misstöne. Die Ausbootung von Nuri Sahin veranlasste Kapitän Marcel Schmelzer zu harscher Kritik an Tuchel.

Mai 2017: Drei Tage nach dem Pokalsieg verkünden Verein und Trainer das, was alle längst erwartet haben: die Trennung.

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