Bloß nicht bremsen

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Der Höhenflug von Eintracht Frankfurt kennt derzeit keine Grenzen. Die 4:0-Gala über Olympique Marseille in der Europa League war der zehnte Sieg aus den vergangenen elf Spielen. Am Sonntag soll in der Fußball-Bundesliga gegen den VfL Wolfsburg die nächste historische Marke fallen.

Schnellster Treffer in der deutschen Europa-League-Geschichte, noch nie hat eine deutsche Mannschaft nach fünf Gruppenspielen in diesem Wettbewerb 15 Tore erzielt, kein Spieler hat aktuell mehr Tore geschossen als Luka Jovic (5), keine der 48 Teams ist aktuell besser als Eintracht Frankfurt: Gibt es überhaupt noch Rekorde, die Adlerträger zurzeit nicht pulverisiert hat?

Selbst der Architekt dieser spektakulären Auftritte einer entfesselten, aufgedreht wirbelnden Frankfurter Mannschaft schaut dem Treiben manchmal ein bisschen ungläubig zu, aber nur ein bisschen. "Es ist für uns alle eine Überraschung, dass wir nach fünf Spieltagen mit 15 Punkten die Gruppe klar gewinnen", sagte Trainer Adi Hütter zu dieser "teilweise hervorragenden" Leistung am Donnerstagabend beim 4:0 (2:0)-Sieg über den vormaligen Finalisten Olympique Marseille. Erneut haben die Frankfurter die europäische Bühne, die ihr bislang an Prämien 7,25 Millionen Euro einbrachte, bestens genutzt, um auf sich aufmerksam zu machen, und gleichzeitig übergeordnete Faktoren nicht zu vernachlässigen. "Es ging auch darum", bilanzierte Marketing-Vorstand Axel Hellmann, "im Sinne der deutschen Bundesliga aufzutreten. Diese Aufgabe haben wir sehr ernst genommen in einer Gruppe, die hammerhart war. Über uns kann keiner Klage führen. Europa ist für uns Spektakel."

Es ist in der Tat etwas lange nicht mehr Dagewesenes, was derzeit in Frankfurt geschieht. Da ist ein Team drauf und dran, sich zu häuten und Stück für Stück zu einem echten Spitzenteam zu reifen. Da ist eine Mannschaft auf dem Platz, der man es ansieht, dass sie richtig Lust aufs Fußballspielen hat, alles wirkt leicht und locker, alles passt, die Balance zwischen unbändiger Angriffswut und solider Defensivarbeit ist fein austariert. Dazu, und das betonen die Spieler unisono, "stimmt die Chemie" (Luka Jovic), die Mannschaft harmoniert bestens, es gibt keine Quertreiber, "wir haben viel Spa?, sagt Rechtsverteidiger Danny da Costa.

Zehn Siege am Stück in elf Pflichtspielen ist ganz sicher kein Zufall mehr, "keine Selbstverständlichkeit" (Hütter), zumal diese Siege das Resultat harter Arbeit, taktischer Disziplin und einer deutlichen spielerischen Überlegenheit sind. Die Hessen überrollen ihre Gegner, 36 Tore haben sie dabei erzielt. "Der Trainer will, dass wir mehr als ein 1:0 schießen. Und wenn wir 2:0 führen, sagt er, geht aufs dritte. Und nach dem 3:0 sollen wir aufs vierte gehen", erzählt da Costa, auch einer der vielen, die unter Hütter noch einmal einen gewaltigen Qualitätssprung gemacht haben. "Wir können nur Vollgasfußball." Dazu ist das Selbstbewusstsein enorm gewachsen, die Spieler trauen sich inzwischen Dinge zu, die sich vorher nicht zugetraut haben, dazu kommt eine gewisse Leichtigkeit, "vieles spielt sich im Kopf ab", sagt Hütter.

Und ein Ende ist nicht abzusehen. "Wir wollen", sagt der Coach mit Blick auf das Bundesliga-Heimspiel am Sonntag (18 Uhr) gegen den VfL Wolfsburg, "die Serie prolongieren", also verlängern.

Auf die Euphoriebremse jedenfalls will der Österreicher nicht treten. "Warum", fragte er rhetorisch, "soll ich irgendetwas bremsen?" Die Grenzen verschieben sich – "mittlerweile nach oben". Das einzige, worauf der Coach achtet, ist, dass der Hunger bleibe. Man dürfe sich nicht mit dem Erreichten zufriedengeben. "Zufriedenheit ist Stillstand und Stillstand ist Rückschritt."

Gegen Wolfsburg hat die Eintracht eine negative Bilanz, zudem die letzten beiden Heimspiele verloren. Aber neuerdings gehört ja auch das Beenden von derlei Negativserien zum Standartrepertoire der Frankfurter. Die Reise soll weitergehen.

Quelle: Gießener Allgemeine

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