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Der bittere Abschied der Angelique Kerber

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Was für eine derbe Pleite für Angelique Kerber: An das Achtelfinale der Australian Open 2019 wird sich Deutschlands beste Tennisspielerin der Gegenwart nicht gern erinnern.

Angelique Kerber schaute nach ihrer klarsten Niederlage bei einem Grand-Slam-Turnier konsterniert drein und gestikulierte fragend. Wie sie die Achtelfinal-Klatsche bei den Australian Open erlebt hatte, konnte die Wimbledonsiegerin schon beschreiben. Über womöglich tiefergehende Ursachen und die Wirkung des 0:6, 2:6 gegen die furchtlose und wie aufgedreht spielende Amerikanerin Danielle Collins wusste Kerber an diesem strahlend schönen Sommer-Sonntag in Melbourne noch nicht recht etwas zu sagen. »Ich habe alles versucht, was ich konnte. Aber es war komplett nicht mein Tag«, sagte Kerber zwei Tage nach ihrem 31. Geburtstag.

Auf dem quälend langen Heimflug haben die Australien-Siegerin von 2016 und ihr Team mit dem neuen Trainer Rainer Schüttler Gelegenheit, jene 56 Minuten zu ergründen, in denen die Weltranglisten-Zweite von der Nummer 35 der Welt an die Wand gespielt und immer wieder vorgeführt wurde. »Trotzdem werde ich Australien mit einem guten Gefühl verlassen, denn dieses Turnier ist für mich immer was Besonderes. Da wird kein Match, keine Niederlage was dran ändern«, betonte Kerber, auch wenn sie in diesem Moment noch so wirkte, als sei dieses Gefühl gerade so weit weg wie die winterliche Heimat.

Verständlich, denn die 25-jährige Collins, die vor den Australian Open noch kein Match im Hauptfeld eines Grand-Slam-Turniers gewonnen hatte, spielte noch viel stärker als bei ihrem unerwarteten Erstrunden-Erfolg über Julia Görges sechs Tage zuvor. Mit ihren Grundschlägen jagte sie die hilflose Angelique Kerber über den Platz, griff deren diesmal wieder schwachen Aufschlag an, ging ans Netz und streute Stoppbälle ein – so wie beim ersten Matchball. »Ich habe ihr vom ersten Punkt an gezeigt, dass ich das Match diktiere«, sagte sie.

Es wirkte, als seien die S-Bahn-Züge von der benachbarten Bahntrasse direkt durch die Margaret-Court-Arena und ständig über Kerber hinweg gerattert. »Dass diese amerikanische College-Spielerin unsere Beste quasi vom Platz fegt, hatte man so nicht erwartet«, stellte auch der deutsche Herren-Tennis-Chef Boris Becker bei Eurosport fest.

Damit war der Hamburger Alexander Zverev schon vor seinem Achtelfinale gegen den Kanadier Milos Raonic am frühen Montagmorgen deutscher Zeit die letzte deutsche Hoffnung beim ersten Grand-Slam-Turnier der Saison.

Schon 2017 war Kerber – damals als Titelverteidigerin und US-Open-Siegerin – in Melbourne fast ähnlich schlimm vorgeführt worden: ebenfalls im Achtelfinale, ebenfalls von der Nummer 35, auch damals ging in Coco Vandeweghe eine hart schlagende Amerikanerin unerbittlich zu Werke. Anschließend fiel Kerber in eine tiefe Krise, aus der sie sich im Vorjahr auf beeindruckende Weise befreite. Kerber sagte, sie habe alles für diese Australien-Reise gegeben, nun sei sie zu Ende: »Ich werde das akzeptieren, das Jahr ist noch lang.«

Rekordmann Roger Federer winkte nach der nächsten Enttäuschung bei einem Grand-Slam-Turnier noch einmal tapfer ins Publikum und hob den Daumen. Mit dem Achtelfinal-Aus bei den Australian Open erlebte der Champion der vergangenen beiden Jahre erneut einen bitteren Abend auf großer Bühne und kann seine Bilanz von 20 Titeln bei den vier wichtigsten Turnieren auch in Melbourne nicht ausbauen. Der 37 Jahre alte Altmeister unterlag in einem Duell der Tennis-Generationen dem 20-jährigen Griechen Stefanos Tsitsipas am Sonntag 7:6 (13:11), 6:7 (3:7), 5:7, 6:7 (5:7). Sein langjähriger Rivale Nadal schaffte es mit dem 6:0, 6:1, 7:6 (7:4) gegen den Tschechen Tomas Berdych ins Viertelfinale. Der 32-jährige Spanier trifft am Dienstag auf Frances Tiafoe (USA).

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