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Der 100-Tage-Countdown läuft

Siebeneinhalb Jahre nach dem skandalumwitterten Zuschlag wird Russland im Sommer die Fußball-WM ausrichten. Der Endspurt läuft für den Gastgeber mit dem 100-Tage-Countdown. Nach viel Kritik aus dem Ausland soll die russische Premiere Fußball-Maßstäbe setzen.

Der Countdown läuft. 100 Tage bleiben Russland am Dienstag noch, um sich auf die Rolle als WM-Gastgeber vorzubereiten. Die FIFA ist mit den Planungen zufrieden, die Logistik stimmt. Was im alten Fußball-Europa aber immer noch mitschwingt, sind die Problemfelder Doping, Hooliganismus und Korruption. Diese dunklen Seiten sollen das WM-Fest, das FIFA und lokale Organisatoren der Welt versprechen, nicht überlagern. Für Weltmeister Deutschland beginnt bald die heiße Phase der Vorbereitung.

? Ist Russland bereit für das große Fußballfest?

Der Confed Cup im Sommer 2017 glückte als Generalprobe. Jetzt geben sich alle Verantwortlichen selbstbewusst: FIFA-Chef Gianni Infantino sagte kürzlich, er sei zufrieden. »Ich bin überzeugt, dass es keinerlei Probleme geben wird.« Cheforganisator Alexej Sorokin sagte an Fußballfans aus aller Welt gewandt, viele Milliarden Rubel seien ausgegeben worden, und er könne versichern, dass alles in wenigen Wochen bereit sei. »Wir arbeiten hart, damit sie sich wohl fühlen, und damit Russland in 100 Tagen für Sie ein Zuhause wird.« Nationaltrainer Stanislaw Tschertschessow sagte der Deutschen Presse-Agentur: »Zum ersten Spieltag wird alles gut sein, und ich bin überzeugt, dass wir eine große Gala veranstalten werden.« Die Messlatte liegt also hoch.

? Wie weit sind Stadien und Infrastruktur in Russland?

Noch Ende 2017 mussten sich die Organisatoren für Verzögerungen beim Bau von Stadien und Trainingsanlagen rechtfertigen. Inzwischen kommen aus den meisten WM-Städten Mitteilungen, dass die Arenen und die Infrastruktur fertig seien. Auch das Stadion in der Wolgastadt Samara – eines der Sorgenkinder – wird nach Angaben von Vizeregierungschef Witali Mutko bald bereit sein. Das erste Spiel dort ist für den 28. April geplant. In Kaliningrad haben die Behörden einen Test des örtlichen Klubs Baltika gegen Schalke 04 auf unbestimmte Zeit verschoben – um den Rasen zu schonen, wie es hieß.

? Welche Rolle spielt das Thema Doping bei der Weltmeisterschaft?

Das Thema beschäftigt vor allem die westliche Presse. Die russischen Medien steigen nur vereinzelt auf die Debatte über mögliche Vergehen im Fußball ein. Dabei hatte Vizeregierungschef Witali Mutko kürzlich eingeräumt, dass gegen zwei russische Fußballer ermittelt werde. Im McLaren-Report gibt es Anschuldigungen, die aber nicht so hohe Wellen schlagen wie die Vorwürfe gegen Leichtathleten und Wintersportler. Russlands Nationaltrainer Stanislaw Tschertschessow macht klar: »Uns betrifft das nicht. Jeder macht hier seinen Job.«

? Muss man Angst vor Hooligan-Gewalt haben?

Die russischen Behörden versuchen, westlichen Fans mit allen Mitteln die Ängste zu nehmen. Bei der WM sollen Tausende Sicherheitskräfte im Einsatz sein. Die Organisatoren verweisen auf die Fan-ID, die jeder Zuschauer neben einem Ticket braucht, um ins Stadion zu gelangen. Vor Ausgabe der Fan-ID werden Antragsteller einem Sicherheitscheck unterzogen. Zudem haben die Behörden eine Liste mit Hunderten bekannten Hooligans erstellt, die nicht zu den Spielen kommen dürfen. So versucht Russland, mögliche Gefährder kalt zu stellen. Die grässlichen Szenen der EM 2016 dürfen sich nicht wiederholen.

? Was ist übrig geblieben von den Korruptionsvorwürfen um die WM?

Als die FIFA im vergangenen Sommer den Garcia-Report zur WM-Vergabe an Russland 2018 und Katar 2022 veröffentlichte, fühlten sich die Gastgeber von allen Vorwürfen reingewaschen. Ungereimtheiten, ja, kleinere Vergehen wie Gefälligkeiten der Kategorie Theaterkarten für FIFA-Funktionäre, ja, aber keine Bestechung im großen Stil. Was im speziellen Fall der russischen Bewerbung als Geschmäckle blieb, war die Tatsache, dass die Computer des Bewerbungskomitees nach dem Zuschlag 2010 vernichtet wurden – und damit auch mögliche Beweise? Fakt bleibt jedoch auch: Im damaligen FIFA-Klima wurde Fair Play von praktisch allen WM-Bewerbern ignoriert.

? Können sich Fans auf faire Preise in Russland verlassen?

Die Behörden versuchen, Preistreiberei zu vermeiden. So hat der Verbraucherschutz Dutzende Hotels im Visier, die ihre Tarife zur WM um ein Vielfaches des Normalpreises erhöhen wollten. Auch hat Präsident Wladimir Putin Strafen verhängt für den illegalen Verkauf von Tickets. Dennoch dürften die Kosten für ausländische Fans höher ausfallen als für Russen. Denn nicht nur bei den Eintrittskarten bekommen Russen Vergünstigungen. Der Chef der staatlichen Airline Aeroflot hat beim Treffen mit Putin angekündigt, russische Fans könnten Flüge zu den Spielen der Sbornaja für symbolische fünf Rubel kaufen.

? Wie komme ich noch an Tickets für die Weltmeisterschaft?

4,9 Millionen Ticket-Anfragen gingen bei der FIFA bislang für die 64 Spiele schon ein. 338 414 davon aus Deutschland. Die erste Phase der zweiten Verkaufsperiode wurde am 31. Januar beendet. Vom 13. März an können sich Fans via FIFA-Homepage bis zum 3. April wieder bewerben, dann entscheidet der Eingang der Bestellung über den Zuschlag und nicht das Los. Traditionell sind Finale und Eröffnungsspiel immer überbucht, man braucht also auch Glück. Die speziellen Kontingente für die deutschen Spiele laufen über den DFB. Acht Prozent der Stadionkapazität stehen den Fans jedes Teams zur Verfügung. Für das erste Spiel im Luschniki-Stadion von Moskau gegen Mexiko also etwa 6400 Karten, für die beiden weiteren Spiele in Sotschi gegen Schweden und in Kasan gegen Südkorea je knapp 4000. Übersteigt die Nachfrage das Angebot, kommt vom DFB ein Verteilungsschlüssel zum Einsatz, der langjährigen Begleitern des Teams größere Chancen gibt.

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