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Ein eingespieltes Team: Die beiden Turnierleiterinnen Petra Hildebrandt (l.) und Wiebke Schüler-Bredt (r.) arbeiten gemeinsam mit Reiterkreis-Vorsitzendem Knud Stenzel an der Umsetzung des neuen Turnierformates.

Reitsport

Zwischen Tradition und Moderne: Reiterkreis Bad Nauheim mit neuem Turnierformat

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Zum 60-jährigen Jubiläum geht der Reiterkreis Bad Nauheim neue Wege. Der Verein will mit einem neuen Turnierformat Top-Reiter anlocken - aber den Fokus auf die Ausbildung nicht verlieren.

Im vergangenen Jahr war das traditionelle Herbstturnier vom Reiterkreis Bad Nauheim aufgrund der Trockenheit noch ausgefallen, in diesem Jahr soll nun mit neuem Konzept ein neuer Anlauf gelingen - schließlich sind die ersten Bad Nauheimer Dressurtage von 23. bis 25. August gleichzeitig auch das Turnier im Jahr des 60-jährigen Jubiläums des Vereins in der Au. Das Ziel: noch attraktivieren Sport bieten, die Top-Reiter aus der Region anlocken und dabei die Tiefe für den Nachwuchs nicht verlieren. Aus diesem Grund haben sich Knud Stenzel, der Vorsitzende des Vereins, gemeinsam mit den beiden Turnierleiterinnen Wiebke Schüler-Bredt und Petra Hildebrandt sowie den anderen ehrenamtlichen des Vereins dazu entschlossen, kein gemischtes Turnier für Springreiter und Dressurreiter mehr anzubieten, sondern stattdessen jedes Jahr zu wechseln - ein Jahr Dressur, ein Jahr Springen. Los geht es mit den Dressurspezialisten und Prüfungen in allen Leistungs- und Altersklassen.

Reiterkreis Bad Nauheim rechnet mit 350 bis 400 Nennungen für das Dressurturnier

"Ein solches Turnier ist ein enormer Aufwand und die Zahl an Ehrenamtlichen wird immer weniger", sagt Stenzel. "Für die Ausrichtung braucht man unheimlich Manpower." Aus diesem Grund müssen auch alle Mitglieder ran. Denn 20 Arbeitsstunden im Jahr sind Pflicht für die Vereinsangehörigen, die Hälfte davon muss beim Turnier geleistet werden - egal ob beim Catering, der Präparierung der Anlage oder der Betreuung von Sportlern und Kampfrichtern. Genau aus diesem Grund würden viele Vereine - sofern sie denn überhaupt eine eigene Reitanlage besäßen - überhaupt keine Turniere ausrichten, erklärt Stenzel. Zudem gebe es immer mehr Reiter, die ihre Pferde bei Privatställen unterstellten, aus denen sich dann Vereine gründeten, die zwar nicht in die Ausrichtung eines Turniers investierten, aber jedes Wochenende woanders an den Start gingen.

Genau das wollen die Bad Nauheimer vermeiden. "Es wird ein attraktives Turnier für die Zuschauer, das hochklassigen Sport bietet", verspricht Hildebrandt. Das Ziel sei, die Tradition der Talauenturniere der Vergangenheit zu bewahren. "Aber man muss den Leuten auch etwas bieten." Dazugehöre neben gutem Sport eben auch das entsprechende Ambiente samt Verpflegung und Programm. "Wir sind darauf angewiesen, genug Gäste auf der Anlage zu haben", erklärt Schüler-Bredt. "Andererseits wollen wir aber natürlich auch den Reitsport fördern." Aus diesem Grund seien die Wettbewerbe entsprechend hoch und breit ausgeschrieben worden. Etwa 350 bis 400 Nennungen erwartet sie. Mit einer S*-Dressur für Erwachsene und junge Reiter unter 25 Jahren sowie einer S**-Dressur, für die sich die besten 15 Reiter beider Wettbewerbe qualifizieren, werde ein echtes Highlight geboten. Denn international gibt es nur noch einen Wettbewerb, die S***-Dressur, die darüber rangiere.

Umfassendes Programm stellt 240 Mitglieder vor große Herausforderungen

Alleine aus diesem Grund sei die Trennung von Dressur- und Springreitern im Turnierformat nötig geworden, denn einerseits werde in diesem Jahr das größere Dressur-Viereck genutzt, das eigens für die Veranstaltung aufwendig aufgearbeitet wird, andererseits bevorzugten die Top-Dressurreiter bei ihren Vorstellungen auch eine gewisse Ruhe auf der Anlage, die bei zu vielen Wettbewerben parallel schnell dahin sei. "Aus diesem Grund sind wir durch die Umstellung deutlich attraktiver geworden. Mit dem zweistufigen Wettbewerb schaffen wir außerdem einen zusätzlichen Anreiz", erklärt Hildebrandt. Doch auch die Wettbewerbe in den Klassen darunter seien wichtig - einerseits um jungen Reitern die Chance auf eine Turnierteilnahme zu geben, andererseits um die eigenen Pferde, die in der einzigen Drei-Sterne-Reitanlage in der Wetterau ausgebildet werden, zu präsentieren.

Gemeinsam mit dem rund 240 Mitglieder umfassenden Verein laufen die Vorbereitungen bereits seit Wochen auf Hochtouren, auch die fest angestellten Pfleger und Reitlehrer des Vereins sind involviert. Denn: Das Turnier ist eine wichtige Einnahmequelle. Und diese Einnahmen werden benötigt - einerseits natürlich, um die Mitarbeiter bezahlen und damit Pferden und Reitern weiterhin ein professionelles Umfeld bieten zu können, andererseits aber auch um die Ausbildungskosten für den Nachwuchs weiterhin möglichst gering zu halten. "Das Endziel unseres Vereins ist nicht einmal unbedingt, tolle Turnierreiter auszubilden, sondern Reiten auch einfach als tolles Hobby zu ermöglichen", erklärt Schüler-Bredt. "Es geht darum, Menschen Freude mit einem Pferd zu schenken." Und das werde immer schwieriger, denn zwar seien die Zahlen bei Kindern ab sechs Jahren gut, doch in Sachen Ehrenamtlicher fehle die Generation zwischen 20 und 40 Jahren fast komplett. Dabei fingen gerade diese Mitglieder Arbeit ab, die sonst von Festangestellten erledigt werden müsste. Und so soll das Turnier vor der offiziellen 60-Jahr-Feier am 31. August Werbung für den Reitsport als solchen, aber auch für den Reiterkreis als Verein werden.

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