Die Sporthallen im Wetteraukreis - wie hier die Halle am Siegesbaum in Bad Vilbel - sind aufgrund der neuerlichen Einschränkungen wegen der Coronavirus-Pandemie bis mindestens Ende November geschlossen.
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Die Sporthallen im Wetteraukreis - wie hier die Halle am Siegesbaum in Bad Vilbel - sind aufgrund der neuerlichen Einschränkungen wegen der Coronavirus-Pandemie bis mindestens Ende November geschlossen.

Coronavirus-Pandemie

Zwischen Frust und Verständnis - So reagieren Wetterauer Sportvereine auf den zweiten Corona-Lockdown

  • Philipp Keßler
    vonPhilipp Keßler
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Der zweite Lockdown in Deutschland trifft auch den Amateursport hart - auch wenn insgesamt die neuen Einschränkungen aufgrund der Coronavirus-Pandemie insgesamt nicht so drastisch sind wie im März. Sportvereine in der Wetterau sind bei der Bewertung gespalten.

Seit Montag muss der Sportbetrieb in der Wetterau nun auch offiziell ruhen. Viele Vereine und Verbände hatten bereits in der Vorwoche nach der Ankündigung der Politik, erneut Einschränkungen des öffentlichen Lebens aufgrund der Coronavirus-Pandemie zu verhängen, den Betrieb eingestellt, ihre Hallen und Plätze geschlossen und geplante Kurse abgesagt. Nachdem der erste Schock über die neuerlichen Maßnahmen verflogen ist, haben wir Vereinsvertreter dazu befragt - mit sehr unterschiedlichen Ergebnissen.

Kritik für Aussetzung des Trainingsbetriebs von den Roten Teufeln Bad Nauheim

Marco Veith (Vorstand bei den Roten Teufeln Bad Nauheim):Beim Nachwuchsverein des Eishockey-Zweitligisten EC Bad Nauheim hat man kein Verständnis für die neuerlichen Einschränkungen: "Hier machen es sich manche zu einfach", sagt Veith. Er verweist auf "unzählige Stunden", in denen der Verein ein ausgeklügeltes Hygienekonzept erarbeitet hätte, um einen sicheren Betrieb für die rund 200 Aktiven des Klubs zu ermöglichen. Die Disziplin aller Beteiligten hätte in Verbindung mit den Maßnahmen dazu geführt, dass es bislang keinen positiven Corona-Fall bei Aktiven oder im direkten Umfeld gegeben hätte, sagt Veith.

Er ist daher der Meinung, man hätte bei den neuen Einschränkungen zunächst stufenweise vorgehen können, also etwa zunächst den Spielbetrieb aussetzen und in einem weiteren Schritt die Trainingsgruppen wie zu Beginn der Lockerungen Mitte des Jahres erneut verkleinern können. "Hier war das Ende der Fahnenstange noch nicht erreicht", sagt Veith. Er verweist dabei vor allem auf die Wichtigkeit von Sport und sozialen Kontakten für Immunsystem und Psyche von Kindern und Jugendlichen mit Blick auf die allgemeine Lage und die beginnenden Wintermonate.

"Ich bin der Meinung, hier müsste man ein bisschen genauer hinschauen", bilanziert Veith. "Stattdessen wird mit der Holzhammermethode gearbeitet und der fade Beigeschmack, für die Fehler und Undiszipliniertheit anderer mitbüßen zu müssen, lässt sich nicht unterdrücken."

Hans Wrage (Sportlicher Leiter Seniorenfußball beim SC Dortelweil):Auch bei den Fußballern des SC Dortelweil ist die "Stimmung nicht allzu gut", sagt Wrage, aber: "Wir tragen die Entscheidungen mit." Für ihn seien diese angesichts der stark steigenden Infektionszahlen keine Überraschung gewesen. Zwar sieht auch er den Sport nicht als "Treiber der Pandemie", doch die sich zuspitzende Lage, die auch vor dem Amateurfußball nicht halt gemacht habe, sodass schon etliche Partien wegen Verdachtsfällen oder Positiv-Getesteten ausfallen mussten, hätte die Frage aufgeworfen, "ob das alles noch fair ist", denn "wann sollen diese vielen Spiele nachgeholt werden?" Wrage verweist etwa auf die Platzproblematik angesichts von insgesamt rund 25 Teams: "Ich weiß nicht, wie das bei unseren Kapazitäten gehen sollte, gerade wenn wir im Winter noch ohne Rasenplatz auskommen müssen."

Wrages Vorschlag ist daher die Umstellung auf eine einfache Runde, was den Druck aus dem Spielbetrieb der im Vergleich zum Vorjahr teils deutlich größeren Ligen nehmen würde: "Das hätte zumindest einen gewissen sportlichen Wert. Die Runde komplett zu Ende zu spielen, halte ich für ein Ding der Unmöglichkeit", sagt er. Noch schlimmer als die Situation sei aber die damit einhergehende Unsicherheit: "Es wäre einfach schön, wenn im Verband eine Lösung gefunden wird, sodass wir Planungssicherheit haben. Aktuell ist die Unsicherheit in vielerlei Hinsicht groß."

Für Spieler und Ehrenamtliche heißt es jetzt erst einmal Pause machen. Sollte ein geregelter Trainingsbetrieb auch über den Dezember hinaus nicht möglich sein, würde gerade bei den Aktiven wieder auf Online-Maßnahmen und auf individuelle oder paarweise Laufeinheiten zurückgegriffen. Für die Ehrenamtlichen bedeute die neuerliche Zwangspause aber auch Erholung, denn "der Aufwand zuletzt war enorm. Wir waren jeden Tag auf dem Sportplatz. Die vergangenen zwei, drei Monate waren daher für Spieler, Verein und Umfeld schon extrem - man hat gemerkt, dass dabei einige an ihre Grenzen gekommen sind."

Auch Online-Kurs sind nur teilweise ein Ersatz für Sportler und Vereine

Markus Menn (Erster Vorsitzender der TG Groß-Karben):Gesundheitssport, Wettkampfsport, Breitensport - mehr als 900 Mitglieder in sieben Abteilungen zählt die Turngemeinde. Und auch dort ruht alles - inklusive Sperrung der vereinseigenen Sporthalle am Park und des Familiensportparks davor. "Grundsätzlich ist das schade, da der Betrieb gerade wieder richtig angelaufen war", sagt TG-Vorsitzender Menn. "Aber es muss irgendetwas getan werden, um die Pandemie einzudämmen. Ich wünsche mir, dass das jetzt hilft und die Maßnahmen Wirkung zeigen."

Noch merke man die Situation im Verein kaum, Austritte gebe es nur wenige, was fehle sind die Einnahmen aus dem großen Kursangebot. Aber: "Die Solidarität der Mitglieder ist hoch, und wir sind gut aufgestellt. Doch das ist eine Momentaufnahme", sagt Menn mit Blick auf die Finanzen. Bereits im März hätten seine Mitstreiter und er finanzielle Hilfe durch Bund und Land geprüft, damals aber keine Möglichkeit gehabt, etwas davon in Anspruch zu nehmen. "Nun werden wir die Zahlen sehr genau vergleichen und schauen, was möglich ist", so Menn.

Einige wenige Kurse wie etwa Yoga würden nun (wieder) ins Internet verlegt, das sei jedoch nicht bei allen möglich. "Es gibt Angebote, da ist ein intensives Eingreifen des Übungsleiters nötig, zudem sollte man den persönlichen Kontakt zu anderen Teilnehmern nicht unterschätzen. Das ist für den Vereinsaspekt zentral. Von daher können Online-Angebote nie ein vollständiger Ersatz sein", erklärt Menn. Auch deshalb hofft er, dass es Anfang Dezember wieder losgehen kann, "aber das ist schwierig zu sagen. Wir müssen einfach abwarten."

Jürgen Weiß (Handball-Männerwart des TSV Griedel):"Es gibt nur einen Weg: Wir müssen die Kontakte verringern", sagt Weiß mit Blick auf die Pandemie - und hat deshalb Verständnis für die Maßnahmen, auch wenn sie den Trainings- und Spielbetrieb aller Griedeler Mannschaften betreffen - und geht noch einen Schritt weiter: "Die Entscheidungen, die getroffen wurden, hätte ich mir schon früher gewünscht." Deshalb hat er auch innerhalb des Klubs Solidarität und die Einhaltung der Maßnahmen eingefordert.

Kritik richtet er vor allem Richtung Verband: "Das Verhalten war einfach wachsweich. Was man daher aus meiner Sicht in der Krise lernen kann, ist, dass es zu wenige Leute, die wirklich Verantwortung übernehmen, gibt", sagt er mit Blick auf den erst verschobenen und dann in die Verantwortung der Vereine übergebenen Saisonstart. 15 Stunden zusätzliche Vorbereitung, 300 Euro Extrakosten und acht weitere Helfer hätten die Griedeler benötigt, um das erste - und bislang letzte - Saisonspiel vor rund 80 Zuschauern auszutragen, während viele Mannschaften erst gar nicht zum ersten Spieltag angetreten waren. Sein Fazit: "Das kann kein Verein auf längere Zeit leisten." Die Einnahmen aus Tickets, Essen und Getränken seien aber essenziell, um die Kosten für Schiedsrichter und Zeitnehmer zu decken. "Wie sollen Vereine das ohne diese Grundlage auf lange Sicht stemmen?", fragt er sich.

Und auch sportlich gebe es mit Blick auf eine mögliche Einfachrunde eine ungeklärte Fragen in punkto Fairness. "Das sind Sachen, die ein Verband sehen muss. Ich hoffe daher, man macht sich dieses Mal zeitig Gedanken", sagt Weiß, der selbst mit den Verantwortlichen in regem Kontakt steht. "Es ergibt keinen Sinn, wieder einen Starttermin auszugeben, wenn schon Wochen vorher abzusehen ist, dass es nichts wird."

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