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Zwei Friedberger Weltmeister

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Australien und die USA geschlagen: Mit der Goldmedaille um den Hals stehen in der Mitte Bernd Schauwecker (2.v.l.) und Bernd Lachmann (2.v.r.).	(Foto: privat)
Australien und die USA geschlagen: Mit der Goldmedaille um den Hals stehen in der Mitte Bernd Schauwecker (2.v.l.) und Bernd Lachmann (2.v.r.). (Foto: privat) © Stephan Thiel

(jn) Was waren das für Leichtathletik-Weltmeisterschaften für die Senioren der LG ovag Friedberg-Fauerbach? Bernd Schauwecker, Bernd Lachmann und Lars Klingenberg haben es in Perth (Australien) richtig krachen lassen und Medaillen mit nach Hause gebracht. Hier der Bericht und ein Interview mit Bernd Lachmann.

(jn/mw) Fleißigster Sammler war Bernd Schauwecker. Als erstes standen für den erfolgreichen Seniorensportler die 100 Meter auf dem Programm. Hier konnte Schauwecker mit superschnellen 11,18 Sekunden Rang vier erkämpfen. »Leider verhinderte der etwas zu starke Rückenwind eine Anerkennung als deutschen Rekord«, so der Athlet hinterher. »Ich bin etwas schlechter als im Vorlauf aus dem Block gekommen. Schade, eine Medaille wäre drin gewesen«, war der Kreisstädter zunächst etwas enttäuscht. Die Medaillen sollten jedoch noch kommen.

Über 200 Meter zum Beispiel. Hier gingen die »beiden Bernds« im Gleichschritt als jeweils Erster ihrer Vorläufe in das Halbfinale. Für Bernd Lachmann war in 23,97 Sekunden dort Schluss. Bernd Schauwecker schaffte im Finale den erhofften goldenen Lauf. In tollen 22,57 Sekunden sicherte er sich seinen ersten Einzel-Weltmeistertitel vor dem Japaner Ito und seinem deutschen Teamkollegen Thomas Kessler.

Fast noch wertvoller war die Leistung der beiden Kreisstädter über die 400 Meter. Im Halbfinale sicherten sich beide den Einzug ins Finale. Bernd Schauwecker wurde in seinem Lauf in 53,00 Sekunden Zweiter, Bernd Lachmann ebenfalls (53,65 sec.). Im Finale gab Schauwecker richtig Gas, holte sich Silber in herausragenden 51,41 Sekunden – für ihn eine neue persönliche Bestzeit bei den Senioren. Bernd Lachmann lief ebenfalls so schnell wie lange nicht mehr, kam in 52,50 Sekunden auf Rang sechs.

Nicht weniger umjubelt waren allerdings die beiden Medaillen mit den Staffeln. Über 4x100 Meter startete das Team Deutschland in der Besetzung Thomas Kessler, Bernd Schauwecker, Bernd Lachmann und Alexander David. In 44,69 Sekunden holte das Quartett Gold vor den USA und Australien. Auch über 4x400 Meter konnte die Nationalmannschaft nicht auf die beiden Bernds aus der Kreisstadt verzichten. Lachmann lief an Position zwei, Schauwecker am Schluss. Das war ein kluger Schachzug der Deutschen, denn Schauwecker hatte am Ende erwartungsgemäß das beste Finish, zog noch an Kanada und Australien vorbei. Gold Nummer zwei in der Staffel!

Auch der dritte LGler im Bunde sollte nicht ohne Medaille aus Australien nach Hause kommen. Lars Klingenberg startete für die deutsche Nationalmannschaft über 4x100 Meter, holte an Position drei laufend Silber hinter den USA (45,80 sec.). Im Einzel ging er gleich in allen drei Sprintdisziplinen an den Start. Über 100 Meter schaffte Klingenberg den Einzug ins Finale, wurde dort in Saisonbestzeit von 11,87 Sekunden Achter. Auch über die doppelte Distanz lief der Kreisstädter nach schnellen 24,42 Sekunden im Halbfinale bis ins Finale durch. Dort standen am Ende 24,53 Sekunden und Rang sechs zu Buche. Einzelstart Nummer drei stand über die 400 Meter an. Hier lief Lars Klingenberg im Vorlauf 60,96 Sekunden. Das reichte zwar nicht zum Weiterkommen, trotzdem kann auch er mit seinem WM-Auftritt super zufrieden und stolz sein.

Insgesamt waren es also sehr erfolgreiche Titelkämpfe für die Senioren-Leichtathleten der LG ovag Friedberg-Fauerbach. Insbesondere für Bernd Schauwecker, der in diesem Jahr sogar noch einmal bei den Aktiven eine Deutsche Meisterschaft mitnahm.

Bernd Lachmann im Interview:

(mw) Bernd Lachmann ist 48 Jahre alt und wohnt in Wölfersheim, wo er einst mit dem Fußball begonnen hat und bei der SG Melbach mit Uwe Bindewald zusammenspielte. Danach kickte er unter anderem beim VfB Friedberg in der Jugend und beim SV Ockstadt in der Bezirksoberliga. Mit der Leichtathletik begann er vor knapp 30 Jahren, »weil es ein schöner Ausgleich ist«. Die Fußballschuhe braucht er mittlerweile nicht mehr, stattdessen ist er mit den Spikes seit 2004 (Hallen-WM der Senioren in Sindelfingen) international unterwegs. Beruflich hat er eine Banklehre absolviert ist er bei einer IT-Firma mit der Personalleitung betraut.

Bernd Lachmann, was macht den Reiz von internationalen Senioren-Meisterschaften aus?

Bernd Lachmann: Ich bin national schon länger vorne dabei. Da ist die Motivation für »Deutsche« irgendwann nicht mehr so hoch. Bei einer EM oder WM ist das anders, die Leistungsdichte ist natürlich viel höher.

Bestzeiten zu erreichen, wird aber natürlich im Laufe der Zeit schwieriger?

Lachmann: Ja. Aber man versucht, den Abfall minimal zu halten oder vielleicht Zeiten zu laufen, die man in der Vorsaison nicht erreicht hat. Das motiviert schon. Zwei weitere Aspekte spielen bei den internationalen Wettkämpfen auch noch eine Rolle.

Welche?

Lachmann: Man kommt in Gegenden, die man vielleicht nicht als Urlaubsland ausgewählt hätte; zum Beispiel Lahti in Finnland oder Australien. Und zwischenmenschlich entstehen natürlich Kontakte und Freundschaften, die ich nicht missen möchte.

Wie viel Trainingsaufwand betreiben Sie?

Lachmann: In der Hochphase sechsmal die Woche zwei Stunden. Dazukommen Sitzungen bei einem Osteopathen bei Bedarf und Personal Training für den Kraftbereich. Man muss diszipliniert und organisiert sein, um alles mit dem Beruf und dem Umfeld unter einen Hut zu bekommen.

Wie geht’s nächstes Jahr weiter?

Lachmann: Die EM in Dänemark ist ein Thema. Außerdem versuche ich mich gerade als Personal Trainer zu etablieren.

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