Zender fährt als Tabellenführer zur EM

(mw) Es war ein Befreiungsschlag, ein ganz besonderer. Bei den Deutschen Meisterschaften der Aktiven in Ulm am ersten Juli-Wochenende verbesserte Niklas Zender (TSV Friedberg-Fauerbach) über 400 Meter seine Jahresbestzeit auf 46,23 Sekunden, wurde Fünfter und zeigte sich pünktlich vor den Saisonhöhepunkten in Topform. Nun geht er als Führender der europäischen Bestenliste bei der an diesem Donnerstag startenden U20-EM in Novi Sad (Serbien) an den Start. Ebenso Medaillenchancen hat Vereinskollegin Christiane Klopsch über 400 Meter Hürden.

Beide könnten zudem noch mit der Staffel angreifen. Während Zender dort als schnellster Deutscher gesetzt ist, wird sich die Aufstellung bei den U20-Frauen erst nach den Einzelentscheidungen herauskristallisieren.

Für das Duo vom Turn- und Sportverein aus Friedberg-Fauerbach ist es nach der U18-WM 2007 in Ostrava und der U20-WM im vergangenen Jahr in Bydgoszcz der dritte Einsatz bei internationalen Meisterschaften. Während vor zwei Jahren beide Sechste in ihren Spezialdisziplinen wurden, machte Zender 2008 den größeren Leistungssprung. Er wurde als bester Europäer Fünfter und holte zudem mit der 4x400-Meter-Staffel Bronze, Klopsch schied nach Verletzungsproblemen in der Vorbereitung im Halbfinale aus.

Probleme sind vergessen

Nun sind die TSVler pünktlich zur EM in Topform. Zender verbesserte sich zuletzt deutlich auf 46,23 Sekunden und überholte damit in der Bestenliste noch den Briten Chris Clarke, gegen den er noch im Juni in Mannheim eine klare Niederlage einstecken musste. "Ich bin vor Ulm in den 400-Meter-Rennen zu langsam angelaufen.

Ich konnte einfach nicht schneller", sagt Zender, der auch eine Erklärung für die Leistungsexplosion bei den "Deutschen" hat: "Wir haben etwas am Training geändert", gibt er mit einem Dank an Heim- und Bundestrainer

Volker Weber

zu Protokoll. Weber verweist bei Zenders suboptimalen Läufen über die Stadionrunde bis Saisonmitte auf die "schlechte Wintervorbereitung", in der der 18-Jährige durch Krankheit, Verletzung und Knieprobleme zurückgeworfen worden war.

Mit seiner Leistung von Ulm hat sich Zender auch für den Staffelpool bei der Heim-WM der Aktiven in Berlin Mitte August empfohlen. "Nach der DLV-Gala in Wattenscheid wird sich entscheiden, ob ich noch in den fünf oder sechs Mann starken Pool aufgenommen werde", sagt er.

Nun steht jedoch Novi Sad im Vordergrund, wo Zender bereits heute eingreift. "Die zweite Runde ist noch am selben Tag. Da muss ich sehen, wie ich damit klarkomme. Ziel ist natürlich der Endlauf am Freitag. Dort wird sich dann zeigen, wer die meisten Reserven hat." In Ostrava und Bydgoszcz hat Zender bewiesen, dass er viele Läufe innerhalb kürzester Zeit wegstecken kann; er steigerte sich jeweils von Runde zu Runde.

Über 4x400 Meter bei den Jungs sind Zender und Co. im engen Favoritenkreis. Zenders Heimtrainer

Volker Weber

hat die Langsprinter in seiner Funktion als Bundestrainer bereits heißgemacht (siehe Interview) und strebt eine Medaille an. "Wir haben speziell die kritischen Staffelwechsel trainiert, da geht es ja teilweise tumultartig zu. Im Trainingslager haben uns dazu einmal sogar die Eisschnellläufer gedient, die etwas im Weg standen", sagt Weber. Der Vorlauf steigt am Samstag, der Endlauf ist für Sonntag angesetzt.

"Es geht noch einiges"

Auch Christiane Klopsch war zuletzt in sehr guter Form, bei den Deutschen Meisterschaften der Junioren in Göttingen konnte die ebenso 18 Jahre alte Butzbacherin ihre Bestleistung auf unter 58 Sekunden über die 400 Meter Hürden drücken. Sie steht damit auf Rang vier der europäischen Bestenliste, hinter zwei Deutschen und einer nicht in der Meldeliste zu findenden 17 Jahre alten Russin. "Mein Ziel ist das Finale. Eine Medaille wäre ein absoluter Traum", sagt die Schülerin, die in diesem Sommer besonders mit ihrem Oberschenkel zu kämpfen hatte. "Ich musste aber in Göttingen trotz Problemen starten. Denn ich wusste, dass ich sonst meinen EM-Startplatz gefährde", sagt sie.

Der Lauf sei verkorkst gewesen - dennoch stand mit 57,87 Sekunden ein neuer Hausrekord zu Buche. Dies führt sie zu der Schlussfolgerung, dass "noch einiges drin ist". Sie weiß aber auch, dass die Konkurrenz auch noch zulegen kann. Ihren Rhythmus halten und nochmal Bestzeit laufen gibt Klopsch als Zielsetzung aus, der Platz sei dann sekundär. Auch Trainerin Sieglinde Weber sieht noch Potential. "Wenn sie keine kleinen Schritte macht, kann sie um 57,5 Sekunden laufen. Sie hat das Stehvermögen dazu", sagt Weber.

Auch für Klopsch sind drei Runden angesetzt, am Freitag, Samstag und Sonntag. Am letzten Tag wird auch das Finale über 4x400 Meter stattfinden. Ob die Fauerbacherin dort in der Staffel dabei sein wird, steht noch nicht fest.

Das sagt Bundestrainer

Volker Weber

Seit 1. Oktober 2008 ist der Fauerbacher

Volker Weber

Bundestrainer im Deutschen Leichtathletik-Verband (DLV). Mit unserem WZ-Sportredaktionsmitglied Michael Wiener sprach Weber vor der U20-EM über seine Zwischenbilanz, die Heimtrainer und die Ziele bei den kontinentalen Titelkämpfen.

Volker Weber

, Sie sind seit rund zehn Monaten Bundestrainer im DLV für die U20-Männer über 400 Meter. Wie fällt Ihre Zwischenbilanz aus?

Volker Weber

: Die Arbeit macht in jedem Fall Spaß. Man bekommt einen Überblick, wie ein großer Verband wie der DLV funktioniert und wie es finanziell läuft. Außerdem macht das unseren Verein TSV Fried- berg-Fauerbach auch bekannter bei der Verbandsspitze und anderen Vereinen. Wie verläuft die Arbeit mit den Athleten und deren Heimtrainern?

Weber: Die deutsche Spitze zu trainieren ist sicherlich eine schöne Herausforderung, auch wenn nicht jeder Heimtrainer einfach ist. Bei den vier Kaderlehrgängen und der Vorbereitung auf die U20-EM habe ich viele Menschen kennengelernt und versucht, mich stetig in der Planung der Lehrgänge zu verbessern. Nun steht ab Donnerstag die U20-EM in Novi Sad an. Wie haben Sie Ihre Jungs auf diese Meisterschaften vorbereitet?

Weber: Wir waren fünf Tage im Bundesleistungszentrum in Kienbaum gewesen, haben dort gut trainiert und insbesondere alle Eventualitäten bei einem Staffelwechsel für die 4x400 Meter geübt. Ich habe außerdem versucht, die Athleten einzuschwören und heißzumachen, schließlich sind wir Mitfavorit. Sie sprechen es an - Sie könnten am Ende sogar mit zwei Goldmedaillen nach Hause kommen - Einzel und Staffel...

Weber: In den vergangenen Jahren bei den internationalen U18- oder U20-Meisterschaften waren die Briten immer einen Tick stärker. Wir können sie schlagen, müssen aber auch Polen und Ungarn auf der Rechnung haben. Wie sehen Sie die Ausgangsposition ihres Schützlings Niklas Zender - er geht als Jahresschnellster ins Rennen?

Weber: Der Wettkampf geht über drei Runden, Vor- und Zwischenlauf sind an einem Tag. Ziel ist natürlich das Finale. Dann wird sich zeigen, wer noch die meisten Körner hat. Eine Medaille sollte aber schon drin sein. (mw/Foto: Helmke)

Klopsch, Zender und Weber im Profil

Christiane Klopsch Geboren: 21. August 1990. Wohnort: Butzbach-Maibach. Schule: Weidiggymnasium in Butzbach. Disziplin: 400 Meter Hürden. Bestleistung 2009: 57,87 Sekunden (Göttingen/28. Juni).

Niklas Zender Geboren: 28. August 1990. Wohnort: Wehrheim-Pfaffenwiesbach. Schule: Burggymnasium in Friedberg. Disziplin: 400 Meter. Bestleistung 2009: 46,23 Sekunden (Ulm/5. Juli).

Volker Weber

Geboren: 30. März 1952. Wohnort: Friedberg-Fauerbach. Funktionen im Verein: u.a. Übungsleiter und Sportwart. Bundestrainer seit: 1. Oktober 2008. Erfolgreiche Athleten: u.a. Zender, Nils Müller (U20-Europameister über 4x100 Meter 2005). (mw)

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