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Für die Landesliga-Handballer der TG Friedberg gab es in der Hinrunde wenig Grund zum Jubeln. Das soll sich nun mit dem neuen Trainergespann ändern.

Trainer-Duo Rosenschon/Mangels

So wollen die neuen Friedberger Trainer den Handball-Landesligisten vor dem Abstieg retten

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Steffen Rosenschon und Jörn Mangels trainieren seit Mitte Dezember den Handball-Landesligisten TG Friedberg. Im Interview verrät das Duo, wie sie mit dem Team den Klassenerhalt schaffen wollen.

Seit Mitte Dezember habe sie das Sagen auf der Bank des Friedberger Handball-Landesligisten: Steffen Rosenschon und Jörn Mangels - zwei echte Friedberger. Zeugen des TG-Auftritts beim eigenen "Silvesterturnier" erkannten schnell, das die favorisierte interne Lösung mit den beiden Ex-Spielern offensichtlich passt. Mannschaft und Trainer treten als echte Einheit auf und die beiden "Neuen" auf der Bank finden mit ihren Ansagen Akzeptanz. Wir haben am Rande der Traditionsveranstaltung zur Vorbereitung auf die am Wochenende startende Rückrunde mit den beiden Übungsleitern ein Doppel-Interview geführt.

Herr Rosenschon, Herr Mangels, Sie sind seit ein paar Wochen Trainer der Landesliga-Mannschaft, dem Flagschiff Ihres Vereins. Wie fühlt sich das an?

Steffen Rosenschon im Portrait

Für den 38-jährigen Steffen Rosenschon ist die TG Friedberg "eine Herzensangelegenheit" – seit 1988 ist er ununterbrochen Mitglied im Verein, zwischen 1999 und 2018 hat er bei den Aktiven gespielt, erst als Mannschaftskäpitan der ersten Mannschaft als Spielgestalter auf Rückraum Mitte, in den letzten beiden Spielzeiten als Spielertrainer mit Jörn Mangels bei der zweiten Mannschaft. Sowohl mit der "Ersten" als auch mit der "Zweiten" schaffte der Vater eines vierjährigen Sohns jeweils einen Aufstieg – in die Landesliga und in die Bezirksliga B – mit anschließendem Klassenerhalt.

Steffen Rosenschon:Es ist eine große Ehre, dass wir in diese Verpflichtung genommen wurden und dass man uns das zutraut. Aber klar war auch, dass wir auf eine solche Anfrage, nicht sofort Ja oder Nein sagen konnten. Für uns hängt da eine Menge dran, wir haben beide Nachwuchs, dazu kommt der Beruf und andere Hobbys. Die neue Verpflichtung bedeutet für uns zweimal die Woche Training zu haben, dazu wegen der Spiele unterwegs zu sein. Die Vorbereitung darauf nimmt ebenfalls Zeit in Anspruch. All das haben wir uns gut überlegt. Uns fehlte am Ende noch der letzte Schubs, den wir dadurch bekommen haben, dass wir festgestellt haben: Die Jungs wollen. Die Spiele in Wiesbaden und gegen Langgöns haben gezeigt, die Mannschaft ist harmonisch, sie braucht aber von außen noch einmal jemanden, der das Zwischenmenschliche mit einbringt.

Jörn Mangels:Ich sehe das ganz ähnlich. Das erste Gespräch kam sogar über die Spieler selbst zustande. Der Spielerrat um Marco Zinnel hat uns angerufen, uns darüber informiert, dass Tomek (Tomasz Jezeweski, Anm. d. Red.) Geschichte ist und gefragt, ob wir uns das vorstellen können. Dann haben wir abgewogen, was dafür und dagegen spricht - Job und Familie, weswegen ich zum Beispiel bei der zweiten Mannschaft aufgehört habe. Letztlich haben wir dann gesagt: Im Team können wir uns das vorstellen.

Neue Trainer sprechen in solchen Situationen immer von Stellschrauben, die zu drehen sind. Welche sind das für Sie?

Rosenschon:Noch war keine Zeit vorhanden, große Stellschrauben zu drehen. Wir hatten bis jetzt gerade mal eine Woche vor dem Idstein-Spiel und jetzt etwas Training vor dem Turnier. Vor Idstein haben wir bewusst nichts verändert. Was man heute beim Turnier schon sehen konnte ist, dass wir eine andere Abwehrformation bevorzugen. Wir haben von 5:1 auf 6:0 umgestellt. Die Jungs sind schnell genug, auch aus einer defensiveren Variante in den Angriff zu kommen. In der 6:0-Formation kommt das Kollektiv besser zum Tragen, man kann sich untereinander besser aushelfen. Auch für die Torhüter ist das besser, sie haben es lieber die Torschüsse klar zu sehen, anstatt dass sich ein Gegner durchwurschtelt oder noch eine Abwehrhand den Weg des Balles verändert. Es ist letztlich auch alles eine Sache des Kopfes. Daher sehe ich das Kollektiv als meine Stellschraube. Die Mannschaft ist der Star und nicht der Einzelne.

Jörn Mangels im Portrait

Bei der Familie von Jörn Mangels spielt der Handball rund um die TG Friedberg eine entscheidende Rolle. Der 39-jährige Vater zweier Töchter ist der TG verbunden, seit er neun Jahre alt ist. Mit der ersten Mannschaft stieg er – gemeinsam mit seinem jetzigen Trainerkollegen Steffen Rosenschon – in die Landesliga auf und schaffte den Klassenerhalt, eher er die Handballschuhe an den Nagel hängte. Seine Frau ist ebenfalls als Spielerin und auch als Schiedsrichterin aktiv. War er zu Beginn seiner Laufbahn noch Rückraumspieler, entwickelte er sich vor allem in den letzten Jahren zu einem Abwehrspezialisten.

Mangels:Die 6:0-Deckung passt besser zur Mannschaft, das ist definitiv eine Stellschraube. Neue Spieler können wir uns nicht backen. Wir hatten das Pech, dass uns Elvin Petrosanec berufsbedingt verlassen hat. Wir sehen zudem zwei, drei Jungs, die in den letzten Wochen ihr Tief hatten. Dort versuchen wir anzusetzen, dass diese wieder zu ihrem Selbstbewusstsein kommen, ihre Chancen erkennen und dann auch in die Tiefe gehen. Wenn wir aus einer sicheren Abwehr kommen, vorne wieder unseren Spielfluss haben und unsere erspielten Chancen reinmachen, dann haben wir auch die Chance, den letzten Platz zu verlassen.

Welche Erkenntnisse haben Sie aus dem "Silvesterturnier" gewonnen?

Rosenschon:Man hat gesehen, dass die Mannschaft eine 6:0-Abwehr kann, ohne dass wir sie groß darauf eingestellt haben. Es gibt zudem einige Positionen, die wir jetzt anders, variabler, besetzt haben. Leider ist mit Henning Kiel der einzige Linkshänder im Team ausgefallen. So etwas merkt man dann schon, wenn auf einmal auf einer Seite einer komplett wegbricht. Da müssen wir dann halt schauen, wie wir das entstandene Loch füllen. Ansonsten hat man gesehen, dass die Grundstimmung gut ist. Ich finde, wir haben uns gut verkauft. Dass wir am Finaltag überhaupt zwei Spiele machen durften, ist die Belohnung für die Leistung einen Tag zuvor. Es geht darum, dass alle sehen, dass wir es können und eine Chance haben - auch gegen einen gestandenen Oberligisten wie Wettenberg.

Die Abwehr war gegen Wettenberg zu Beginn richtig bissig, zum Schluss hin wurden dann einige Fehler zu viel gemacht.

Mangels:Wettenberg war die bessere Mannschaft. Wir wissen aber, dass wir eine Chance haben. Das müssen wir verstehen und an den Fehlern arbeiten. Wir sind eben eine junge Mannschaft alleine vier auf Schlüsselpositionen haben wir junge Leute, die zudem noch mit der A-Jugend in der Oberliga gefordert sind. Aber das ist der Weg, den wir hier gehen wollen, auch wenn wir vielleicht zunächst noch einmal einen Umweg über die Bezirksoberliga machen müssen. Aber selbst ein Abstieg würde uns nicht das Genick brechen.

Dennoch die Frage: Wie wird Friedberg den Klassenerhalt doch noch schaffen?

Rosenschon:Wir glauben daran, weil wir davon ausgehen, den Hebel umlegen zu können. Wir hoffen, dass die Spieler das, was sie im Training leisten, endlich auch mal am Wochenende auf’s Spielfeld bringen können. Im Training sind sie extrem fleißig und wissbegierig. Sie setzen das um, was wir wollen. Wenn das gelingt, bekommen wir die Punkte, die wir brauchen.

Mangels:Ich glaube zu 100 Prozent daran, sonst hätte ich den Job hier nicht angetreten. Ja, es wird schwer, die Jungs auf das notwendige Leistungsniveau zu bringen, derzeit sind wir vielleicht bei 80 Prozent, aber ich bin mir sicher, dass wir Punkte holen werden. 

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