Mit dem neuen Cheftrainer Johannes Wohlrab befindet sich der TV Hüttenberg im Aufwind. FOTO: THÜRMER
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Mit dem neuen Cheftrainer Johannes Wohlrab befindet sich der TV Hüttenberg im Aufwind. FOTO: THÜRMER

Wohlrab tut Hüttenberg gut

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(jsa). Der TV 05/07 Hüttenberg geht sportlich gesehen mit einem guten Gefühl in die WM-Pause der 2. Handball-Bundesliga. Auf der anderen Seite schwingt vor allem die Sorge um die beiden tschechischen WM-Fahrer Dieudonne Mubenzem und Vit Reichl mit. Nach dem 10. Spieltag sorgte die Sportliche Leitung um Florian Laudt und Andreas Scholz für einen Trainerwechsel. Eine Zwischenbilanz.

Die Voraussetzungen:Inmitten einer Saison mit vielen ungewissen Parametern steckt unter den 39 Erst- und Zweit-ligisten auch der TV Hüttenberg. Eine Saison, in der sich die Vereinsverantwortlichen um Geschäftsführer Fabian Friedrich entschieden, die Mannschaft zu verjüngen und eine gesunde Mischung aus Alt und Jung zu schaffen. Nach den Abgängen von Führungsspielern war lange offen, wer vor allem im Rückraum eine Führungsrolle einnehmen sollte. Der im Sommer verpflichtete Stefan Kneer fiel nach einer OP bis Ende des Jahres aus, sodass der Tscheche Mubenzem mit 25 Jahren der Älteste im Rückraum war. Noch schwieriger wurde die Aufgabe im Deckungsverbund. Die in der TVH-DNA befindliche 3-2-1-Deckung ist für Neulinge oder in einer uneingespielten Kombination nicht mal eben schnell verinnerlicht.

Die sportliche Entwicklung:Gleich zu Beginn der Saison musste die junge Mannschaft gegen Aufsteiger Wilhelmshaven eine 29:32-Heimniederlage einstecken. Dieser folgte eine weitere, empfindliche Niederlage in Rimpar. Allen voran technische Fehler und die Einladung zu einfachen Toren zeigten auf, dass Ian Weber und Co. noch Eingewöhnungs- und Entwicklungszeit benötigen. Dennoch zeigte Hüttenberg gegen die hochgehandelten Bietigheimer und Gummersbacher äußerst ansprechende Leistungen. Beim 20:22 bzw. 29:30 fehlten Kleinigkeiten zum ersten Punktgewinn. "Das waren sehr ärgerliche Ergebnisse für uns. So etwas gehört aber auch zu der Entwicklung einer Mannschaft und daraus mussten wir unsere Lehren ziehen", sagt der damalige Co-Trainer und jetzige Chefcoach Johannes Wohlrab.

In der Trainingswoche zum folgenden Spiel gegen den HC Elbflorenz Dresden schien Wohlrab mit dem damaligen Cheftrainer Frederick Griesbach die richtigen Ansätze gefunden zu haben. Gegen die Sachsen gelang der erste Pluspunkt mit einem 33:33. In Thüringen beim ThSV Eisenach waren dann auch die Mittelhessen erstmals von der Pandemie betroffen. Torhüter Nikolai Weber und Trainer Frederick Griesbach begaben sich als Vorsichtsmaßnahme in Quarantäne. Seit etlichen Jahren sieglos unterhalb der Wartburg, gelang dies den Hüttenbergern ausgerechnet am 31. Oktober mit einem 24:20-Auswärtssieg. Drei Niederlagen in Folge sorgten dann dafür, dass Griesbach seinen Posten als Cheftrainer räumen musste. Mit 3:15 Punkten sahen die Verantwortlichen die Entwicklung und das Saisonziel gefährdet.

Auf Griesbach folgte zuerst als Interimstrainer Wohlrab, der damit von seinem Ursprungsposten eine Stufe hochrutschte. Aus zwei wichtigen Partien gegen Aue und Konstanz holten die Blau-Weißen zwei Punkte. Grund genug für die Vereinsführung, Johannes Wohlrab zum neuen Cheftrainer zu ernennen - und dies sollte sich als goldrichtig herausstellen. Beim Altmeister TV Großwallstadt und zu Hause gegen Aufstiegskandidat Hamm sammelte das Team mit Siegen nicht nur Punkte, sondern auch Selbstvertrauen. Da bremste auch die abgesagte Partie beim VfL Lübeck-Schwartau am 2. Weihnachtsfeiertag den Flug auf Wolke sieben nicht. Nach dem 34:30-Sieg gegen Aufsteiger TuS Fürstenfeldbruck steht der TVH nun auf dem zwölften Tabellenplatz.

Das Personal:Zuletzt alles überstrahlt hat das überragende Comeback von Routinier Stefan Kneer. Doch die so oft beschwörten Hüttenberger Tugenden aus mannschaftlicher Geschlossenheit, Kampf und Leidenschaft wurden insbesondere in den Dezemberspielen zur Grundlage der Erfolge. Die zu Saisonbeginn geäußerte Hoffnung auf eine offensive Leistungsexplosion auf Halblinks von Johannes Klein hat sich noch nicht vollständig erfüllt.

Die Zukunft:Die Zukunft ist vor allem ungewiss. Die staatlichen Hilfen hat der TVH bislang vollumfänglich erhalten. Auf die Nachfrage, ob der Verein eine komplette Saison ohne Zuschauer überstehen würde, will Geschäftsführer Friedrich aufgrund der ungewissen Lage keine Prognose wagen. Sportlich wird die Entwicklung weiter im Vordergrund stehen. "Wir müssen jetzt durchatmen und uns regenerieren, denn auf uns wartet ein Mammutprogramm ab Februar. Es werden auch Rückschläge kommen, aber die müssen wir dann gemeinschaftlich verarbeiten", sagt Wohlrab.

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