+
Ein schwarzer Tag für den Fußball - und laut Trainer Mario Ulrich auf für seine TSG Wölfersheim (links Andre Voss). Die Partie beim SV Schwalheim II (hier Felix Wichmann am Ball) hatte ein Nachspiel vor dem Kreissportgericht. Spieler beider Teams wurden gesperrt. Für die Rückrundenbegegnung am 24. November ist Verbandsaufsicht angeordnet.

Fußball

Wogen in Wölfersheim noch nicht geglättet

  • schließen

Die bisherige Wölfersheimer Saison steht im Zeichen des Vorfalls in Schwalheim. Es gab ein Nachspiel vor dem Sportgericht. An den Folgen knabbert die TSG bis heute. So sieht es Mario Ulrich.

Vor etwa fünf Monaten wechselte Mario Ulrich vom KSV Bingenheim zur TSG Wölfersheim und hatte Ziele. Oberste Priorität hatte, mit der Mannschaft unter die Top fünf in der Fußball-Kreisliga B Friedberg, Gruppe 1, zu kommen, also einen Traditionsverein dahin zu bringen, wo er hingehört. Denn Ulrich ist ein Mann, der anpackt, der die Herausforderung sucht - und schon Erfolge vorweisen kann. Nach seiner Spielerlaufbahn, in der er unter anderem bei Eintracht Lollar und dem MTV 1846 Gießen Station machte, ging es als Trainer im Frauenfußball sogar für kurze Zeit zu Eintracht Frankfurt. Nun sucht der 34-Jährige eine neue Aufgabe in der B-Liga. Bisher läuft es mit der TSG allerdings noch nicht. Platz 13 steht zu Buche. Hauptgrund für Ulrich: Das viel diskutierte Spiel beim SV Schwalheim II im August mit anschließender Sportgerichtsverhandlung. Im Interview erzählt Ulrich, was ihm am Umgang mit der TSG vor dem Sportgericht nicht gepasst hat, wieso die Mannschaft jetzt im Keller steht - und wie man da wieder rauskommt.

Mario Ulrich, warum sind Sie damals nach nur einem Jahr in Bingenheim zur TSG Wölfersheim gewechselt?

Mario Ulrich:Der Grund dafür war, dass in Bingenheim die Entwicklung nicht so gegeben war, wie ich sie mir vorgestellt habe. In Wölfersheim habe ich das einfach gesehen. Es kam dann der Anruf im passenden Moment, und in Wölfersheim gab es aus meiner Sicht erstmal deutlich mehr Möglichkeiten. Ich bin einfach ein Trainer, der es mag, etwas aufzubauen. Das ist für mich deutlich interessanter, als eine Kreisoberliga-Mannschaft von Platz neun auf sieben zu führen.

Wo hätten Sie denn die Mannschaft zum aktuellen Zeitpunkt gerne gesehen?

Ulrich:Definitiv weiter oben. Aber wir kennen die Gründe, warum wir da nicht stehen. Wir haben unsere Abgänge zumindest kompensiert, ich glaube meine Spielidee des Fußballs passt sehr gut zu Wölfersheim. Wir hatten eine gute Vorbereitung, die Jungs haben das gut umgesetzt. Die Trainingsbeteiligung war super. Wir haben natürlich Erwartungen gehabt. Blauäugig war ich aber von Anfang an nicht.

Wann haben Sie gemerkt, dass es sehr schwer wird, die Ziele zu erreichen?

Ulrich:Das kam tatsächlich mit einem Schlag und hängt für mich ganz eindeutig mit dem Schwalheim-Spiel zusammen. Was wir drauf haben, wenn der Kader gut besetzt ist, hat jeder gesehen. Aber ich habe selten erlebt, wie ein Spiel eine ganze Saison zerstören kann. Jeder kann sehen, dass alles, was wir nach dem Spiel geboten haben, nicht mehr ansatzweise mit dem davor vergleichbar ist. Wir hatten sieben Verletzte nach dem Spiel, haben obendrein noch Sperren bekommen, was ein absoluter Skandal ist. Das hat uns einfach so die Butter vom Brot genommen, dass wir danach auf so viele Leute verzichten mussten.

Wie ging es denn unmittelbar nach dem Spiel weiter?

Ulrich:Erstmal ganz normal. Wir wussten, dass es Berichte gibt, dass es zu einer Verhandlung kommt. Wir haben uns aber komplett auf der sicheren Seite gefühlt, denn wir waren klar das Opfer. Andrew Iyasere wurde 90 Minuten lang getreten, beleidigt, verprügelt. Deswegen sind wir davon ausgegangen, dass uns eigentlich nicht allzu viel passieren kann bei einer Verhandlung. Dass sich das dann so in eine andere Richtung bewegt, hätten wir alle nie erwartet. Andrew hat ja danach kein Spiel mehr gemacht, war lange verletzt und ist jetzt noch immer gesperrt. Es fehlen mir heute noch die Worte.

Also ist man danach richtig eingebrochen?

Ulrich:Ja, das müssen wir ganz klar zugeben. Viele Gegner waren einfach in allen Belangen besser. Wir hatten da einfach keine Chance. Gegen Ober-Mörlen, am Donnerstag nach der Partie in Schwalheim, hatten wir definitiv alle das Schwalheim-Spiel noch in den Knochen.

Wie ist denn die aktuelle Stimmung im Team?

Ulrich:Deutlich besser. Wir hatten mit den ersten Niederlagen danach ein Tief, haben uns aber irgendwie am Leben gehalten. Auch durch solche Spiele wie gegen Fauerbach, wo wir klar besser waren, am Ende aber verlieren. Gegen Steinfurth haben wir in den ersten Minuten drei Mal gegen die Latte geschossen. Wenn du das Glück auf deiner Seite hast, führst du mit 3:0 und gewinnst. Wir haben bislang nicht so schlecht gespielt, wie es die Tabelle aussagt. Das ist auch der Grund dafür, dass es jetzt irgendwie weitergeht.

Kann man in dieser Saison dennoch eine Wende schaffen?

Ulrich:Für mich ist es auf jeden Fall extrem reizvoll. Das ist genau so eine Aufgabe, die ich mag. Ich bin fest davon überzeugt, dass in Wölfersheim so viele feine Jungs sind, dass wir am Ende nicht da stehen werden, wo wir jetzt stehen. Allerdings kann man nicht genau sagen, wann der Negativtrend aufhört. Wir können immer noch nicht auf den vollen Kader zurückgreifen, ich glaube durch den Oktober wird sich das noch hinziehen. Aber wir werden definitiv wieder Punkte holen, wieder eine bessere Mannschaft auf dem Feld haben und am Ende woanders stehen.

Ein schwarzer Tag für den Fußball - und laut Trainer Mario Ulrich auf für seine TSG Wölfersheim (links Andre Voss). Die Partie beim SV Schwalheim II (hier Felix Wichmann am Ball) hatte ein Nachspiel vor dem Kreissportgericht. Spieler beider Teams wurden gesperrt. Für die Rückrundenbegegnung am 24. November ist Verbandsaufsicht angeordnet.(Foto: Nici Merz)

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare