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Wird die Regionalliga zweigeteilt ?

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Mit 22 Vereinen dürfte die kommende Saison in der Regionalliga Südwest auf normalem Wege kaum zu bewältigen sein. Ein anderer Modus könnte helfen. Auch der FC Gießen hat Stellung bezogen.

(op/ra). Die 22 Vereine der Fußball-Regionalliga Südwest haben in dieser Woche brisante Post erhalten. Die Geschäftsführung der Liga hat um Stellungnahme über den künftigen Spielmodus der Saison 2020/21 gebeten. Die zentrale Frage: Ist eine Mammutsaison mit 42 Spieltagen ab dem 1. September überhaupt denkbar? Oder sind alternative Modelle die sinnvollere Lösung, weil sie den Terminstress für Spieler und Vereine reduzieren könnten.

"Wir wollen uns ein Meinungsbild verschaffen", sagt Sascha Döther, Geschäftsführer der Regionalliga Südwest GbR. Die nach dem corona-bedingten Abbruch auf 22 Vereine aufgeblähte Spielklasse zu managen, wird für alle Beteiligten eine enorme Herausforderung, auch für Döther. "Wir wollen möglichst allen gerecht werden", erklärt er. Ein fast unmöglich zu realisierender Vorsatz.

Die Entscheidung über den Modus, die spätestens nächste Woche fallen soll, werden der Spielausschuss und die Gesellschafterversammlung der Regionalliga Südwest GbR fällen. Diskussionen gibt es schon jetzt reichlich. Eine schwierige Gemengelage sieht auch Döther. "Normal haben wir im vergleichbaren Zeitraum von September bis Mai 28 Punktspiele - jetzt wären es 42 - ohne DFB- und Landespokalspiele", betont Döther mit Blick auf die zu erwartende Terminhetze, die der Nichtabstieg in Folge des Saisonabbruchs (17 Teams), vier Aufsteiger und ein Absteiger aus der 3. Liga mit sich bringen. Zahlreiche englische Wochen, eine verkürzte Winterpause und Spiele bis Ende Juni wären die Folge.

Gerade für die Vereine, die nicht unter Profibedingungen arbeiten, eine enorme Belastung. Doch nicht nur für sie - auch der künftige Meister und Aufsteiger in die 3. Liga hätte ein Wahnsinnsprogramm vor sich. Sollte die vom Deutschen Fußball-Bund organisierte 3. Liga 2021 wieder wie gewohnt Ende Juli in die nächste Spielzeit starten, wäre der Urlaub für Spieler bei nur drei Wochen Vorbereitungszeit gestrichen.

Für mehr Entspannung könnte ein Modell sorgen, das auch in der ebenfalls vorzeitig abgebrochenen Regionalliga Nord diskutiert wird. In einer zweigeteilten Vorrunde sollen im Südwesten jeweils elf Teams in einer nach geografischen Gesichtspunkten sortierten Süd- und einer Nord-Gruppe antreten.

Kandidaten für die Nord-Gruppe wären dann Hessen Kassel, Eintracht Stadtallendorf, FC Gießen, TSV Steinbach Haiger, Kickers Offenbach, FSV Frankfurt, Bayern Alzenau, Mainz 05 II, TSV Schottt Mainz, RW Koblenz und Astoria Walldorf.

Nach Hin- und Rückrunde wird aufgeteilt in eine Meisterrunde (die besten fünf Teams aus Nord und Süd) und eine Abstiegsrunde (jeweils sechs Mannschaften). Dann spielen nur die Klubs gegeneinander, die in der Vorrunde nicht aufeinander getroffen waren. Die Punkte aus der Vorrunde sollten dabei übernommen werden. Insgesamt kämen die Klubs so auf maximal 30 Partien in der Saison 2020/21 - vier weniger als in der vergangenen Spielzeit geplant waren. Der Vorteil: Die Spannung könnte sowohl im Meister- als auch im Abstiegsrennen lange hoch gehalten werden. Dagegen droht bei einem Alleingang eines Klubs an der Spitze bei 42 Spieltagen recht schnell Langeweile.

Im Schreiben an die 22 künftigen Südwest-Vertreter werden weitere Modelle durchgespielt. Anleihen nahmen sich die Liga-Verantwortlichen dabei auch aus anderen Sportarten oder ausländischen Fußball-Ligen wie etwa Österreich, das seinen Meister ebenfalls nach einer Vorrunde in einer Meistergruppe ermittelt.

Für Sascha Döther gilt es, bis zum Wochenende zu ermitteln, ob die Mammut-Saison oder eben Alternativmodelle mehrheitsfähig sind. "Wir wollen die Gremien und die Vereine mitnehmen", erklärt er zum Vorgehen, das nicht überall auf Begeisterung stößt.

Beim heimischen FC Gießen hat man gegenüber den Regionalliga-Verantwortlichen deutlich Stellung bezogen. "Wir sind für eine zweigeteilte Regionalliga mit Nord- und Südgruppe", sagt Geschäftsführer Markus Haupt, "das sind 22 Spiele in der Haupt- und nochmals zehn oder zwölf Partien in der Meister- oder Abstiegsrunde. Das erscheint uns realistischer." Bei 42 Spieltagen von Anfang September bis Ende Mai müsse man bis 17. Dezember spielen und am 1. Februar wieder anfangen, darüber hinaus gäbe es acht englische Wochen zu bewältigen. "Das ist für uns schlichtweg nicht machbar", klärt Haupt auf, "wir haben schließlich weder Flutlicht noch Rasenheizung."

"Wir haben uns klar positioniert, dass wir eine normale Runde spielen wollen", erklärt Thomas Sobotzik: "Von daher können wir nicht ganz nachvollziehen, dass es nun andere Gedankenspiele geben soll." Der Geschäftsführer der Offenbacher Kickers erhofft sich durch die Mehrzahl an Partien eine Kompensation für die entgangenen Einnahmen von sieben Heimspielen in der jetzt abgebrochenen Corona-Spielzeit. Mit dem Stadion am Bieberer Berg hat der ruhmreiche OFC allerdings auch beste strukturelle Voraussetzungen.

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