Maik Vetter
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Kickers-Profi Maik Vetter: "Der OFC wird niemals untergehen"

  • vonred Redaktion
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Als dienstältester Spieler hat der Rosbacher Maik Vetter bei Kickers Offenbach schon einiges erlebt. Die aktuelle Situation lässt aber auch den Kapitän keineswegs kalt

Der 28-jährige Allrounder, der seit sechs Jahren beim Fußball-Regionalligisten unter Vertrag steht, spricht im Interview über Entschleunigung, Kurzarbeit sowie Positives in schwierigen Zeiten.

Herr Vetter, als Fußballer sind Sie es gewohnt, draußen und unter Leuten zu sein. Das ist aktuell nur eingeschränkt möglich. Wie erleben Sie die Krise?

Ein bisschen sind die Einschränkungen bereits zur Normalität geworden. Als junger Vater ist es schön, viel Zeit zu haben. Dadurch, dass wir wieder in kleinen Gruppen trainieren dürfen, ist etwas Alltag zurückgekehrt. Dennoch bleibt einiges ungewohnt. Das Wetter ist aber ja zum Glück gut. Das macht es einfacher. Und das Leben hat sich insgesamt etwas entschleunigt, was auch sehr angenehm ist.

Hat sich Ihre Tochter Lorena bereits daran gewöhnt, ihren Papa neuerdings so oft zu sehen?

Ich hatte das Glück, dass sie am letzten Spieltag der vergangenen Saison zur Welt kam. Danach war ja erst mal Sommerpause, sodass wir da schon eine sehr intensive Zeit miteinander hatten. Das ist jetzt wieder der Fall. Sie wird bald elf Monate alt und macht erste Gehversuche. Ich bin teilweise mit ihr stundenlang draußen, kann meiner Frau damit einiges abnehmen. Und mittags schläft sie, dann habe ich auch Zeit für mich.

Wie wichtig ist es, dass Sie nun auch wieder trainieren dürfen?

Sehr wichtig. Weil alle Sportplätze gesperrt waren, konnten wir ja quasi nur laufen, zumeist auf Beton. Für alle, die zuletzt Verletzungen hatten, war das nicht gut. Das ging auf die Gelenke. Das erste Mal wieder mit ein paar Kollegen auf dem Platz zu stehen, hat sehr viel Spaß gemacht, auch wenn man improvisieren musste. Aber das Trainerteam hat das sehr gut gemacht, sich einiges einfallen und immer in Wettbewerbsform üben lassen. Das hat mir schon gefehlt. Ich bin froh und dankbar, auch wenn ich danach völlig kaputt war. Es ist ein riesengroßer Unterschied, ob man alleine oder im Team und fußballspezifisch trainiert.

Man hört immer wieder, dass neben dem Fußball vor allem die Kabinengespräche fehlen. Sehen Sie das genauso?

Auf jeden Fall. Es gehört in jeder Mannschaftssportart dazu, mal einen anderen hochzunehmen oder ein bisschen zu flachsen. Wir haben natürlich auch unsere WhatsApp-Gruppen, die können das jedoch nur bedingt ersetzen. Natürlich wird auch mal telefoniert oder man verabredet sich zum Videochat.

Trainiert wird wieder. Es ist jedoch völlig offen, ob beziehungsweise wann und unter welchen Voraussetzungen weitergespielt werden kann. Wie frustrierend ist das?

Die ungeklärte Frage, wie es weitergeht, trübt auf jeden Fall etwas die Stimmung. Es gibt aber ganz andere Schicksale - Leute, die es wesentlich härter trifft. Das Coronavirus ist kein Spaß, es kann schwere gesundheitliche Folgen haben oder sogar Menschenleben kosten. Viele Leute müssen eventuell ihre berufliche Existenz aufgeben. Wer gesund ist und nicht vor dem finanziellen Ruin steht, darf sich eigentlich nicht beklagen.

Machen Sie sich Sorgen?

Natürlich, man sorgt sich um alles mögliche. Das ist ja eine Situation, die man so nicht kannte. Man fragt sich auch, wie werthaltig sein Gehalt oder Beruf noch ist. Irgendwann muss man ja mal anfangen, wieder etwas zur Normalität zurückzukehren. Ich hoffe daher für alle, dass das alles schnell aufhört.

Der OFC hat Kurzarbeit beantragt, leistet jedoch zur Abschwächung des Nettoausfalls einen Aufstockungsbetrag. Geschäftsführer Thomas Sobotzik sprach von einer sozialverträglichen Lösung. Stimmen Sie dem zu?

Durch die Aufstockung wird vieles abgefedert, ansonsten geht es uns wie vielen anderen Arbeitnehmern. Die Gehälter bei uns sind weit entfernt vom Erst- oder Zweitliga-Niveau. Wir hatten mit gewissen Einnahmen gerechnet, uns fehlen auch Prämien. Es gibt aber andere Branchen, die es viel härter trifft, oder Selbstständige, die ums finanzielle Überleben kämpfen. Für uns ist es hart, wir werden aber nicht jammern, auch wenn wir hoffen, dass wir alles so schnell wie möglich überstehen.

Die Fans der Kickers haben inzwischen mehr als 4500 Geisterspieltickets gekauft. Hätten Sie das für möglich gehalten?

Das ist beeindruckend, aber für mich persönlich keine Überraschung. Ich habe hier während der Insolvenz schon eine Riesenwelle an Spenden erlebt. Das ist für die Region und die Spieler ein Zeichen, wie dieser Verein gelebt wird. Die Geisterticket-Aktion zeigt jedoch: Der OFC wird niemals untergehen. Christian Düncher

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