OFC-Präsident Joachim Wagner weiß, dass es in dieser Saison 2020/21 um mehr geht als nur den Tabellenplatz. FOTO: HARTENFELSER
+
OFC-Präsident Joachim Wagner weiß, dass es in dieser Saison 2020/21 um mehr geht als nur den Tabellenplatz. FOTO: HARTENFELSER

"Wir wollen keine Sonderstellung"

  • vonRedaktion
    schließen

100 Zuschauer durften beim Saisonauftakt von Fußball-Regionalligist Kickers Offenbach live im Stadion dabei sein. OFC-Präsident Joachim Wagner erklärt im Interview, wie es künftig in Sachen Zuschauer weitergehen könnte, wie die Kommunikation mit der Stadt läuft und was er dem Team in dieser Saison zutraut.

Mit einem 0:0 ist der Fußball-Regionalligist Kickers Offenbach am Samstag gegen den Bahlinger SC in die Saison gestartet. 100 Zuschauer durften am Bieberer Berg den saisonstart live im Stadion mitverfolgen. OFC-Präsident Joachim Wagner saß auch auf der Tribüne. Vor dem Spiel hat unsere Redaktion mit ihm über Geisterspiele und die sportliche Ausgangslage gesprochen.

Geisterspiele in der Regionalliga - wie lange kann sich das der OFC leisten?

Es ist klar, dass uns Geisterspiele bei unserem Zuschauerschnitt und im Vergleich zu unseren Konkurrenten finanziell besonders hart treffen. Aber eines ist mir besonders wichtig: Wir sind uns dessen bewusst, dass uns die Stadt sehr wohlgesonnen ist. Oberbürgermeister Felix Schwenke sowie seine Magistratskollegen Sabine Groß und Peter Freier haben alle ein OFC-Herz. In der Kommunikation hat es etwas gestottert, das sollte man jedoch nicht überbewerten. Ich bin mir sicher, dass wir gemeinsam eine Lösung finden werden.

Dennoch erscheint es unwahrscheinlich, dass der Wunsch des OFC, Heimspiele mit 5000 Zuschauern zu absolvieren, zeitnah in Erfüllung geht. Im Etat waren ursprünglich sogar noch mehr eingeplant.

Klar ist, dass wir in der Regionalliga Südwest das hochwertigste Stadion haben. Das hat den Nachteil, dass auch die Kosten am höchsten sind. Ein Spiel mit 1000 oder 2000 Zuschauern ist für uns ein Geschäft, bei dem wir drauflegen. Das ist ein Problem. Daher müssen wir die Perspektive haben, eine gewisse Anzahl an Zuschauern genehmigt zu bekommen, natürlich immer unter der Prämisse, dass deren Gesundheit nicht gefährdet wird. Wir wollen keine Sonderstellung. Das weiß man bei der Stadt. Die Gespräche sind auf einem guten Weg.

Das Stadion gehört einer städtischen Gesellschaft, der OFC zahlt Miete für die gesamte Saison. Sind da coronabedingte Anpassungen denkbar?

Als Mieter können wir das Stadion ja grundsätzlich nutzen. Ich habe auch vom Vorschlag eines Fans gehört, die Heimspiele stattdessen am Wiener Ring auszutragen. Aber das ist ja aus mehreren Gründen gar nicht möglich. Dort gibt es zum Beispiel keine Werbebanden. Unsere Partner hätten dann Regressansprüche.

Die Inzidenzzahlen in Offenbach sinken wieder, wann rechnen Sie mit Fans am Bieberer Berg?

E s wird bei den Zuschauern auf ein Stufenmodell hinauslaufen. Gegen Hoffenheim II können wir aller Voraussicht nach mit der Zahl x beginnen und das dann sukzessive steigern. Das wird aber von der Inzidenz abhängen. Sie muss vor dem Spiel sieben Tage in Folge unter der jeweiligen Schwelle liegen. Liegt sie nur an einem Tag drüber, müssen wir die Zuschauerzahl wieder reduzieren. Wir hatten halt das Pech, dass Offenbach ein Hotspot war. Wir stehen aber auch in der Verantwortung, mit der Stadt ein Konzept zu entwickeln, das einerseits niemanden gefährdet, aber uns gleichzeitig ermöglicht, einen Teil unserer Fans ins Stadion zu lassen. Ich bin zuversichtlich, dass das klappt.

Zum Sportlichen, das ja in diesen Zeiten gerne mal untergeht: Der OFC hat sich personell wieder einmal neu aufgestellt. Welchen Eindruck haben Sie vom runderneuerten Team gewonnen?

Das ist schwierig. Grundsätzlich ist der Eindruck unheimlich gut, zumal ich nahe dran war und gesehen habe, wie der Kader zusammengestellt wurde. Das war unheimlich viel Kollektivarbeit. Wir haben im sportlichen Bereich ja ein gutes Team, das über jede Personalie intensiv diskutiert hat. Wie jedes Jahr ist die Vorbereitung aber Schall und Rauch. Es ist entscheidend, was jetzt auf dem Platz passiert. Klar ist, dass das die anspruchsvollste Saison sein wird. Da braucht man gute Nerven und einen breiten Kader.

Was ist drin für diese Mannschaft?

Es gibt sicherlich eingespieltere Mannschaften, die favorisierter sind. Ich denke, wir können aber gut damit leben, dass nicht alle auf uns schauen. Wenn es gut läuft, ist alles möglich. Wir hatten nun jedoch in Abu Bakarr Kargbo und Florent Bojaj zwei Ausfälle auf der gleichen Position. Das darf nicht so weitergehen. Alles muss passen, man braucht auch Spielglück. Die Resultate der bisherigen Partien haben gezeigt, dass jedes Spiel extrem schwer ist.

Was erwarten Sie sich als Präsident und Sponsor des OFC von dieser Saison?

Es gilt weiterhin, was ich der Mannschaft beim Trainingsstart gesagt hatte: Ich will, dass sie alles reinhaut, was sie hat, und bei Rückschlägen eine klare Reaktion zeigt. Da muss man den persönlichen Einsatz noch mal erhöhen. Viel mehr kann man aktuell erst mal nicht erwarten.

Bei Ihrem Amtsantritt sprachen Sie von einem Drei-Jahres-Plan, innerhalb dessen der Aufstieg angestrebt wird. Ist das angesichts der Pandemie-Entwicklungen überhaupt noch darstellbar?

Ja, klar. Der Plan steht noch. Wir sind im zweiten Jahr und halten daran fest. Herausforderungen sind aber immer da. Die Einigung mit unserem zweiten strategischen Partner, dem Bündnis Kickers, haben wir zu 90 Prozent umgesetzt. Da sind nur noch Kleinigkeiten zu klären. Bis zum 31. Dezember wird das abgeschlossen sein.

Sie sind Präsident und Sponsor des Klubs, den ein potenter Sponsorenkreis unterstützt. Wie groß ist die Bereitschaft angesichts der Folgen der Pandemie, die gemachten Zusagen einzuhalten?

Zum Glück haben wir sehr treue und loyale Partner. Viele haben ihre Verträge teilweise langfristig verlängert. Das ist ein gutes Zeichen. Wir liegen trotzdem hinter dem Volumen des Vorjahres, weil es auch Unternehmen gibt, die Probleme haben. Dafür habe ich Verständnis, auch wenn das für uns bitter ist. Ich hoffe, dass sie schnell wieder auf die Beine kommen. Für uns muss das Ansporn sein, neue Wege zu gehen. Wir müssen uns ein Stück weit neu erfinden. Und das tun wir auch schon - zum Beispiel, indem wir eine LED-Werbebande gekauft haben, Zudem werden das OFC-Fanradio und Kickers TV nicht mehr vom langjährigen Partner akissko, sondern nun direkt vom OFC betrieben. Die Kosten und der Nutzen sind komplett bei uns. Wir erhoffen uns dadurch auch zusätzliche Marketing-Erlöse.

Ein Blick in die Glaskugel: Am 12. Juni 2021 soll mit dem 42. Spieltag eine außergewöhnliche Saison enden. Wo wird der OFC dann stehen?

Ich wünsche mir, dass die Saison sportlich und fair zu Ende gespielt wird. Ein weiterer Wunsch ist der Aufstieg. Aber Erfolg hat weniger mit Wünschen als mit Erarbeiten zu tun.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare