1. Wetterauer Zeitung
  2. Sport
  3. Lokalsport

Winnie Schäfer in Bad Nauheim

Erstellt: Aktualisiert:

Kommentare

(dpa/lhe) Die Wandlung zum Weltenbummler hat Winfried Schäfer selbst am meisten überrascht. »Es macht mir Spaß, das hätte ich nie gedacht. Ich komme aus Mayen, da sind alle bodenständig«, sagt der Fußball-Trainer. Der in der Vulkan-Eifel geborene 58-Jährige galt immer als Kind der Bundesliga.

Seit seinem Debüt bei Borussia Mönchengladbach 1968 prägte er 32 Jahre lang die Liga als Spieler und Trainer. Doch dann stellte er fest, dass ihm auch die Arbeit im Ausland gefällt. Nach drei Jahren als Kameruns Nationalcoach bekleidet Schäfer nun zum zweiten Mal einen Trainerposten in den Vereinigten Arabischen Emiraten (VAE).

Derzeit hat »Winnie« Schäfer mit seinem neuen Club Al Ain aus Abu Dhabi ein Trainingslager in Bad Nauheim bezogen. Es war kühl und regnerisch, als seine Schützlinge vom Persischen Golf erstmals den Rasen des Waldstadions betraten. Die Spieler seien froh, dass sie nicht bei 45 Grad in der Sonne laufen müssten, zerstreut Schäfer jedoch Bedenken über den Klimaschock. »Aber man muss den Jungs sagen, dass sie hinterher ihre nassen Strümpfe ausziehen, wenn es kalt wird. Das ist nicht ungefährlich.« Mit in Schäfers Trainerstab sind zwei weitere Deutsche, Stefan Brasas (Torhüter) und Norbert Hauenstein (Fitness). »Nicht nur in der Taktik sind wir beim Training auf dem neuesten Stand«, betont Schäfer. Amerikanisches Fitness-Training gebe es bei Al Ain schon seit Jahren. Insgesamt sei der Fußball in den Emiraten besser geworden. Bei Neuzugängen aus dem Ausland setze man nicht mehr auf Alt-Stars, sondern auf Qualität. »So wie Basler und Effenberg damals in Qatar in der Sonne lagen, da hättest du heute keine Chance mehr.«

Abendliche Trainingseinheiten wegen der großen Hitze am Tag oder späte Weckzeiten am Morgen wegen nächtlicher Gebetsstunden stören ihn nicht. »Wir müssen uns denen anpassen«, weiß Schäfer. Er verstehe auch deutsche Kollegen nicht, die sich im Ausland über schlechte Trainingsplätze beschwerten. »Wenn ich in Afrika bin, dann bin ich nun mal in Afrika.« Jede Region habe ihre Besonderheiten und darauf müsse man sich einstellen. Als Profi absolvierte Schäfer 403 Bundesliga-Partien für Gladbach, Offenbach und Karlsruhe. Als Coach übernahm er die Badener 1986 in der 2. Liga und führte sie in der besten Phase des Vereins Mitte der 90er Jahre in den UEFA-Cup. Zudem brachte er viele Talente wie die späteren Nationalspieler Jens Nowotny, Mehmet Scholl und Oliver Kahn heraus. Titel holte er aber erst später. Mit Kamerun wurde er 2002 Afrikameister. In den VAE gewann er 2006 mit Al-Ahli Dubai, einem der ärgsten Rivalen seines heutigen Clubs, den Meistertitel. In Abu Dhabi wohnt Schäfer nun in einem Villen-Viertel nahe dem Stadion. Seine Familie ist im Badischen geblieben, kommt ihn in der Saison besuchen. Am 19. September beginnt in den Emiraten die neue Spielzeit. Der Druck ist groß. Gerade hat Al Ain den teuersten Transfer in der VAE- Geschichte getätigt. 17 Millionen Euro investierte der neunmalige Meister, damit das chilenische Mittelfeld-Ass Jorge Valdivia (24) kommt. Neben dem nationalen Championat soll Schäfer möglichst auch die Asien-Meisterschaft gewinnen. Beim Trainingslager im Hotel Dolce Bad Nauheim unterzeichnet der chilenische Fußballnationalspieler Jorge Louis »El Mago« einen Vierjahresvertrag mit Al Ain (Abu Dhabi). Für seinen früheren Club Palmeiras Sao Paulo (Brasilien) und ihn fließen insgesamt 17 Millionen Euro. Zukünftig wird er in Abu Dhabi eine neue Herausforderung suchen. Valdivia, in Venezuela geboren, besitzt einen chilenischen Pass und war als Nationalspieler bisher 19 Mal für Chile auf dem Platz. Der Spielmacher im Mittelfeld nahm für Palmeiras Sao Paulo auch 2007 am Copa America teil. »Mit dem Neuzugang wachsen die Chancen des 1968 gegründeten Al Ain Clubs an große Siege wie etwa dem Gewinn der AFC Champions League 2003 anzuknüpfen«, betonte H. E. Ali Bin Harmal Al Dhahiri, Aufsichtsratsvorsitzender von Al Ain bei Vertragsunterzeichnung und der anschließenden Trikotübergabe im Spiegelsaal des Hotels Dolce.

Gleichzeitig wolle der aufstrebende Club seine Position in der Al-Daurie al-Emiratie, der höchsten Fußballliga der Vereinigten Arabischen Emirate ausbauen, und sich gegen die Konkurrenten von Al-Ahly Dubai und Sharjah durchsetzen.

Auch interessant

Kommentare