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Die SKG Albanischer Verein Wetterau geht mit folgender Mannschaft in ihre erste Saison in der Kreisliga C Friedberg: (hinten, v. l.) Altin Hamiti (Erster Vorsitzender ), Trainer Avdush Aliju, Dibran Tafaj, Albion Visoka, Besart Gashi, Artan Terstena, Osman Tafaj, Jeton Visoka, Fatlind Muja, Valon Saljihu, Dalip Abdullahu (Sportausschussvorsitzender), Ekrem Ibrahimi (Sportausschuss), Enis Loga (Zweiter Vorsitzender), (Mitte, v. l.) Hamza Ukshini, Arbnor Halilaj, Ferat Gashi, Hajriz Jashari, Alban Ibrahimi, Lumni Reshani, Andi Avdiu, Qendrim Ferizi, Gjezair Terstena und (vorn) Ylli Dautaj. Es fehlen: Granit Citaku, Egzon Veliqi, Bastri Selmani, Berat Gashi, Senad Xhekoviq, Visar Ukshini, Bejtush Haziri, Kornelijus Strazdas, Sead Cerimi, Clirim Dauti, Syle Jashari.

Fußball

So will sich der jüngste Fußballverein der Wetterau präsentieren

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Es begann mit zehn Menschen. Inzwischen hat die Sport- und Kulturgemeinschaft Albanischer Verein Wetterau 175 Mitglieder, inklusive 33 Fußballer. Diese starten nun in der C-Liga.

Der Sportplatz in Ossenheim ist die neue Heimat der Fußballer der SKG Albanischer Verein Wetterau Friedberg. Der im August vergangenen Jahres gegründete Sport- und Kulturverein hat nach nicht einmal einem Jahr bereits 175 Mitglieder und für die kommende Saison eine Herrenmannschaft in der Kreisliga C Friedberg, Gruppe 2, gemeldet.

33 Spieler stehen dem Team zur Verfügung, bis auf einen haben alle einen albanischen Hintergrund. Ihre Familien kommen aus dem heutigen Nord-Mazedonien, aus Albanien, aber vor allem aus dem Kosovo. Viele flohen als Kinder Anfang der 1990er Jahre aufgrund der Jugoslawienkriege nach Deutschland - so wie Altin Hamiti, der Vorsitzende, und Hamza Ukshini vom Sportausschuss. Ihre Väter wurden verfolgt, in Deutschland fanden sie Schutz, wuchsen auf und gründeten selbst eine Familie. Via Mund-zu-Mund-Propaganda fand nun das Team zusammen. "Alle Spieler haben sich die Zeit genommen, sich unsere Strukturen anzuschauen und zu überprüfen, dass bei uns alles seriös ist", sagt Hamiti. "Unsere Taten sprechen bislang also für uns."

Im Verein ist der Sportausschuss, zu dem die Fußballer gehören, einer von dreien. Es gibt je einen weiteren für Frauen sowie für Bildung, Kultur und Jugend. Denn im Verein soll es nicht nur um Fußball gehen, sondern auch um die Aktivierung der Community. Die Spieler kommen größtenteils aus dem Wetteraukreis, aber auch aus Frankfurt oder Usingen. Viele haben Erfahrung aus anderen Fußballvereinen, haben teilweise höherklassig gespielt, waren zuletzt aber kürzergetreten oder hatten ganz aufgehört, ehe sie nun durch die Vereinsgründung reaktiviert wurden. "Wir aus dem Vorstand haben anfangs noch gedacht, dass wir selbst spielen müssen, aber inzwischen hat sich das erledigt", sagt Hamiti. Bereits seit der Gründung hatten sich die Vereinsmitglieder zum Sonntagskick in der Soccerhalle Butzbach und später in der Friedberger Adolf-Reichwein-Schule getroffen, ehe sie von der Stadt den Platz in Ossenheim zugewiesen bekamen. Trainiert wird die Mannschaft von Avdush Aliju, der zuletzt beim FSV Dorheim als Jugendtrainer aktiv war. "Er ist eines unserer Gründungsmitglieder, hat in Dorheim gute Arbeit geleistet und ist dort geschätzt. Nun wollte er sich aber im Seniorenbereich weiterentwickeln", erklärt Hamiti die Personalie.

Die ersten beiden Spiele hat die neuformierte Mannschaft bereits absolviert. Zur Premiere gab es einen 5:1-Sieg über den Gießener A-Liga-Absteiger FC Besa Gießen - samt Einlaufkinder und der albanischen Hymne auf der Trompete. "Das war sehr emotional für uns alle, viele hatten Tränen in den Augen", berichtet Ukshini. Ein zweites Testspiel samt 100 mitgereister Fans beim SV Ober-Mörlen ging mit 0:2 verloren. An diesem Wochenende folgt die Teilnahme am Friedberger Stadtpokal, ehe die Saison mit Kreispokal und Liga so richtig startet. "Die Qualität und das Potenzial sind da, dennoch machen wir uns aus sportlicher Sicht keinen Druck. Uns ist es wichtig, dass wir uns als Verein gut präsentieren, um etwaige negative Meinungen von vorneherein zu zerstreuen. Für uns wäre es ein Erfolg, wenn am Ende der Saison alle Vereine ein positives Bild von uns haben", sagt Hamiti. "Wir wollen das negative Bild über Albaner aus den Medien zerstreuen, und zeigen, dass wir voll integriert sind, gemeinnützig, hilfsbereit und offen, aber auch, dass wir kulturell etwas zu bieten haben, was wir zeigen und bewahren möchten."

Der erste Schritt dafür ist längst gemacht. In Eigenarbeit ist der Rasen auf dem Ossenheimer Sportplatz ausgebessert, ein Bewässerungskanal verlegt und die Randsteine zum Schutz vor Maulwürfen freigelegt worden. Die Zusammenarbeit mit der Stadt klappe reibungslos, ebenso mit dem SV Ossenheim. Der Klub aus dem Friedberger Stadtteil hat seine Mannschaft zwar vom Spielbetrieb abgemeldet, doch die Vereine helfen sich gegenseitig - etwa bei Auf- und Abbau bei Festen oder durch das Teilen des Sportheims. Auch Türk Gücü Friedberg hat seine Unterstützung durch die Nutzungserlaubnis der in Ossenheim noch stehenden Vereinshütte für den Verkauf zugesagt. "Wir haben viel Engagement aus dem Verein heraus. Uns ist es aber nicht nur wichtig, etwas für uns zu tun, sondern auch für Vereine wie dem SV Ossenheim, dem wir auf diese Weise für den freundlichen Empfang danken wollen", sagt Hamiti. "Bei uns hilft jeder mit. Das soll in Zukunft auch so sein."

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