In seiner isländischen Heimat ein Überflieger: Jon Axel Gudmundsson (am Ball). Der Guard hofft, sich in seiner Zeit bei den Fraport Skyliners Frankfurt für höhere Aufgaben empfehlen zu können - und eines Tages in der nordamerikanischen Profliga NBA zu spielen. FOTO: IMAGO
+
In seiner isländischen Heimat ein Überflieger: Jon Axel Gudmundsson (am Ball). Der Guard hofft, sich in seiner Zeit bei den Fraport Skyliners Frankfurt für höhere Aufgaben empfehlen zu können - und eines Tages in der nordamerikanischen Profliga NBA zu spielen. FOTO: IMAGO

Der Wikinger

  • vonred Redaktion
    schließen

(tim). Jon Axel Gudmundsson wollte schon immer ein harter Typ sein. Ein echter Wikinger eben, wie es sich für einen Isländer gehört. "Wir haben das in unserer Kindheit gelehrt bekommen und tragen diese Wikinger-Mentalität in uns", erzählt der Basketballprofi der Fraport Skyliners Frankfurt. Island sei aufgrund der lediglich 330 000 Einwohner immer der Underdog - egal ob im Fußball oder Basketball. Deshalb lautet sein Motto: Nie aufgeben, immer das Beste geben, selbst wenn es schlecht läuft. "So wie wir das gegen Alba Berlin gemacht haben", sagt der 24-Jährige.

Im Schlussviertel hatten die Hessen am Sonntag einen sagenhaften 25:0-Lauf beim Deutschen Meister hingelegt. Am Ende hieß es zwar 66:79 im ersten Saisonspiel aus Sicht der Skyliners. Aber die Gewissheit, selbst gegen ein starkes Team wie Berlin mitzuhalten, gibt Selbstvertrauen für das erste Heimspiel in der Ballsporthalle am Sonntag (15 Uhr) gegen den FC Bayern München, dem Klub mit dem höchsten Budget in der Basketball-Bundesliga (BBL). "Wir dürfen nicht darüber nachdenken, wer unser Gegner ist", betont Gudmundsson.

Der 1,95-Meter-Mann geht dabei voran. In vier Pflichtspielen kam der Isländer im Schnitt auf 17,5 Punkte, 4,8 Rebounds und fünf Assists und überzeugt mit einer Dreierquote von 48 Prozent. "Wir können froh sein, dass wir ihn bekommen haben", sagt Cheftrainer Sebastian Gleim über den vielseitigsten Guard, den die Skyliners seit langer Zeit verpflichtet haben. Gleim hatte sich intensiv um die Dienste des Mannes bemüht, der einige Angebote aus der BBL vorliegen hatte, und zuletzt am Davidson-College im US-Bundesstaat North Carolina vier Jahre aktiv war - dem College von NBA-Superstar Stephen Curry von den Golden State Warriors. Auf Instagram gibt es ein Bild von Gudmundsson, wo Curry ihn bei einem College-Spiel umarmt. "Da hatte er mir gesagt, dass ich das Team gut führe und immer nach den Werten des TCC spielen soll", erinnert sich Gudmundsson. TCC steht für Trust, Care, Commitment - Vertrauen, Sorge, Hingabe. Die drei Lettern hat er sich auf die Innenseite seines linken Handgelenks tätowiert. Auf der rechten das isländische Wort Fjölskylda, Familie.

Jon Axel Gudmundsson kommt aus einer echten Basketballfamilie. Seine Mutter Stefania Jonsdottir lief für die Nationalauswahl Islands auf, Vater Gudmundur Bragason ist Rekordnationalspieler seines Landes und spielte drei Jahre in Deutschland in der zweiten Liga für Hamburg und Weißenfels. Gudmundsson wurde in der Hansestadt geboren, ging dort in den Kindergarten, ehe er mit drei Jahren nach Grindavik zog - ein 3400 Einwohner zählender Ort, vier Kilometer von der Blauen Lagune, der berühmten Thermalquelle, entfernt.

Wie die meisten Kinder in Island begann Gudmundsson schon früh, Fußball zu spielen, Basketball kam erst mit sieben Jahren dazu. "Ich war ziemlich gut in beiden Sportarten und war auch zu Lehrgängen der Fußball-Jugendnationalmannschaft eingeladen", erzählt der 1,95-Meter-Mann. Er spielte als Innenverteidiger, wollte bei Eckbällen aber immer nach vorne rennen, um Tore zu erzielen. Letztlich entschied er sich im Alter von 16 Jahren für Werfen statt Schießen, weil er im Basketball gleichzeitig defensiv und offensiv spielen konnte.

Mit 14 Jahren trainierte er schon bei den Erwachsenen mit und gab ein Jahr später sein Profidebüt bei seinem Heimatklub in Grindavik. "Mit 16 war ich schon der beste Spieler der Liga", sagt Gudmundsson. Mit 20 wechselte er aufs College. In Frankfurt will er sich nun ins Schaufenster stellen und sich für ein Euroleague-Team oder die NBA empfehlen - seinen großen Traum. Bislang gab es nur einen einzigen Isländer in der NBA: Petur Gudmundsson. Jon Axel Gudmundsson will über den "Umweg Frankfurt" der Zweite werden.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare