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Der SV Fun-Ball Dortelweil steht als Meister der 2. Bundesliga Süd und Aufsteiger in die Bundesliga fest (v. l.): Kai Schäfer, Peter Lang, Iris Wang, Emil Lauritzen, Irina Amalie Andersen, Mads Thogersen, Emilie Juul Möller und Mads Muurholm.

SV Fun-Ball Dortelweil

SV Fun-Ball Dortelweil: Wieder in der Beletage

  • Christoph Sommerfeld
    VonChristoph Sommerfeld
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Jetzt ist es vollbracht. Auch wenn der Rundenbetrieb im Badminton zu Ende ist, erhalten die Spieler des SV Fun-Ball Dortelweil das ersehnte Ticket für die Bundesliga. Im bunten Kader steckt jede Menge Qualität.

Der SV Fun-Ball Dortelweil hat es geschafft. Die Mannschaft um Einzel-Ass Kai Schäfer kehrt nach zweijähriger Abstinenz in die Badminton-Bundesliga zurück. Nicht mit einer Riesen-Sause nach dem sportlichen Triumph, sondern auf Antrag nach dem offiziellen Abbruch des Rundenspielbetriebs in den beiden höchsten deutschen Klassen.

Und vor allem hochverdient. Alle fünf bereits absolvierten Begegnungen im elf Teams umfassenden Feld der 2. Bundesliga Süd konnten die Bad Vilbeler Vorstädter deutlich gewinnen. Viermal hieß es am Ende 7:0, nur einmal überließen die Fun-Baller dem Gegner ein Match. Das war beim 6:1-Erfolg gegen den Meisterschaftskonkurrenten 1. BC Saarbrücken-Bischmisheim II im Oktober.

In einer Videokonferenz hatten zunächst Vorstand und Spielausschuss des Ligaverbandes gemeinsam mit den Vereinen der 1. und 2. Bundesliga entschieden, dass der Rundenspielbetrieb in diesen Klassen beendet wird. Absteiger werde es dabei nicht geben. Ein Aufstieg aus der 2. Liga wurde aber ermöglicht. Für gewöhnlich spielt der Bundesliga-Vorletzte mit den beiden Staffelsiegern des Unterhauses die zwei zu besetzenden Plätze in der Beletage aus. Mangels Absteiger entschied man sich, einen zusätzlichen Club für die Bundesliga zuzulassen.

An der Spitze der Zweitliga-Nordstaffel stehen jedoch mit dem TSV Trittau II und dem TV Refrath II zwei Mannschaften, deren »Erste« jeweils in der Bundesliga ihre sportliche Heimat hat. Ein Aufstieg kam für diese Clubs somit nicht infrage. »Dortelweil hat alle Spiele deutlich gewonnen und zudem auch die Zulassung für die Bundesliga beantragt. Diesem Antrag wurde stattgegeben«, erklärte Arno Schley, Präsident des Ligaverbands, auf Nachfrage. Klaus Rotter, Stellvertretender Fun-Ball-Vorsitzender, sagte: »Ich hätte es gerne gesehen, wenn die Saison zu Ende gespielt worden wäre. Wir hätten kein einziges Spiel verloren. Auch den stärksten Gegner konnten wir schon besiegen. Insofern halte ich diese Entscheidung für gut.« Ein möglicher anderer Nordstaffel-Meister, der tatsächlich aufstiegsberechtigt und auch gewillt gewesen wäre, von dieser Option Gebrauch zu machen, hätte vermutlich mit Dortelweil um den elften Platz in der Bundesliga spielen müssen. »Dann hätte man noch eine Relegation oder ein Entscheidungsspiel austragen müssen«, gab Rotter zu verstehen.

Für eine Rückkehr in den Wettkampf wäre der SV Fun-Ball in jedem Fall bereit gewesen. Seit Mitte Januar befinden sich die heimischen Badminton-Spieler der Bundesliga-Mannschaft wieder im Trainingsmodus. Das Hessische Ministerium des Innern und für Sport lässt den Trainingsbetrieb standardmäßig für die Ligen 1 bis 3 einer jeden olympischen Sportart zu. Allerdings muss auch die Kommune mitspielen. »Wir hatten mit der Stadt Bad Vilbel die Vereinbarung getroffen, dass wir ab einem Inzidenzwert von unter 100 wieder mit der Mannschaft in die Halle können, natürlich unter Einhaltung des Hygienekonzepts«, teilte Rotter mit.

Schäfer-Rückkehr, Dänen-Achter und heimische Kräfte

Die bundesweite Gemenge-lage dürfte wohl kaum eine andere Entscheidung als den Saisonabbruch zugelassen haben. »Vor allem in nördlichen Bundesländern war der Begriff des Profisportlers sehr eng gefasst. Da verlangten die Ministerien den individuellen Nachweis darüber, dass ein Spieler seinen Lebensunterhalt in der Badminton-Bundesliga verdient«, erklärte Arno Schley. »Das ist allerdings kaum nachzuweisen, da die Spieler - ähnlich wie im Tennis - oft auch bei nationalen sowie internationalen Turnieren und sonstigen Wettbewerben aktiv sind und damit einen Einnahmen-Mix erzielen.«

Noch dazu entscheidet der private oder öffentliche Hallenbetreiber selbst über die Öffnung seiner Sportstätten. Clubs, die dagegen über vereinseigene Hallen verfügen, brauchten nicht auf grünes Licht von der Kommune zu warten.

Vor diesem Hintergrund entschieden sich Vereine und Ligavorstand für den Abbruch. Ausgespielt wird lediglich der Deutsche Mannschaftsmeister. Das Final Four ist für den 19./20. Juni geplant - dann in der berühmten »Blase«.

Mit dem Wiederaufstieg geht für die Dortelweiler nun ein Traum in Erfüllung. Ein Traum, für den sie viel investiert haben. Vor der Saison landeten die Fun-Baller schon einen Transfer-Coup. Als mit dem gebürtigen Darmstädter Kai Schäfer Deutschlands Nummer 1 im Herren-Einzel an seine alte Wirkungsstätte zurückkehrte, nahm das Unternehmen Aufstieg langsam Formen an. Dazu sorgten acht dänische Top-Nachwuchsakteure, die zu den Spielen jeweils aus ihrer Heimat anreisten, für extrem hohe Qualität im Kader. Durch die bewährten heimischen Kräfte um Peter Lang und Thomas Legleitner wurde dieser komplettiert.

Wie Klaus Rotter zu verstehen gab, stricken die Dortelweiler derzeit hinter den Kulissen am Kader für die kommende Runde. Alle Beteiligten, nicht nur im Bad Vilbeler Stadtteil, hoffen auf Spiele unter einigermaßen normalen Bedingungen. Und zum Kanonenfutter in der obersten Klasse will man natürlich auch nicht gehören.

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