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Matti Tiilikainen

"Wie ein unvollendeter Job"

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(mka). Das Eis am Ratsweg ist abgetaut, der Betrieb eingestellt, die meisten Spieler auf dem Heimweg - auch der Headcoach der Frankfurter Löwen. Matti Tiilikainen stieg am Mittwoch ins Flugzeug nach Finnland, zurück ins Land des Weltmeisters, wo der 32-Jährige zur nächsten Saison seinen Heimatverein und finnischen Meister Hämeenlinnan Pallokerho übernimmt. Es ist ein vorzeitiger Abschied, nachdem die DEL 2 vorige Woche kurz vor den Playoffs die Saison wegen der Auswirkungen des Coronavirus beendete.

Matti Tiilikainen, vor ein paar Tagen saßen Sie noch an den letzten Vorbereitungen für die Playoffs, jetzt im Flugzeug nach Hause. Wie fühlt sich das an?

Natürlich ist das seltsam. Niemand hat gewollt, dass es so zu Ende geht. Es fühlt sich an wie ein unvollendeter Job. Die ersten Tage hat man sich vielleicht auch noch gefragt: Warum? Musste das wirklich sein? Aber jetzt, wenn man sieht, was in der Welt passiert, war es die einzig richtige Entscheidung.

Die Löwen waren gegen Ende auf dem besten Weg. Glauben Sie, dass Sie Meister geworden wären?

Natürlich glaube ich das, auch wenn ich nicht versprechen kann, dass wir den Titel gewonnen hätten. Die Mannschaft war aber bereit, darum zu kämpfen. Wir hatten ein gutes Selbstvertrauen, gerade weil wir in dieser Saison schon harte Zeiten bewältigen mussten. Ich glaube aber auch, dass diese Erfahrung uns allen - Spielern, Trainern, Funktionären - für die Zukunft helfen kann, Eishockey richtig einzuordnen. Es ist ein Privileg, ein Teil davon zu sein. Aber jetzt ist das nicht wichtig, sondern etwas anders: Dass du und alle um dich herum gesund bleiben. Und vielleicht ist ja dann, wenn wieder gespielt werden wird, der Hunger auf Eishockey noch größer.

Als Sie in Frankfurt angefangen haben, haben Sie von der Arbeit an einem großen Bild gesprochen. Wie weit sind Sie damit gekommen?

Es war, glaube ich, eine gute Zeit mit vielen Verbesserungen für das Team. Für mich ist ziemlich klar, dass wir am Ende das Eishockey gespielt haben und das Team hatten, das wir wollten, als wir hierher kamen. Der Maßstab ist immer, wie man sich in schlechten Zeiten verhält. Die größte Frage war dabei: Unterstützen wir uns alle gegenseitig? Da hat das Team den richtigen Weg gewählt und zusammengehalten.

Mal abgesehen vom jähen Ende: War die zweite Saison schwerer als die erste?

Wenn man auf die Ergebnisse sieht, dann lange ja. Und wenn die Fans unter schlechten Resultaten leiden, dann tun das die Trainer noch zehnmal mehr. Aber in anderer Hinsicht war das erste Jahr härter. Ich bin aus dem Nachwuchs in den Profibereich gewechselt, von Finnland nach Deutschland umgezogen, habe die Coaching-Sprache von Finnisch auf Englisch gewechselt. Dieses Jahr waren es nicht so viele Veränderungen, aber die Ergebnisse waren erst einmal nicht so gut. Allerdings waren 90 Prozent der Trainingseinheiten richtig gut. Wir waren in dem ganzen Prozess überzeugt: Diese Arbeit wird uns am Ende die Ergebnisse bringen - und so kam es dann ja auch.

Gibt es etwas, was Sie gerne besser gemacht hätten?

Ja klar. Warum sind wir nicht Meister geworden, haben wir uns letztes Jahr zum Beispiel oft gefragt. Warum wir im dritten Spiel der Finalserie bei einer 4:0-Führung nicht die Kontrolle behalten haben. Mit etwas Abstand sage ich: Wir haben gar nicht so viel falsch gemacht. Solche Dinge passieren im Sport einfach, man muss das akzeptieren. Sonst kommt man nicht weiter. Ich hätte es geliebt, jetzt die Playoffs zu sehen. Wie wir uns in diesen Punkten weiterentwickelt haben. Ob wir den Titel hätten gewinnen können. Man kann immer etwas besser machen. Aber in diesem Fall nicht mehr viel.

Sie erfüllen sich einen Traum und kehren als Headcoach nach Hämeenlinna zurück. Welchen Anteil hat Ihre Arbeit in Frankfurt daran?

Wenn ich in Hämeenlinnan im Nachwuchs geblieben wäre, hätte ich diese Chance nie bekommen. In Finnland wurde genau geschaut, wie hier gearbeitet wird. Deshalb bin ich den Löwen - den Spielern, dem Staf, der Organisation - sehr dankbar.

Wie sehen Sie nach zwei Jahren die Löwen, die Liga und das deutsche Eishockey allgemein?

Die DEL 2 hat einen großen Schritt gemacht. Es war so eng in der Tabelle, das sieht man nicht in vielen anderen Ligen. Kein Spiel war einfach zu gewinnen. Die Löwen sind eine Top-Organisation. Ich hoffe, dass sie sportlich für den Aufstieg jetzt noch mehr bereit sind als vor zwei Jahren. Für mich war es sehr interessant, das deutsche Eishockey kennenzulernen, die Profis, die Nachwuchsspieler. Auch die Zeit als Assistenztrainer der Nationalmannschaft war großartig für mich. Ich hoffe, sie machen den nächsten Schritt. Da müssen sich aber Verband, Vereine und alle Beteiligten fragen, was nötig ist, um das deutsche Eishockey besser zu machen: Brauchen wir zehn Kanadier im Club? Oder vielleicht doch eher junge deutsche Spieler? FOTO: STORCH

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