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Der FSV Dorheim führt die Tabelle der Fußball-Kreisliga B Friedberg, Gruppe 1 an. Ob die Mannschaft aufsteigen kann, ist allerdings fraglich.

Fußball

Wie Tabellenführer und Abstiegskandidaten über ein Annullierungs-Szenario denken

  • VonThomas Brannekämper
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  • Michael Nickolaus
    Michael Nickolaus
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Kleine Spielklassen im Fußballkreis Friedberg geben einen zeitlichen Puffer. Der HFV sucht aber eine einheitliche Lösung. Eine Annullierung der Saison droht. Das trifft vor allem die Tabellenführer.

Die Saison 2020/21 annullieren oder die Vorrunden bis zum 30. Juni beenden? Der Hessische Fußball-Verband will diese Frage am 27. März beantworten; basierend auf den Beschlüssen des nächstens »Corona-Gipfels« mit Bundeskanzlerin Angela Merkel und den Ministerpräsidenten der Länder am kommenden Montag sowie dem Meinungsbild seiner Vereine an der Basis.

Thorsten Bastian, Fußballwart im Kreis Friedberg, hat die Klubs in diesen Tagen bereits zu dieser Fragestellung kontaktiert und wird im Nachgang der Regierungs-Entscheidungen noch einmal an die Vereine herantreten. Bis zum 25. März sollen die Stimmungen auf Kreisebene gebündelt werden und in eine landesweit einheitliche Entscheidung in den Bereichen Senioren, Junioren und Frauen einfließen.

Die Crux: Die landesweit unterschiedlichen Voraussetzungen. Im Fußballkreis Friedberg würden kleine Spielklassen mit noch wenigen ausstehenden Vorrunden-Spieltagen einen gewissen zeitlichen Puffer ermöglichen, in der Gruppenliga Frankfurt Ost wiederum haben einige Vereine nicht einmal die Hälfte ihrer Vorrundenspiele absolviert.

Die Interessenslagen der Vereine variieren naturgemäß je nach Tabellenpositionen. Wir haben bei Spitzenreitern von der Gruppen- bis zur B-Liga sowie einem abstiegsbedrohten Klub nachgefragt.

Hans Wrage (Sportlicher Leiter beim Gruppenligisten SC Dortelweil): »Wir wünschen uns im Sinne einer sportlichen Lösung, dass die Vorrunde zu Ende gespielt wird. Aber ich glaube nicht so recht daran. In der Vorsaison hatten wir eine sehr gute Chance auf die Teilnahme an der Relegation, jetzt werden wir vielleicht erneut durch Beschlüsse ausgebremst. Das tut mir natürlich auch für die Mannschaft leid. Eine sportlich-faire Lösung wird es sicher nicht geben; jede Entscheidung wird Gewinner und Verlierer mit sich bringen und zu Beschwerden führen. Vielleicht sollte man einen freiwilligen Abstieg und dann einen entsprechenden möglichen Aufstieg der Tabellenführer in die Überlegungen einbeziehen. Ich denke, dass nicht jeder in seiner Liga glücklich ist, und mancherorts ist auch sicher nicht gut für die Entwicklung des Klubs, wenn man noch ein weiteres Jahr in der Liga gehalten wird. Dann könnte man mit den Tabellenführern sprechen, ob diese aufrücken wollen.«

Torben Müller (Spielausschussmitglied beim Gruppenligisten SV Steinfurth): »Wir haben mit unserer ersten Mannschaft in der Gruppenliga noch neun Spiele zu absolvieren. Selbst wenn es nach einer gewissen Vorbereitungszeit und möglichen Freundschaftsspielen wieder losgehen sollte, ist die Beendigung der Hinrunde eine große Unbekannte. Wie entwickeln sich die Inzidenzen in den anderen Kreisen? Können wir alle terminierten Spiele wirklich spielen? Schon die Monate September und Oktober hatten hier einige Überraschungen in Form von Spielabsagen parat. Vor diesem Hintergrund werden wir für eine Annullierung der Runde plädieren. Ein sportlich faires Bewerten dieser Saison ist in unseren Augen nicht möglich. Sollte aber die Mehrheit sich gegen eine Beendigung der Runde entscheiden und somit für eine Fortführung plädieren, werden wir dies sportlich fair akzeptieren.«

Walter Nebel (Pressesprecher beim Kreisoberligisten SV Nieder-Wöllstadt): »Bis vor wenigen Tagen waren wir noch optimistisch, dass die Meisterschaftsrunde in der Kreisoberliga beendet werden kann. Wir haben beispielsweise nur noch drei Spiele bis Ende der Hinrunde zu bestreiten, der SV Bruchenbrücken noch deren sechs. Dies wäre vom Zeitplan alles machbar. Wir werden auch für eine Fortsetzung der Runde plädieren. Doch es nutzt ja nichts, wenn die nächsten Ligen, wie die Gruppenliga, ihre Runden nicht beenden können. Somit ist es in meinen Augen wahrscheinlicher, dass die Runde abgesagt wird und alles nach der Sommerpause wieder bei Null anfängt; alles wie gehabt. Die rechtlichen Grundlagen sind hierfür geschaffen worden. Es bleibt dann noch die Frage, wie die Pokalrunde beendet wird. Und ob dann das eine oder andere Freundschaftsspiel ausgetragen werden kann. «

Siggi Freienstein (Trainer beim A-Ligisten FSV Kloppenheim): »Wir bevorzugen die sportliche Lösung, wir würden gerne die Hinrunde fertig spielen. Dies ist für uns bei noch drei ausstehenden Spielen bis Mitte, Ende Juni zu bewältigen. Ich denke, hier ist das Risiko, auch ohne Zuschauer den Spielbetrieb wieder aufzunehmen, überschaubar. Natürlich spielt hier ein gewisses Eigeninteresse eine Überlegung. Gerne würden wir nach Beendigung der Hinrunde und der sportlichen Qualifikation über die Quotientenregel den Sprung in die Kreisoberliga vollziehen. Wir werden aber jede Entscheidung, egal wie diese aussehen mag, mittragen. Im schlimmsten Fall müssen wir uns halt in der nächsten Saison auf ein Neues beweisen. Wünschenswert wäre es, wenn der Fortsetzung der Meisterschaftsrunde eine größere Priorität als der Pokalrunde eingeräumt wird. «

Andreas Fuhrmann (Spielausschussvorsitzender beim B-Ligisten FSV Dorheim): »Wir sind uns alle einig, dass die Hinrunde beendet werden soll. Wir haben noch zwei Spiele, gegen die SG Melbach und das Spitzenspiel gegen den Türkischen SV Bad Nauheim II, zu absolvieren. Somit wäre in unseren Augen sportlich eine Antwort, welche Mannschaft in die A-Liga aufsteigt, gefunden. Wir hoffen, dass die Tendenz gegen eine Annullierung spricht und eine einheitliche Entscheidung gefunden wird. Sollte diese dann doch Abbruch heißen, wäre das zwar sehr ärgerlich für uns, doch würden wir dies ohne Klagen akzeptieren. Wir würden dann einen neuen Anlauf unternehmen, um uns sportlich für höhere Aufgaben zu qualifizieren. Auch wenn dies in einer neuen Saison mit neuen Unbekannten verbunden ist. Bezüglich der noch zu beendenden Pokalrunde hegen wir keine großen Ambitionen, hier unbedingt weiter spielen zu müssen, eine Rundenfortsetzung genießt bei uns einen weitaus höheren Stellenwert.«

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