HSG Wetzlar gehört zum Establishment

  • Ralf Waldschmidt
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(ra). Die HSG Wetzlar begeht den Jahreswechsel mit einem guten Gefühl. Der 36:29-Erfolg bei Tusem Essen hat belegt, dass sich die Bundesliga-Handballer mittlerweile auch am eigenen Schopf aus dem Sumpf ziehen können. Nicht immer, aber immer öfter.

"Den Start in die zweite Hälfte haben wir verpennt und lagen richtig böse hinten", kommentierte Trainer Kai Wandschneider die Phase vom Halbzeit-15:16 zum 15:20 (33.) bzw. 18:23 (40.) bei Neuling Tusem Essen, ehe am Ende zum Jahresabschluss doch noch ein überdeutlicher Auswärtserfolg zu Buche stand. "Ich ziehe den Hut vor meiner Mannschaft, die diese Moral bewiesen hat", ergänzte der 61-Jährige, "ich freue mich über die 17:15 Punkte. Die Mannschaft hat wieder gezeigt, dass sie auch ohne Unterstützung in der Lage ist, sich aus eigener Kraft zu befreien."

Wie schon vier Tage zuvor, als nach einem 5:12-Fehlstart dem ambitionierten SC Magdeburg in eigener Halle noch ein 24:24 abgerungen worden war.

Die Wettkampfhärte:Bei Essen hatte sich die HSG Wetzlar zunächst anfällig gegen die schnelle Mitte der Gastgeber gezeigt, vergab bis zur 40. Minute u. a. durch Emil Mellegard etliche freie Wurfchancen, schloss entweder unvorbereitet oder mit technischen Fehlern ab. Die Umstellung auf eine 4:2-Abwehrvariante, die wachsende Treffsicherheit von Kristian Björnsen, der unermüdliche Einsatz von Olle Forsell Schefvert sowie die Rückraum-Option Ivan Srsen wendete vom 18:23 (40.) bis zum 29:25 (50.) das Blatt. Der Rest war Formsache bzw. eine spielerische HSG-Kür.

Die Zwischenbilanz:In den Wirren der zuschauerlosen Corona-Saison ist der aktuelle siebte Platz zwar nicht mehr als eine Momentaufnahme, die letzte gemeinsame Spielzeit mit dem scheidenden Trainer Wandschneider bestätigt aber nachhaltig die Zugehörigkeit der Mittelhessen zum Erstliga-Establishement.

Einige Wetzlarer Spieler sind direkt im neuen Jahr schon wieder mit ihren Nationalmannschaften in den Qualifikationsspielen zur EM 2022 unterwegs, Anton Lindskog und Kristian Björnsen reisen zudem mit Schweden bzw. Norwegen nach Ägypten zur WM.

Die Corona-Spielzeit verlangt allen Erstligisten bis zum spätesten Saisonende aller Zeiten am 27. Juni (!) alles ab. Nach den bislang gezeigten Leistungen u. a. beim 31:22 gegen THW Kiel oder dem bemerkenswerten 30:25 über TVB Stuttgart dürften abermals keine Zweifel am Wetzlarer Erstliga-Klassenerhalt bestehen.

Das Spielerzeugnis:Das "Halbjahres-Zeugnis" kann sich für Wetzlarer Verhältnisse einmal mehr sehen lassen, die Leistungen der Etablierten schwankten dabei wie gewohnt von "sehr gut" bis "ausreichend". Von den Zugängen zeigen Philip Henningsson in der Defensive, Magnus Fredriksen als künftiger Regisseur, Linkshänder Ivan Srsen und Linksaußen Emil Mellegard dank ruhiger Trainer-Hand mittlerweile echte Einsatz-Optionen auf. Kreisläufer-Backup Patrick Gempp benötigt nach langer Pause noch Zeit. Rechtsaußen-Backup Lars Weissgerber muss sich weiter hinter Björnsen einordnen. Alexander Feld hat Standby-Spielmacher Filip Mirkulovski noch einmal das Feld überlassen müssen.

Der Ausblick:Die spannendsten Fragen in den kommenden Wochen stellen sich auf dem Personalsektor. Hier stehen die Entscheidungen darüber an, ob die HSG die Zusammenarbeit mit Björnsen und Forsell Schefvert, deren Verträge im Sommer auslaufen, verlängern kann. Falls nicht, müssten die Verantwortlichen auf dem Transfermarkt noch mal aktiv werden.

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