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Verschlossene Anlage: Das Friedberger Burgfeld - sonst von Leichtathleten bevölkert - ist in den Zeiten der Coronavirus-Krise ein einsamer Ort.

Coronavirus-Krise

Wetterauer Leichtathleten zwischen Stillstand und Hoffnung

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Sportplätze und -hallen sind geschlossen. Auch für Leichtathleten bedeutet die Coronavirus-Krise Stillstand. Zumindest im Breitensport. Nationale Topathleten müssen irgendwie weiter machen.

Die Crossläufer haben für das Jahr 2020 ihre nationalen Titelträger gerade noch so gefunden. Knapp eine Woche später hat die Leichtathletik ihren Betrieb angesichts der Coronavirus-Krise eingestellt. Die Sportplätze- und Hallen sind geschlossen, der Wintersteinlauf des ASC Marathon Friedberg war das erste größere Opfer im diesjährigen Terminkalender. Es werden noch viele weitere folgen.

Coronavirus-Krise: Trainings- und Wettkampfbetrieb bis 3. Mai eingestellt - bis jetzt

Zunächst unterlagen nur Bundeskader-Athleten einer Ausnahmeregelung, seit vorvergangenen Montag darf aber auch für die 61 Athleten der hessischen Vereine kein organisierter Trainingsbetrieb mehr angeboten werden, bestätigte Gudrun Rouhi, Referentin Leistungssport beim Hessischen Leichtathletik Verband (HLV). Die Türen zu den Frankfurter Stützpunkten Kalbach und Hahnstraße sind abgeschlossen, ebenso wie alle anderen Sportgelände in Deutschland.

Der HLV hat seinen Wettkampfbetrieb inklusive aller Aus- und Fortbildungen sowie Sitzungen und Tagungen vorerst bis zum 3. Mai gestrichen. Überlegungen, ob und wie man Meisterschaften nachholen könne, mochte beim HLV mit Verweis auf die unklare Lage niemand anstellen.

Coronavirus-Krise: Was wird aus den Großveranstaltungen?

Dass die Top-Athleten bis zum Beginn der vergangenen Woche noch trainieren durften, lag daran, dass die Olympischen Spiele in Tokio vom 24. Juli bis 9. August offiziell erst am Dienstag abgesagt wurden - während die Europameisterschaften in Paris - Stand jetzt - im August über die Bühne gehen. Der deutsche Meister über 200 Meter, Steven Müller (LG ovag Friedberg-Fauerbach), und die 1500-Meter-Läufer Lukas Abele, der Dauernheimer startet für den SSC Hanau-Rodenbach, und Jan Dillemuth (TV Assenheim), die im U 23-Kader stehen, sowie Marc Tortell (Athletics-Team Karben) müssen nun aber auch alternative Trainingspläne verfolgen. "Du suchst nach Strohhalmen, aber eigentlich ist das Training eingestellt. Die Chancengleichheit bei Olympischen Spielen wäre nicht gegeben gewesen", sagt Ottmar Velte, Trainer von Steven Müller. Immerhin hat der Deutsche Leichtathletik-Verband in einer Telefonkonferenz mit den Bundestrainern am Dienstag beschlossen, dass die Kaderathleten mit Trainingsgeräten ausgestattet werden sollen. Abgesehen davon bleibt nichts anderes übrig, auf Wald und Wiesen auszuweichen - trotz aller Ungewissheiten.

Coronavirus-Krise: Heimische Leichtathletik-Vereine sehen sich gut aufgestellt

Im Breitensport steht das sportliche Leben logischerweise auch still. Am Friedberger Burgfeld oder im Bad Nauheimer Waldstadion dreht momentan keiner mehr seine Runden oder bereitet sich an den Wurf- und Sprunganlagen auf Wettkämpfe vor.

Die Stimmungslage bei den Vereinsverantwortlichen ist identisch. Die Gesundheit habe oberste Priorität, sagen Klaus Ritz, Vorsitzender des LSC Bad Nauheim, und Martin Göller, Vorsitzender beim TSV Friedberg-Fauerbach. "Es ist richtig und gut, dass die Leichtathletik ihrer gesellschaftlichen Verantwortung gerecht geworden ist und den Betrieb ausgesetzt hat, bevor alle öffentlichen Einrichtungen geschlossen wurden", sagt Göller. "Wir müssen in diesen Tagen alle an einem Strang ziehen."

Coronavirus-Krise: Geplante Veranstaltungen stehen auf der Kippe

Dennoch stellt sich auch hier die Frage, wie schwer die Pandemie die Vereine trifft und noch treffen könnte. Zumindest darüber machen sich Ritz und Göller aber aktuell keine Sorgen. "In der Leichathletik steht der Geldumsatz nicht im Vordergrund. Entsprechend wird es uns aus wirtschaftlicher Sicht nicht besonders treffen, wenn wir Veranstaltungen absagen müssen. Der Verein ist gut aufgestellt", sagt Göller. Die Bahneröffnung beim TSV am 25. April steht auf der Kippe. Ob die "Ovag Sprint Challenge" am 13. Mai das kreisstädtische Burgfeld bevölkern soll, komme darauf an, wie sich die Lage bis dahin entwickelt hat. Dieser Tage keine überraschende Antwort.

Beim Ortsnachbarn klingen die Prognosen identisch: "Dass der Betrieb ausgesetzt ist, tut uns finanziell jetzt nicht allzu sehr weh. Der Eiskunstlauf-Abteilung brechen zwar zwei gut besuchte Veranstaltungen weg, aber das können wir auffangen", sagt Ritz.

Coronavirus-Krise: Abwarten auf Signale aus den Behörden

Die Regional-Blockmeisterschaften sollten zwar am 8. Mai im Bad Nauheimer Waldstadion stattfinden, "aber da wären wir nur Organisator gewesen", sagt Ritz. Dass jene Regionalmeisterschaften, nun genauso wie alle weiteren Wettkämpfe bis in den Sommer hinein ausfallen müssen, liegt nahe.

Beim HLV und den Kreisverbänden ist also Abwarten und Ruhe bewahren das Gebot der Stunde. Wann die Sportanlagen wieder öffnen, liegt ohnehin in der Entscheidungsgewalt der Städte und Kommunen, die wiederum ohne Signale von Bund und Land wohl nicht eigenmächtig tätig werden.

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