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Wetterauer DFB-Pokal-Sieger Friz: »Noch immer Gänsehaut«

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Von: Michael Nickolaus

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Holger Friz aus der Wetterau hat 1988 mit Eintracht Frankfurt das Endspiel um den DFB-Pokal gegen den VfL Bochum gewonnen. Zum Finale 2017 blickt der 52-Jährige noch einmal zurück.

Eintracht Frankfurt hat eingeladen. In Berlin kommen die Pokal-Helden am Freitagabend nocheinmal zusammen. Uli Stein, Charly Körbel, Manni Binz und wie sie alle heißen. Sie haben gemeinsam Geschichte geschrieben. Erinnerungen werden ausgetauscht, Anekdoten erzählt. Von einer Sternstunde. Vom DFB-Pokal-Sieg 1988. Per Freistoß erzielte der Ungar Lajos Détári den einzigen Treffer der Partie.

Holger Friz, an jenem Mai-Samstag kurz zuvor ausgewechselt, wird nicht dabei sein. Das Pokal-Finale kommt für ihn noch zu früh. Der frühere Stürmer erholt sich von den Folgen einen Herzinfarkts. Erst Anfang Mai, während des Heimspiels seiner Eintracht gegen den VfL Wolfsburg, klagte Friz über einen Druckschmerz im Brustbereich, fuhr am Abend ins Krankenhaus und wurde wenig später operiert. »Das wird wieder«, sagt Friz beim Gespräch auf seiner Terrasse.

Im Nachwuchs am Riederwald war er einst ausgebildetet worden, absolvierte 45 Bundesligaspiele, in denen er acht Treffer erzielte. Viktoria Aschaffenburg, Fortuna Köln und Tennis Borussia Berlin waren die weiteren Stationen seiner Karriere, die er Ende der 90er Jahre in Klein-Karben ausklingen ließ. »Ich bin sehr froh, damals diese Entscheidung so getroffen zu haben.« In der Stadt Karben, in der Idylle, fühlt er sich wohl. Josef Sarroca, ein einstiger Mitspieler aus Eintracht-Tagen, hatte Friz Mitte der 90er aus Berlin in Karben gelotst. Sarocca war seinerzeit dort Spieler. Friz spielte für den KSV in der damaligen Landesliga, beendete hier seine fußballerische Laufbahn.

Der gebürtige Frankfurter ist zum Ende seiner Karriere in den elterlichen Fleisch-Großhandel eingestiegen. In Frankfurt-Praunheim hat das Unternehmen seinen Sitz, tagtäglich ist der Ex-Profi in der Region unterwegs, pflegt Kontakte zu Freunden aus der Gastronomie und dem Sport. »Viele ehemalige Teamkollegen kommen aus der Region. Mit manchem habe ich schon in der Jugend zusammengespielt. Da sind die Verbindungen einfach enger. Das ist mit der heutigen Zeit nicht vergleichbar«, sagt Friz.

In der Traditionsmannschaft von Eintracht Frankfurt zählt Holger Friz seit vielen Jahren zum festen Stamm. Die Bundesliga-Heimspiele verfolgt Friz in der WM-Arena im Stadtwald, und sonntags ist er bei den Kreisoberligaspielen des FC Karben auf dem Günter-Reutzel-Sportfeld ein gern gesehener Gast. Der Eintracht traut er – »bei allem Realismus« – morgen eine Überraschung zu. »Wir haben Dortmund in den letzten Jahren zweimal geschlagen. Warum also nicht am Samstag?« Und wer genau hinhört und Friz während seiner Erzählungen immer wieder in der Wir-Form ertappt, der spürt, wie sehr sein Herz noch immer an den Adlerträgern hängt.

Holger Friz, Sie sind Teil der Eintracht-Historie. Welches Bild kommt Ihnen beim Gedanken an den 28. Mai 1998 in den Kopf?

Holger Friz: Es gibt nicht dieses eine bestimmte Bild. Das Pokal-Finale ist vielmehr wie ein Film. Die Anspannung in der Kabine, das Warmmachen, der Einlauf in das Stadion, der Anpfiff und natürlich das Happyend mit dem späteren Empfang vor 15 000 Fans auf dem Römerberg und dem Eintrag in das Goldene Buch der Stadt. So etwas vergisst man nicht.

Nimmt man die Atmosphäre im Stadion auch während des Spiels wahr?

Friz: Man ist so sehr fokussiert, dass man das Drumherum nicht bewusst wahrnimmt. Klar, die Geräuschkulisse geht ins Ohr, aber sie ist in diesem Moment nicht im Bewusstsein.

Einige Eintracht-Profis sprechen mit Blick auf das Pokalfinale vom »Spiel des Lebens«. Würden Sie das rückblickend als solches bezeichnen?

Friz: Ja. Pokalsieger wird man in seiner Karriere nicht allzu oft; sofern man nicht beim FC Bayern oder für Dortmund spielt. Auch spielt man mit der Eintracht in der Regel auch nicht um die Meisterschaft. Der Begriff Spiel des Lebens wird der Partie also gerecht.

Wie erlebt man die Woche vor dem Finale als Spieler?

Friz: Die heutige Zeit ist schwer mit 1988 zu vergleichen. Das Medieninteresse ist heute ein ganz anders. Auch damals hat man gespürt, dass dieses Spiel etwas Besonderes ist. Da standen beim Training plötzlich mal fünf, sechs statt der üblichen zwei Journalisten am Platz. Und das waren schon viele. Heute reden wir da von ganz anderen Dimensionen. Das Spiel wird auch in sozialen Kanälen ganz anders vermarktet. Aber klar, je näher das Spiel gerückt ist, desto größer wurde das Kribbeln.

Wann haben Sie gespürt, dass ein Sieg möglich ist?

Friz: Wir sind als leichter Favorit in die Partie gegangen. In der Tabelle waren wir vor Bochum platziert. Das Spiel an sich ist mir noch in guter Erinnerung. Es war sicher nicht hochklassig. Der VfL hat ein Tor geschossen, das wegen einer vermeintlichen Abseitsstellung nicht gegeben wurde. Ich war über die gesamte Spielzeit sehr optimistisch. Wir hatten eben einen Lajos Détári in der Mannschaft. Er hatte in der Saison seine 16 oder 17 Tore geschossen, und wir alle wussten, dass wir mit einer einzigen Standardsituation gewinnen konnten. Und so kam es dann auch. Natürlich war es eng, aber ich hatte nie das Gefühl, dass wir verlieren könnten. Dieses Vertrauen war einfach da.

Ihr Trainer war Kalli Feldkamp. Was hat er Ihnen mit auf den Weg gegeben?

Friz: Ihr könnt euch heute unsterblich machen. Und mehr muss man vor einer solchen Partie eigentlich auch nicht sagen.

Wie hoch war die Siegprämie?

Friz: 25 000 D-Mark. Das war damals ein Haufen Geld. Das darf man nicht mit den Prämien von heute vergleichen, und das tue ich auch nicht. Das war eben eine andere Zeit. Wenn die wirtschaftliche Lage und die TV-Gelder heute andere Summen hergeben, dann ist das eben so.

Würden Sie gerne mit der heutigen Generation tauschen?

Friz: Nein. Ich bin sehr froh, dass ich ein einer anderen Zeit gespielt habe. Der Medienrummel, die Handy-Generation. Wir konnten damals auch abseits des Fußball das Leben in einem gewissen Maß genießen, konnten etwas essen oder trinken gehen und konnten uns mit Menschen unterhalten, ohne dass dies von Umstehenden mit dem Foto-Handy aufgenommen wurde. Aber: Ich hätte gerne mal in der heutigen Arena spielen wollen. Das Waldstadion hat sicher seinen Charme, aber die Arena-Atmosphäre ist einmalig.

Werden Sie noch oft auf den DFB-Pokalsieg angesprochen?

Friz: Ich bin – bedingt durch mein Unternehmen – täglich in Frankfurt unterwegs und mit Menschen im Gespräch. Ja, gerade in den letzten Wochen ist der Finalsieg von 1988 immer wieder ein Thema.

Wie stehen die Chancen am Samstag?

Friz: Wir haben eine Chance, aber man muss auch realistisch bleiben. Dortmund muss einen schwachen Tag haben, und wir müssen einen überragenden Tag erwischen. Es muss einfach alles passen. Aber die Eintracht hat Dortmund in den letzten beiden Jahren auch schon besiegen können. Warum soll das also nicht zu wiederholen sein?

Die Eintracht spielt seit 2012 wieder durchgängig in der Bundesliga. Wird sich der Klub wieder etablieren können?

Friz: Ich wünsche es mir. Ich hoffe, dass mit Niko Kovac und Fredi Bobic Kontinuität einkehrt. Aber es ist auch schwer, gute Spieler zu holen, weil diese oft wegen höheren Ziele lieber woanders hinwechseln. Deshalb habe ich vermisst, dass die Eintracht im Winter junge, gute Spieler angesprochen hat. Da stand man auf Rang vier und bekommt eher mal einen talentierten jungen Spieler. Vielleicht hätte man ein gewisses Risiko eingehen müssen. Vor einem Jahr stand man auf einem Abstiegsplatz und hat fünf neue Leute geholt. Da wurde reagiert. Jetzt hat man sich mit Platz vier zufrieden gegeben.

Wie ist die sportliche Entwicklung nach der Winterpause zu erklären?

Friz: Dass es nach der Hinrunde noch einmal so gut läuft, war nicht zu erwarten. Im Kader fanden sich 16, 17 neue Spieler. Die Vorrunde – das war schon außergewöhnlich. Und natürlich – wie das in Frankfurt nunmal so ist – war die Erwartungshaltung nach einer solchen Hinserie sehr hoch. Dass der Einbruch derart drastisch sein würde, war wiederum nicht zu erahnen. Elf Spiele ohne Sieg sind natürlich enttäuschend. Aber auch das ist eben Eintracht Frankfurt, die Diva vom Main.

In den 80er Jahren, zu Ihrer aktiven Zeit, gab es keine finanzstarke Konkurrenz aus Hoffenheim oder Leipzig.

Friz: Ja, natürlich ist es schwieriger geworden, vorne mitzuspielen. Ein Traditionsverein hat kein natürliches Recht, aufgrund seiner Historie oben dabei zu sein, wenn man mit seinen Resourcen nicht entsprechend umgeht. Wenn man aber eine gute Scouting-Abteilung hat und ein gutes Händchen, wenn alles passt, dann kann man sich aber auch nach oben orientierten.

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