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Der Friedberger Henning Kiel (am Ball) und die Petterweiler Defensive (v.l.) Niklas Wagner und Felix Koffler spielen künftig in unterschiedlichen Ligen.

Coronavirus

Coronavirus sorgt für Absagenflut im Wetterauer Sport - Handball-Saison beendet

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Das Coronavirus hat die Wetterau längst erreicht, jetzt wirft es auch einen langen Schatten auf den Wettkampfsport: Im Laufe des Donnerstags hagelte es eine Flut von Absagen. Die Übersicht.

Es könnte da Saison-Aus für weite Teile des Wettkampfssports bedeuten. Die Ausbreitung des Coronavirus in Deutschland und Hessen veranlasst Behörden und Verbände zu immer drastischeren Maßnahmen. Nachdem bereits die erste und zweite Fußball-Bundesliga ohne Zuschauer über die Bühne gehen und die dritte Liga eine Pause einlegen wird, geraten nun auch immer lokalere Events in den Blick.

Coronavirus: Hessischer Fußballverband setzt Spielbetrieb aus

Der Hessische Fußballverband (HFV) hat den Spielbetrieb in allen hessischen Ligen (Männer, Frauen, Jugend in der Halle und auf dem Feld) bis einschließlich 10. April ausgesetzt. Dies wurde am Donnerstagnachmittag von den drei Verbandsausschüssen in einer Telefonkonferenz mit dem HFV-Präsidium gemeinsam beschlossen. Dies betreffe auch Freundschaftsspiele, zudem sind die Vereine aufgerufen, den Trainingsbetrieb ebenfalls ruhen zu lassen. Ebenfalls davon betroffen sein könnte der für 28. März geplante "Friedberger" Kreisfußballtag in Melbach, nachdem bereits in drei anderen hessischen Fußballkreisen derlei Veranstaltungen abgesagt worden sind. "Der Hessische Fußball-Verband hat sich zu dieser drastischen Maßnahme entschieden, um konsequent im Sinne unserer gesellschaftlichen Verantwortung handeln. Uns ist durchaus bewusst, dass dies einige Umstände mit sich bringen wird und wir bauen dabei auf das Verständnis unserer Fußball-Familie. Wir hoffen, dass wir nach der genannten Zeitspanne die Saison mit Hilfe von Nachholspielen regulär zu Ende bringen können", erklärte HFV-Präsident Stefan Reuß in einer Mitteilung.​

Aus diesem Grund hat auch der ASC Marathon Friedberg am Donnerstagmittag den für Sonntag geplanten "Volkslauf rund um den Winterstein" komplett abgesagt. Gegenüber dieser Zeitung sagte Christian Habicht, Pressewart des Lauf- und Mountainbike-Vereins aus der Wetterau Kreisstadt, nach einer internen Sitzung: "Es tut zwar weh und, die Enttäuschung sitzt tief, aber ich glaube, es ist die bessere Entscheidung." Nach deutschlandweiten Absagen von Laufveranstaltungen am vergangenen Wochenende hatte die Traditionsveranstaltung, die in diesem Jahr auch wieder eine Marathon-Strecke im Programm hatte, vor allem Anfang der Woche etliche zusätzliche Meldungen aus dem gesamten Bundesgebiet erhalten - was das Risiko für die Verbreitung des Virus erhöht hatte. Nach einer Empfehlung des Gesundheitsamtes habe man sich deshalb zur Absage entschlossen.

Erster Corona-Fall in der Wetterau überschattet Ereignisse

Bereits am Vormittag hatte die Stadt Friedberg infolge einer Sitzung aller Wetterauer Bürgermeister mit Landrat Jan Weckler dazu entschieden, die für Freitagabend geplante Sportlerehrung der Stadt abzusagen. "Dies geschieht vorsorglich und zum Schutz der Gesundheit der rund 400 erwarteten Besucher und ihres Umfelds", ließ sich Friedbergs Erste Stadträtin Marion Götz in einer Pressemitteilung der Stadt zitieren.

Im Wetteraukreis gibt es seit Mittwochabend den ersten bestätigten Fall einer Corona-Infektion. Bei einer jungen Frau wurde das Virus demnach nachgewiesen. Die Betroffene befinde sich in häuslicher Quarantäne und weise keinerlei Symptome auf. "Alle Kontaktpersonen sind informiert. Das Gesundheitsamt steht in engem Kontakt mit der Frau", teilte Landrat Weckler mit. Zudem werde der Landkreis eine Anweisung des Landes Hessen umsetzen, wonach Veranstaltungen mit über 1000 Teilnehmern verboten würden - auch Sportveranstaltungen.

Auch EC Bad Nauheim von Coronavirus-Problematik beeinträchtigt

Darunter fällt auch - wenn auch ohne direkten sportlichen Teil - die Saisonabschlussfeier des EC Bad Nauheim, wie Andreas Ortwein, der Geschäftsführer des Eishockey-Zweitligisten auf WZ-Anfrage verrät. Die Veranstaltung war bislang zwar noch nicht terminiert, dennoch ist sie im EC-Kalender seit Jahren fest verankert und war auch dieses Mal vorgesehen.

Bereits am Mittwochmittag abgesagt war der Spielbetrieb in den Eishockey-Nachwuchsligen in Hessen und Nordrhein-Westfalen von der U 7 bis einschließlich der U 20 sowie im Damen- und Herren-Amateurbereich. Dies betrifft neben den Nachwuchsmannschaften auch die 1b-Mannschaft der Roten Teufel Bad Nauheim sowie das Regionalliga-Playoff-Finale zwischen Limburg und Neuwied. Für Erste gehen aktuelle eine Vielzahl von ehemaligen Bad Nauheimer Kufencracks auf Punktejagd.

Coronavirus: TV Petterweil steigt auf, TG Friedberg ab

Am Donnerstagnachmittag teilte der Hessische Handball-Verband mit: Die Saison 2019/20 ist beendet. Die aktuellen Tabellenstände werden als Grundlage für die Ermittlung der Auf- und Absteiger herangezogen. Der TV Petterweil steigt in die Handball-Oberliga auf, die TG Friedberg in die Bezirksoberliga ab. Dabei hat die TG nach Informationen dieser Redaktion vom Donnerstagabend mit Michael Razen, derzeit noch Coach des Ligakonkurrenten TSV Lang-Göns, einen neuen Trainer gefunden. 

Im Volleyball wurden am Donnerstag von den Bundesligen der Männer und Frauen, die ohne Meister und Absteiger für beendet erklärt wurden, über die überregionalen Ligen – darunter fallen auch die Männermannschaft der SG Rodheim und das Damen-Team des SSC Bad Vilbel – bis hin zu den Ligen auf Landesebene das vorzeitige Saisonende ausgerufen.

Lediglich ausgesetzt hat der Hessische Tischtennisverband (HTTV) seinen Spielbetrieb – vorerst bis einschließlich 17. April. "Der HTTV kommt damit der Fürsorgepflicht für die Gesundheit gegenüber den Vereinen sowie deren Spielerinnen und Spielern nach. Darüber hinaus unterstützt er damit die behördlichen Bemühungen, um mögliche Ansteckungen zu verhindern und die weitere Ausbreitung einzudämmen", heißt es auf der Verbandshomepage. 

 

Coronavirus: Keine grundsätzliche Absage von Sportveranstaltungen

Ein grundsätzliches Verbot von Sportveranstaltungen seitens der Kreisverwaltung oder des Landessportbundes gebe es aber (noch) nicht, teilte der Wetterauer Sportkreisvorsitzende Jörg K. Wulf auf Anfrage am Donnerstagnachmittag mit. Er selbst habe allerdings den für Freitag geplanten Sportkreistag in Echzell vorsorglich abgesagt. "Wir können die Sicherheit schlicht nicht gewährleisten und haben hinsichtlich der Satzungen auch keinerlei Probleme mit einer Verschiebung", sagte er. "Was den Wettkampf- und Trainingsbetrieb angeht, gibt es aktuell keine weiteren Empfehlungen oder Anweisungen. Man wird sich situativ an der täglich ändernden Lage orientieren." Eine besondere Sorge Wulfs gilt auch dem Festival des Sports, das als Teil des Hessentages in Bad Vilbel (6. bis 14. Juni). Hier würden die Planungen vorerst weiterlaufen.

Einschränkungen gibt es aber bereits anderswo in der Rhein-Main-Region. So reagierte Football-Erstligist Frankfurt Universe mit der Aussetzung des eigentlich für Montag vorgesehene Vorverkaufsstarts der Tageskarten für die neue Saison - auf unbestimmte Zeit. Der Verkauf von Dauerkarten laufe zunächst weiter, allerdings nur bis zu einem Kontingent von 1000 Tickets. Besitzer von Dauerkarten sollen außerdem für die neue Saison anteilig den Preis pro Spiel zurückerhalten, falls es zu einzelnen Spielabsagen aufgrund des Coronavirus kommen sollte. Hierfür hat der Verein nach eigenen Angaben finanzielle Rücklagen gebildet, sodass es zu keinem finanziellen Schaden für die Dauerkarteninhaber kommen könne.

Coronavirus: Profi-Klubs aus der Region mit großen Sorgen

Die Absageflut könnte aber vor allem für die Vereine abseits des Fußballs - auch und gerade im Profi-Bereich - ernste, finanzielle Konsequenzen haben. Selbst der EC Bad Nauheim, der sich nach dem sportlichen Aus gegen die Dresdner Eislöwen am Sonntag bereits in der Sommerpause befindet und damit - anders als die hessischen Konkurrenten Kassel Huskies und Löwen Frankfurt - auch nicht direkt von der Absage der Playoffs in den deutschen Eishockey-Profiligen tangiert wurde, ist betroffen, wie Geschäftsführer Ortwein erklärte. "Wenn die Liga einen Schaden nimmt, nimmt auch der EC Bad Nauheim einen. Aus diesem Grund beschäftige ich mich seit vier Tagen gefühlt mit nichts anderem."

Neben dem "inhaltlichen und wirtschaftlichen Verlust" der ausgefallenen Saisonabschlussfeier war auch die Situation für die nordamerikanischen Kontingentspieler insofern kritisch, als dass die Flüge umgebucht werden mussten, sodass diese rechtzeitig vor dem Inkrafttreten von Einreisestopps und Quarantänemaßnahmen wieder zurück in ihren Heimatländer ankommen. Die größere Baustelle aus Ortweins Sicht: Durch die wirtschaftlichen Folgen der Corona-Krise könnten Sponsoren Schaden nehmen und ihr Engagement bei den Roten Teufeln einschränken. Auch seien bereits in den vergangenen Wochen etwa die Catering-Erlöse rund um das Colonel-Knight-Stadion rückläufig gewesen. Der Vorverkauf der Dauerkarten, der zeitnah beginnen soll, könnte ebenfalls eingeschränkt sein.

EC-Geschäftsführer Andreas Ortwein baut auf "Rückhalt und Solidarität unseres Umfeldes"

"Hier baue ich auf den Rückhalt und die Solidarität unserer Partner und unseres Umfeld", sagte Ortwein, der darauf verwies, dass der Klub mit den Einnahmen unter anderem seine laufenden Kosten für Wohnungen, Autos und Geschäftsstellenmitarbeiter stemmen müsse. "Eishockey ist aktuell vielleicht nicht der Mittelpunkt des Lebens, aber die Situation ist nicht ungefährlich. Es ist zwingend erforderlich, dass wir in spätestens zwei Monaten wieder eine Normalität in unseren Alltag bekommen. Wir müssen den Weg nach vorn gehen", sagt Ortwein mit Blick auf die neue Saison aber auch etwa auf das Thema Stadion-Neubau. "Die Absage der DEL 2-Playoffs war dennoch alternativlos." Denn bei laufenden Kosten für Spieler, Trainer und Material sowie der Auszahlung von Prämien wären Geisterspiele wie etwa im Fußball nicht darstellbar gewesen. Schließlich machten im Eishockey - anders als im Fußball - Zuschauer und Catering rund 50 Prozent der Gesamteinnahmen aus. "Darüber hinaus wollen wir natürlich auch an der Eindämmung der Virus-Ausbreitung mitwirken", sagte er.

Auch im Rest von Mittelhessen ist die Situation ernst . Der Geschäftsführer der HSG Wetzlar, Björn Seipp, spricht von einer Existenzbedrohung. Die nächste Heimpartie der HSG Wetzlar ist zwar erst für den 22. März gegen die Füchse Berlin geplant. Bis dahin wird mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit die zeitlich nicht definierte Verfügung des Lahn-Dill-Kreises noch in Kraft sein, nach der Veranstaltungen mit mehr als 1000 Personen untersagt sind. "Geisterspiele und Spiele unter der 1000-Zuschauer-Grenze sind für uns nicht darstellbar", sagt Seipp klipp und klar. Die Verantwortlichen der Handball-Bundesliga, in der wegen der Länderspielpause erst am 19. März wieder Begegnungen angesetzt sind, wollen sich am Montag in Köln zu einer Sondersitzung treffen, um das weitere Vorgehen zu besprechen.

Coronavirus: Auswirkungen auch auf FC Gießen und den Gießen 46ers

In der Basketball-Bundesliga haben die Klubvertreter bereits am Donnerstag in Stuttgart getagt. Ergebnis: Der Spielbetrieb wird bis auf Weiteres ausgesetzt - damit auch das für Freitag angesetzte Kellerduell zwischen dem Mitteldeutschen BC und den Gießen 46ers in Weißenfels, nachdem am Mittwoch das örtliche Gesundheitsamt Publikum noch zugelassen hatte. "Ich würde es begrüßen, wenn man in einer gewissen Art und Weise die Saison zu Ende bringen kann", sagte der neue 46ers-Geschäftsführer und Sportdirektor Michael Koch. Sein Pendant bei den Frankfurt Skyliners, Gunnar Wöbke, hatte sich für eine Aussetzung des Ligabetriebes für vier Wochen ausgesprochen.

Die Fußball-Regionalligisten FC Gießen und FSV Frankfurt gehen unterdessen davon aus, dass die Begegnungen am Samstag (14 Uhr) gegen die TSG Balingen bzw. beim SSV Ulm ausgetragen werden - in Gießen allerdings nur mit maximal 1000 Zuschauern. Das zeitgleiche Heimspiel von Kickers Offenbach gegen den FC Homburg wird dagegen gänzlich ohne Fans über die Bühne gehen, sind die Offenbacher doch in Sachen Zuschauer mit einem Schnitt von über 5600 Besuchern pro Heimspiel Spitzenreiter der Südwest-Staffel.

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