Ein Bild, das es in dieser Saison so nicht geben wird: Das Herren-Team der Wetterau Bulls wird nach der Absage der Saison in der Landesliga erst 2021 wieder für ein Match aufs Feld zurückkehren. Aber die drei Jugendmannschaften der Bulls werden ab Mitte September spielen. ARCHIVFOTO: JAUX
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Ein Bild, das es in dieser Saison so nicht geben wird: Das Herren-Team der Wetterau Bulls wird nach der Absage der Saison in der Landesliga erst 2021 wieder für ein Match aufs Feld zurückkehren. Aber die drei Jugendmannschaften der Bulls werden ab Mitte September spielen. ARCHIVFOTO: JAUX

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Wetterau Bulls: In der Krise an die Zukunft denken

  • Philipp Keßler
    vonPhilipp Keßler
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Für die Footballer der Wetterau Bulls wird es in diesem Jahr keine normale Saison mehr geben. Der Fokus liegt deshalb längst auf dem nächsten Jahr.

Vor ziemlich genau zwei Jahren feierten die Wetterau Bulls den bislang größten Erfolg in ihrer noch jungen Vereinsgeschichte: den Aufstieg der Männermannschaft in die Landesliga. Nach einer Saison zum Akklimatisieren in der neuen Spielklasse sollte in diesem Jahr der nächste Schritt gemacht werden. Doch dann kam Corona. Es ist wohl der Satz, der gesamtgesellschaftlich am häufigsten seit März benutzt wird, wenn man von einem nicht verwirklichten Vorhaben spricht. Das geht auch den Footballern aus Wölfersheim so. Dennoch ruht das Vereinsleben absolut nicht.

Wetterau Bulls: Das Gemeinschaftsgefühl steht im Vordergrund

Seit der Lockerungen der hessischen Landesregierung für den Sport Anfang August wird wieder trainiert, zweimal die Woche geht’s aufs Feld, einmal wird mehr Taktik gepaukt und Technik geübt, das andere mal mehr gespielt. "Wir denken bereits an die nächste Saison", erklärt Bulls-Vorsitzender Sven Heeg den Trainingseifer, obwohl der Spielbetrieb nach einstimmigem Quorum der Landesligisten an den Verband abgeblasen wurde. "Alles, was wir jetzt trainieren, ist bereits für das nächste Jahr", sagt Heeg

Überhaupt denken die inzwischen rund 100 Mitglieder starken Bulls viel an ihre Zukunft: Um keine Spieler zu verlieren, gab es seit Beginn des Lockdowns viel Kommunikation, Video-Konferenzen mit taktischen Inhalten und nach den Lockerungen auch wie- der einen Gemeinschaftsabend mit Quiz im Anschluss an eine Trainingseinheit. "Die Stimmung ist gut. Wir haben bislang keinen Spieler, der gesagt hat, er kommt gar nicht mehr. Aber natürlich gibt es bei dem einen oder anderen ein Motivationsproblem, wenn es erst im nächsten Jahr wieder ein Spiel gibt. Die Leute, die kommen, sind aber voll dabei", sagt Heeg. "Dabei merkt man auch, dass unser Headcoach Kevin Richter alles gut organisiert." 

Wetterau Bulls: Zwei neue Coaches unterstützen Cheftrainer Kevin Richter

Um auch sportlich den nächsten Schritt zu machen, ergänzt seit einiger Zeit Terry Lynn Qualls das Training von Headcoach Richter. Er ist einerseits als Physiotherapeut auf dem Feld aktiv, andererseits kümmert er sich auch um Aufwärmtraining und Lockerungseinheiten. "Er ist sehr gut, hat sehr viel Erfahrungen und hilft den Jungs, wo er kann", sagt Richter.

Außerdem wird er seit vergangener Saison am Seitenrand durch Peter Killroy unterstützt. Der US-Amerikaner hat selbst Football-Erfahrung aus seiner College-Zeit und coacht die Offensive Line der Bulls. "Peter hat das nach ein paar anfänglichen Schwierigkeiten in der vergangenen Saison schon gut gemacht", sagt Richter über den vierten im Bunde neben Defensive-Coordinator Carlton Earl Fritsche.

Wetterau Bulls: Jugendmannschaften wollen ab Mitte September spielen

Das Trainerteam will nun nach Kräften die Jugendmannschaften unterstützen, die Anfang bzw. Mitte September in eine verspätete Saison starten wollen. Den gänzlich ersten Auftritt hat dann auch das jüngste Team der Bulls, die U 13. In der sogenannten Flag-Liga - hier wird der angreifende Spieler nicht zu Boden getackelt, sondern ihm muss eine kleine Flagge aus dem Gürtel gerissen werden, um ihn zu stoppen - geht es ab 5. September in Turnierform in Kelkheim los. Das Heimturnier ist für den 29. September (ab 10 Uhr) geplant. Unterdessen gehen die U 16- und die U 19-Mannschaft jeweils in der Oberliga Hessen an den Start. Erstere startet am 13. September in Bad Homburg, für 27. September (ab 12 Uhr) ist das Heimturnier angesetzt. Der älteste Bulls-Nachwuchs beginnt seine Saison am 20. September (15 Uhr) vor heimischer Kulisse gegen den Nachwuchs der Bad Homburg Sentinels. "Mir ist vor allem wichtig, dass wir inzwischen für jeden Interessierten ab sieben Jahren ein Angebot haben. Wir haben für jede Art von Mensch einen Platz und finden für ihn die richtige Position", sagt Heeg.

Wichtig zu wissen: Sowohl im Training als auch an Spieltagen gelten Hygieneregeln auf dem Platz im Wölfersheimer Ortsteil Södel. Aus diesem Grund sind bislang auch noch nicht - wie sonst üblich - Tryouts für die verschiedenen Teams angesetzt worden. "Hier haben wir einfach noch kein Konzept gefunden, das für alle sicher ist", sagt Heeg.

Gute Nachrichten gab es trotz sportlicher Corona-Pause jüngst auch von der Gemeinde: Der Kunstrasenplatz an der Singberghalle soll modernisiert werden, die Footballer bekommen im Zuge dessen die für ihren Sport nötigen Linien und Tore, um gerade auch im Winter oder bei schlechter Witterung im Freien trainieren zu können. Ein positiver Nebeneffekt: Sie entlasten damit die Wölfersheimer Hallenkapazitäten, die sie sonst brauchen würden. "Wir spielen am liebsten draußen - auch bei Wind und Wetter", sagt Heeg. "Nur die Cheerleader brauchen dann noch Zeit in der Halle. "Außerdem ist das Drumherum auf dem Kunstrasen insgesamt professioneller, gerade mit der überdachten Tribüne." Die Entwicklung der Zusammenarbeit zwischen Gemeinde und Verein sieht Heeg als "absolut positiv" an. Es ist ein weiterer wichtiger Entwicklungsschritt für die Bulls - trotz Coronavirus-Krise.

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