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Das war es: Der KSV Weckesheim ist Geschichte. Doch das Sportgelände könnte schon bald die Heimat des im vergangenen Jahr gegründeten Jugendfußballvereins Kickers Horlofftal werden. (Archivfoto: Dauernheim)

Vereinsauflösung

KSV Weckesheim aufgelöst - Interessent für Sportgelände bereits in den Startlöchern

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Der KSV Weckesheim ist nach über 70 Jahren Geschichte. Der kleine Verein aus dem Reichelsheimer Stadtteil hat sich aufgelöst. Für das Sportgelände gibt es aber bereits einen Interessenten.

Für Klaus Hofmann sind diese Tage gewiss nicht einfach. Nach über 45 Jahren Mitgliedschaft im Kultur- und Sportverein Weckesheim und über 35 Jahren im Vorstand muss der zuletzt als Leiter Spielbetrieb tätige 58-Jährige seinen Verein auflösen. "Mein Herz schlägt weiter für den KSV, daher macht es das alles für mich sehr, sehr schwer, aber es war ein schleichender Tod", sagt er. "Für mich waren die Jahre im Verein eine tolle Zeit, auch wenn die Arbeit zuletzt nur auf wenigen Schultern verteilt und es finanziell immer ein Ritt auf der Rasierklinge war." In einer außerordentlichen Mitgliedversammlung ist nun das Ende des 1945 gegründeten Vereins beschlossen worden. Die einzige Abteilung, die Fußballer, werden damit aufgelöst, die noch verbliebenen Spieler gehen zum Nachbarn TSV Dorn-Assenheim.

KSV Weckesheim: Auflösung nachdem sich niemand für die Vorstandsarbeit finden ließ

Was passiert mit den Spielern?

Sechs Spieler hatte der KSV Weckesheim zuletzt in der Spielgemeinschaft mit dem TSV Dorn-Assenheim, die in der vergangenen Saison als Dritter der Kreisliga A Friedberg den Aufstieg in die Kreisoberliga Friedberg geschafft hat: Philipp Sippe, Marco Hofmann, Felix Strebert, Torben Zika, Pascal Zika und Lukas Fritz. Sie alle haben sich laut Klaus Hofmann, Leiter Spielbetrieb beim KSV, bereits beim TSV Dorn-Assenheim angemeldet und wollen den Verein in seiner neuen Spielklasse weiter unterstützen, auch wenn ihr Heimatverein nicht mehr existiert. Dieses drohende Schicksal war wohl auch der Grund, warum bereits im Vorfeld der neuen Saison die Spielgemeinschaft aufgekündigt worden war.

Das Problem: Für die Arbeit im Vorstand des rund 130 Mitglieder starken Vereins ließ sich einfach niemand mehr finden. Elf der zwölf Vorstandsmitglieder wollten ihr Amt aufgeben, in mehreren Versammlungen und persönlichen Gesprächen sei bis zuletzt um Nachfolger geworben worden - ohne Erfolg. "Den Aufwand, den wir zuletzt betrieben haben, war so nicht mehr zu leisten", sagt Hofmann. Zwar sei der sportliche Erfolg in der Spielgemeinschaft mit Dorn-Assenheim da gewesen, doch der Zuspruch bei Heimspielen seitens der Zuschauer sowie der Weckesheimer bei Vereinsveranstaltungen sei weit hinter den Erwartungen zurückgeblieben. Zuletzt sei auch die Idee einer Fusion mit einem anderen Weckesheimer Verein gescheitert, sodass nur der letzte Schritt, die Auflösung, geblieben sei. "Man hat sich zuletzt immer gefragt, für wen man die Arbeit eigentlich noch macht. Einige Mitglieder, aber auch einige Menschen aus Weckesheim, müssen sich die Frage gefallen lassen, ob sie genug für den Verein getan haben", meint Hofmann. Er schiebt dies auf die gesellschaftliche Entwicklung, die die Menschen in Beruf und Familie zwar immer mehr einspanne, aber in der sich auch eine Mentalität entwickele, in der das Ehrenamt weniger Platz habe. "Ich befürchte, dass es in Zukunft noch mehr kleine Vereine wie uns treffen könnte", sagt Hofmann. "Das lässt sich nicht einfach aufhalten."

Nun bleibt den Verantwortlichen beim KSV nur noch die Abwicklung

Seine Mitstreiter und er hätten nach der Entscheidung zunächst alle Verträge, etwa mit der Stadt über die Nutzung von Sportplatz und Sportheim, aber auch die Mitgliedschaften im Hessischen Fußballverband und im Landessportbund Hessen gekündigt. Bis beim Amtsgericht die Löschung aus dem Vereinsregister durchgewunken sei, rechne er noch mit einigen Wochen. Das Vermögen, sofern noch welches übrig ist, soll gemäß Satzung an eine gemeinnützige Organisation oder Einrichtung innerhalb der Reichelsheimer Stadtgrenzen gespendet werden.

Bürgermeister Bertin Bischofsberger findet es "bedauerlich, wenn ein Verein mit einer solchen Tradition plötzlich geht". Für eine Kommune wie Reichelsheim sei der Klub sehr bedeutend gewesen, da gerade Fußballvereine einen großen gesellschaftlichen Stellenwert hätten. Doch alle Versuche, den KSV am Leben zu erhalten, seien letztlich gescheitert, erklärt der Rathauschef.

Kickers Horlofftal bereits in Gesprächen mit der Stadt Reichelsheim

Immerhin: Das Sportgelände wird vermutlich nur kurze Zeit brachliegen, einerseits weil die Nachbarvereine vom SKV Beienheim und dem TSV Dorn-Assenheim bei Engpässen oder Bauarbeiten nach wie vor gerne auf den Weckesheimer Platz ausweichen, andererseits weil der im vergangenen Jahr neu gegründete Jugendfußballverein Kickers Horlofttal bereits einen Antrag auf Nutzung des Geländes samt Sportheim gestellt habe, wie Bischofsberger auf Nachfrage bestätigt. Die Stadt sei ohnehin verpflichtet, dem Verein eine Spielstätte zur Verfügung zu stellen. Dieser Verpflichtung werde man nun voraussichtlich in Weckesheim nachkommen können. Der Magistrat will darüber nach einem Treffen mit Kickers-Vertretern entscheiden, über einen Erbbaupachtvertrag für das Sportheim, das sich ebenfalls in Besitz der Stadt befindet, müssen die Stadtverordneten abstimmen. Etwaige Gerüchte, auch der FC Inter Reichelsheim, der zur neuen Saison wieder am Spielbetrieb im Fußballkreis Friedberg teilnimmt, habe ebenfalls Interesse an der Nutzung des Gelände, bestätigte Bischofsberger dagegen nicht: "Bis jetzt gab es keinen Kontakt mit dem Verein", sagt er. Aktuell spielt der FC Inter auf einem Nebenplatz in Reichelsheim, den Hauptplatz nutzt der SV Reichelsheim.

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