150 Sportler von innerhalb und außerhalb der Mauern messen sich den gesamten Samstag über in der Sporthalle der Justizvollzugsanstalt Rockenberg beim zweiten Adventsturnier. FOTO: PV
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150 Sportler von innerhalb und außerhalb der Mauern messen sich den gesamten Samstag über in der Sporthalle der Justizvollzugsanstalt Rockenberg beim zweiten Adventsturnier. FOTO: PV

Traditionelles Adventsurnier

Warum Wetterauer Fußballteams hinter den Mauern der JVA Rockenberg kicken

  • Philipp Keßler
    vonPhilipp Keßler
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16 Teams, mehr als 150 Sportler - und das alles noch hinter hohen Mauern und Stacheldraht. Der Wert des Adventsturniers in der Justizvollzugsanstalt Rockenberg liegt vor allem abseits des Feldes.

"Wenn sich die Ereignisse etwas setzen und man das Geschehene noch einmal Revue passieren lässt, dann ist das wirklich ein schöner Tag gewesen", sagt Christopher Mank. Der Spielertrainer des "Friedberger" B-Ligisten SV Blau-Weiß Espa, der gleichzeitig als Sportübungsleiter in der Justizvollzugsanstalt Rockenberg arbeitet, hat mit seinen Kollegen am Samstag bereits zum zweiten Mal ein Event auf die Beine gestellt, das in Deutschland Seltenheitswert besitzen dürfte: ein Hallenfußballturnier mit Mannschaften aus Gefangenen, regulären Vereinen der Region aber auch Bediensteten und Hobbykickern.

"Friedberger" Kreisoberligist SV Bruchenbrücken verliert erst im Finale

So sehen Sieger aus: Christopher Mank, Sportübungsleiter in der JVA Rockenberg (l.), übergibt den Siegerpokal an Marcel Olsson von der Hobbymannschaft der "Allianz". FOTO: PV

Bereits am Morgen trafen sich die mehr als 150 Sportler hinter den Mauern des ehemaligen Zisterzienserklosters im Norden der Wetterau, um als Teil des Projektes "Anstoß für ein neues Leben" der JVA in Kooperation mit der Sepp-Herberger-Stiftung und anderen öffentlichen Institutionen wie der Agentur für Arbeit gemeinsam ihrer Leidenschaft, dem Fußball, zu frönen. Am Ende gewann die Hobbymannschaft der "Allianz", die der Assenheimer Ronald Geyer mitgebracht hatte. Das Mitglied der "Freunde der Nationalmannschaft" engagiert sich bereits seit Beginn für das Projekt zur Resozialisierung der männlichen, jugendlichen Straftätern, die in Rockenberg ihre Haftstrafen verbüßen.

In vier Vierergruppen wurden zunächst im Modus "Jeder-gegen-jeden" die Sieger und damit die Halbfinalteilnehmer ausgespielt. Am Ende setzte sich die "Allianz"-Hobbymannschaft im zehnminütigen Finale gegen eine Auswahl des Kreisoberligisten SV Bruchenbrücken durch, Dritter wurde die erste von zwei Mannschaften des SV Assenheim. Sie alle erhielten Geld- und Sachpreise. Der Titelverteidiger, die Gefangenen von der SG Marienschloß, dem ältesten Gefangenensportverein Deutschlands, schied als Zweiter seiner Gruppe aus.

Mank: "Für die Gefangenen ist das besonders"

Viel wichtiger aber: Die 15 Gefangenen aus der Neigungsgruppe Fußball, die bei Mank regelmäßig trainieren, durften sich auch mal im Wettstreit mit Mannschaften von außerhalb der Mauern messen. "Für die Gefangenen ist das sehr besonders", sagte Mank. "Aber auch für die Gegenseite ist es toll zu sehen, dass hier keinesfalls nur Schwerverbrecher sitzen, sondern, dass es letztlich auch nur Jungs sind, die gerne kicken."

So fiel das Fazit von Mank und seinem Vorgesetzten Dierk Bublitz sowie seinem Kollegen Ludwig Braun durchweg positiv aus: "Es war zwar insgesamt ziemlich anstrengend, da wir das hier auch neben unserer täglichen Arbeit organisieren, aber es war ein geiles Turnier." Sie beschäftigen sich bereits mit Gedankenspielen für eine Neuauflage als Neujahrsturnier oder ein Freiluftturnier im Sommer. Der Dank galt neben allen Teilnehmern, darunter auch der TSV Rödgen, Bedienstetenmannschaften der JVA’s aus Rockenberg, Gießen, Butzbach sowie ein reines Frauenteam aus der JVA Frankfurt III, den beiden Schiedsrichtern Sascha Dimmer (Dorn-Assenheim) und Daniel Salomon (Rockenberg) sowie allen Helfern und Gönner, darunter natürlich auch die Anstaltsleitung, die den entsprechenden Aufwand mit Überprüfung im Vorfeld und Einlasskontrolle am Turniertag aller Sportler mittrug.

Adventsturnier bekommt eigene Beiträge in Radio und Fernsehen

Besonders schön für alle: Auch der Hessische Rundfunk war vor Ort und belohnte das Engagement der JVA-Mitarbeiter und aller anderen Beteiligten mit je einem Radio- und TV-Beitrag. Mank: "Der Aufwand im Vorfeld ist verrückt, aber es hat sich gelohnt - und am Ende kriegt man das alles zurück."

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